Das HELLES & HELLFIRE findet 2026 zum zweiten Mal statt und will sich als Name in der oberpfälzischen Festivallandschaft etablieren. Nach der ersten Ausgabe 2025 als Eintagesfestival mit GRAVE DIGGER als Headliner gibt es nun zwei Tage lang pure Musik, Spaß und – natürlich – Helles. Der Umzug von Waldershof nach Püchersreuth in die O’Schnitthalle Wurz kommt nicht von ungefähr, ist die Location doch schon u.a. durch das seit 2016 dort stattfindende STORM CRUSHER FESTIVAL erprobt.
Der familiäre Charakter des Festivals ist von Beginn an spürbar: Die Band von Veranstalter Kevin Wienerl – THORONDIR – ist tatkräftig in die Umsetzung des Festivals eingebunden und als Festivalbecher dienen die Becher der letztjährigen Ausgaben des nahegelegenen STICKY FINGERS FESTIVAL – das ist Szenezusammenhalt. Vor Ort scheint jeder jeden zu kennen, was zusätzlich zur Location für charmant-rustikale Dorffestatmosphäre sorgt. Die ländlich gelegene O’Schnitthalle wurde eigentlich eigens für die Feier des ersten Maisabschnitt im September gebaut. An diesem Wochenende schneiden jedoch nur harte Sounds durch die Luft.
Freitag, 09.05.2026 – Tag 1
Eröffnet wird das Festival von lokalen Bands aus der Oberpfalz: Die SMOKIN HELL BASTARDS aus Tirschenreuth spielen Thrash ‘n’ Roll und die Amberger REAPER’S REVENGE warten mit einer Mischung aus US-geprägtem Power und Thrash Metal auf. Mit DISBELIEF folgt ein Urgestein der deutschen Death-Metal-Szene – schon seit 1990 sind die Hessen unterwegs. Was direkt auffällt ist, dass die Running Order den Bands ordentlich Spielzeit einräumt: Bereits ab DISBELIEF darf jede Band mindestens eine Stunde auf die Bühne. Ein weiteres Urgestein betritt danach die Bühne: Die Erfurter MACBETH wurden 1985 gegründet und waren eine der ersten Heavy-Metal-Bands der DDR.

Die deutschen Black-Metal-Senkrechtstarter GROZA stießen erst knapp zwei Wochen vor dem Festival zum Billing, nachdem SOUL DEMISE absagen mussten. Ein qualitativer Verlust für das Line-up ist das jedenfalls nicht, die Bayern um Frontmann P.G. wissen von Sekunde eins an in der nebelverhangenen Halle zu überzeugen. Bemerkenswert souverän schaffen es GROZA, mit ihrem modernen Black Metal eine einnehmende Atmosphäre zu erzeugen, vom schwarz verhüllten Auftreten der Band bis zum messerscharfen Sound ist alles überzeugend. Das gefällt auch dem Publikum, es wird fleißig mitgenickt und jeder Song wohlwollend mit Applaus und gereckten Fäusten honoriert.

Nun wird es unterhaltsamer, denn die Finnen WARMEN eröffnen ihre Festival Season und machen keinen Hehl daraus, schon vom bayerischen Gerstensaft genascht zu haben. “Ich bin eine besoffene Sau”, konstatiert Keyboarder Janne Wirman, der auch ansonsten Freude daran hat, mit deutschen Ansagen zu spielen. Eine gemeinsame Tour mit WARMEN und den heutigen Headlinern FINNTROLL würde laut ihm “niemand überleben” und plädiert zeitgleich dafür, dass die Zuschauer sich bei lokalen Veranstaltern genau für dieses Tourpackage stark machen sollen. Zu Beginn des Auftritts versinken die flinken Riffs und Melodien noch im zu heftig wummernden Bass. Das legt sich aber nach ein paar Songs und dann machen WARMEN auch richtig Spaß und auch die Stimmung wird von Song zu Song besser. Dem Aufruf von Sänger Petri Lindroos nach einem gewaltigen Moshpit wird immerhin ein bisschen Folge geleistet und ein paar Feierwütige hüpfen gemächlich im Kreis. Nicht nur beim von Alexi Laiho (R.I.P.) geschriebenen “Suck My Attitude” schwebt der Geist von CHILDREN OF BODOM wohlig in der O’Schnitthalle, auch Songs wie “Warmen Are Here For None” erzeugen COB-Feeling. Das abschließende Cover des 80er-Rockwell-Hits “Somebody’s Watching Me” ist nach knapp 75 Minuten nicht nur ein schönes Ende zum Mitsingen und Tanzen, sondern auch ein weiterer herziger Gruß zu Alexi Laiho.

FINNTROLL scheinen sich trotz der bierseligen Gesellschaft der WARMEN noch zusammengerissen haben, denn die Skandinavier mit den lustigen Trollohren präsentieren sich heute in bester Form. Wie auch schon bei der Heidenfest-Tour Anfang 2026 setzt Stammsänger Vreth aus und wird durch Kistelach vertreten und erneut überzeugt der Schwede auf ganzer Linie, sowohl gesanglich wie auch mit seiner Bühnenpräsenz. Er tanzt, schwoft und posiert durchgehend und scheint sich in der Rolle als Troll an vorderster Front durchaus wohl zu fühlen. Auch die Abstimmung mit der restlichen Stammband funktioniert prima, FINNTROLL wirken auch mit Kistelach wie eine perfekt geölte Trollmaschine. Auch der Sound ist top und so glänzen FINNTROLL mit ihren Hits von “Blodsvept” über “Trollhammaren” bis “Jaktens Tid” sowie “Ormfolk” und mächtig Energie. Dass von den 90 angesetzten Minuten am Ende nur knapp 70 Minuten gespielt werden und die Keyboardspuren wie inzwischen gewohnt leider vom Band kommen, trübt die sehr gute Stimmung und die Party in der Halle nicht im Geringsten.
Samstag, 10.05.2026 – Tag 2
Der zweite Festivaltag beginnt bereits um 10 Uhr mit – natürlich – einem Frühschoppen. Wir sind ja schließlich in Bayern. Da der Biergarten vor dem Einlass aufgebaut ist, können auch Besucher ohne Festivalticket für 5 € Eintritt vorbeikommen. Der Biergarten ist jedenfalls gut gefüllt, während die BEJER SINGERS in Mundart die Besucher von 10 bis 12 Uhr mit metallischem Spaß unterhalten.
Das Programm in der Halle beginnt um 13:15 Uhr mit den fränkischen Death-/Black-Metallern von ASKON. Danach dürfen die Thüringer NEXUS OMEGA ihren modernen Melodic Death Metal dem oberpfälzischen Publikum präsentieren. Erstmals überregional wird es an diesem Samstag mit den österreichischen Pagan Metallern NORDBLUT.

Die Band um Veranstalter Kevin Wienerl am Gesang kommt erwartungsgemäß gut an, schließlich ist es für THORONDIR in der Oberpfalz ein Heimspiel und viele bekannte Gesichter sind vor Ort. Aber auch ohne den Heimbonus können die Pagan Metaller überzeugen: Die Bühnendeko und die Kostüme sind stimmig, der Sound angemessen kantig, roh und damit passend zu den Alben, die den Melodic-Black-Metal-Charme um die Jahrtausendwende tragen. Beinahe etwas zu roh fällt die Performance aus, diese ist zwar charmant, aber etwas steif. Mehr Bewegung und sichtbarer Einsatz würde hier noch zusätzliche Power rüberbringen. Doch egal, ob “Düsterwald” vom gleichnamigen Debütalbum oder “Perchtas Schatten” von der aktuellen Platte “Wächter des Waldes”, alle Songs werden ausgiebig bejubelt. Kurz vor Ende lässt Kevin Wienerl in einer emotionalen Ansprache merken, dass dieses Festival eindeutig von Fans für Fans ist. Auch Mitveranstalter Michael, der tags zuvor noch ausgelassen mit den Besuchern in den ersten Reihen gefeiert hat, wird auf die Bühne geholt. Beim anschließenden “Düsterwald” und dem großen Jubel im Publikum kann sich Wienerl die Tränen der Rührung und des abfallenden Ballasts kaum verdrücken. Ein schöner Moment für alle Anwesenden, der die eh schon gute Stimmung im Publikum zusätzlich hebt.

Danach scheint der Großteil der Besucher jedoch erstmal eine Pause zu brauchen – die Bühne ist bei KOLOSSOS wie leergefegt, nur vereinzelte Zuschauer finden sich noch ein. Sind die Nordbayern mit ihrem modern angestrichenen Melodic Metal stilistisch etwa eine zu große Abwechslung in Püchersreuth? Zu allem Überfluss haben KOLOSSOS auch noch mit der Technik zu kämpfen: Die Funkmikrofone fallen ständig aus, auch die Abstimmung über die Monitore scheint nicht ganz reibungslos zu laufen. Die Band versucht das Beste aus dem rabenschwarzen Tag zu machen, Sänger Peter entschuldigt sich charmant und KOLOSSOS ziehen so gut wie möglich durch. Qualitativ kann man den Nordbayern jedenfalls nichts vorwerfen. Zu “Game Law Metal” lässt sich Alexander Schirmer von WINTERSTORM auf die Bühne bitten. Ganz frei bewegen kann er sich nicht, da das Funkmikrofon aussetzt, wenn er zu weit vorne steht – er und KOLOSSOS machen aber dennoch das Beste aus der Situation. Am Ende steht ein launiger, sympathischer Auftritt, der den wenigen Zuschauern trotz der Probleme eine gute Zeit bereitet hat.

Auch bei den Power Metallern und Local Heroes von WINTERSTORM halten die technischen Probleme trotz um 10 Minuten verzögertem Beginn leider an: Der Bass dröhnt und wummert dermaßen stark, dass es nach wenigen Songs unangenehm wird, in der Halle zu bleiben. Sogar neben und hinter der Halle im Außenbereich macht sich der Bass stark bemerkbar. Die Stimmung vor der Bühne ist dennoch gut, eine ausgewogene Mischung aus Bier, Gehörschutz und Feierwut scheint die nötige Resilienz gegen den Hörsturz zu liefern. Auch die Abstimmung auf der Bühne wirkt noch etwas wild, doch WINTERSTORM zeigen, dass sie Profis sind: Launige Ansagen und eine mitreißende Performance sorgen für ein tolles Konzerterlebnis. Zwischendurch werden zum Beispiel für den längsten Schrei noch Shirts und Caps unters Volk gebracht. Abgesehen vom übersteuerten Bass ein gelungener und sympathischer Auftritt der Bayreuther.

Nach mehreren Lokalmatadoren betreten OBSCURITY aus Nordrhein-Westfalen die Bühne. Zu Beginn kämpfen auch die Melodic Death Metaller mit Tonproblemen, teilweise fällt sogar die ganze Anlage aus. Das Problem kann nun aber endlich gelöst werden und schon ab dem zweiten Song ist alles in Butter und der Sound wieder gut und differenziert abgestimmt. Mehr als gut ist der Auftritt selbst, OBSCURITY liefern die mitreißendste Show des Wochenendes ab. Von der ersten Sekunde an haben sie Bock und das Publikum feiert durchgehend. Egal, ob Songs vom aktuellen Album “Ascheregen” oder über 15 Jahre alte Tracks wie “Bergischer Hammer” – OBSCURITY versprühen diese rohe, ungebändigte, wuchtige Energie, die man bei AMON AMARTH seit vielen Jahren vermisst. Zwischen der 24/7-Headbangtauglichkeit erweisen sich OBSCURITY vor allem wegen Sänger Agalaz als Sympathieträger. Ob er nun erzählt, dass er später als seine Bandkollegen anreiste, weil er den 70. Geburtstag seiner Mama gefeiert hat oder vor “Ketzerjagd” fragt, ob jemand sonntags brav in die Kirche geht – die emotionale Verbindung zum Publikum steht und alle haben eine tolle Zeit. Gegen Ende zeigt Agalaz noch mehr Fannähe und singt auf der Absperrung direkt zu den ersten Reihen. Wer mit OBSCURITY noch nicht vertraut war, dürfte nach dieser schweißtreibenden Stunde ein neuer Fan der Band sein.
Weniger Action, dafür umso trockeneren und humorlosen Death Metal zelebrieren UNLEASHED. Die Schweden gehen stramm auf ihr 40-jähriges Jubiläum zu und die Routine merkt man den Mannen an: Auch, wenn das Publikum nach zwei harten Festivaltagen Ermüdungserscheinungen zeigt, kommt der Old-School-Death-Metal dank der tighten Performance an und sorgt nochmal für Bewegung, fliegende Mähnen und massig Pommesgabeln. Die Setlist bietet einen umfassenden Querschnitt durch 37 Jahre UNLEASHED, von “The Dark One” vom Debütalbum (1991) bis “Hold Your Hammers High!” vom aktuellen, 15. Album „Fire Upon Your Lands“ (2025) wird die gesamte Bandgeschichte abgedeckt. Dass die songschreiberische Varianz sich in dreieinhalb Jahrzehnten nicht allzu sehr verändert hat, schadet dem Auftritt nicht im geringsten – UNLEASHED überzeugen auf ganzer Linie.

Auch wenn es schon spät ist, lassen sich DIE APOKALYPTISCHEN REITER Zeit: Um 23:40 Uhr startet der abschließende Headliner mit etwa 10 Minuten Verspätung. Schon während des mystischen Intros werden die Jubelrufe laut, als die Band die Bühne betritt und Fuchs ans Steuerrad-Mikrofon tritt erst recht. DIE APOKALYPTISCHEN REITER präsentieren sich heute so routiniert, spielfreudig und bestens aufgelegt wie auf der vergangenen Tour im Winter 2025. Zwar sind auch die Setlist und die durchchoreografierten Ansagen zwischen den Songs identisch zur Tour, das schadet aber weder der Qualität der Show noch der Stimmung. Die REITER spielen auf, als wäre die Wurzer O’Schnitthalle ein prall gefülltes Stadion – “Volle Kraft” eben. Egal ob Klassiker wie “Metal Will Never Die” und “Iron Fist”, Brecher wie “Und vier Reiter stehen bereit”, die emotionale Ballade “Weiße Pferde” oder das wilde “The Great Experience of Ecstasy”, jeder Song sitzt. Die letzten Kräfte mobilisierend singen und headbangen die Zuschauer nochmal durchgehend, im Laufe des Konzertes wird fast jedes Lied wird mit “Reiter”-Sprechchören honoriert. Auch ohne spontane Ansagen hat Fuchs das Publikum in der Hand und so endet HELLES & HELLFIRE mit einem absoluten Highlight einer bestens aufgelegten Live-Macht.
Fazit
So friedlich und gemütlich wie es begann, so endet es auch – das HELLES & HELLFIRE 2026 war durchgehend gelungen und angenehm. Die ländliche Lage der Location sorgt abseits der Konzerte für wohlige Entschleunigung, auf Schnickschnack wird seitens der Veranstalter auch verzichtet: Vor der Halle gibt es einen Biergarten, einen Schmuck- und Lederstand sowie drei Essensstände. Hier gibt es sogar mehrere vegetarische Optionen und – abgesehen von den üblichen Pommes – sogar vegane Auswahl. Gut frequentiert wird natürlich auch der Getränkestand mit Bier einer lokalen Brauerei, neben dem namensgebendem Hellen gibt es oberpfalztypisch auch Zoigl.
Organisatorisch alles in Butter: Das Festival verläuft problem- und vorfallslos, die paar Hundert Besucher haben allesamt eine gute Zeit und ein paar Minuten Verzögerung bei den Anfangszeiten der Shows stören auch niemanden. Auch die Bands selbst scheinen es sich in Püchersreuth gut gehen zu lassen, sind doch mehrere Musiker für längere Zeit am Merchandise-Stand zu finden und teilweise auch im Publikum. Dass man sich hier gut aufgehoben fühlt, merkte man auch bei den Konzerten selbst, als mehrere Bands bei ihren Auftritten die Veranstalter und die gute Organisation gelobt haben. Abgesehen von den zwischenzeitlichen Soundproblemen war auch technisch vom Sound bis zur Beleuchtung alles bestens. Alles in allem ein sehr gelungenes zweites HELLES & HELLFIRE, die Erweiterung auf zwei Tage ist geglückt. Das darf 2027 sehr gerne seine Fortsetzung finden!
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