
Die HOLLYWOOD VAMPIRES sind zurück: Nach drei Jahren macht die Supergroup wieder in Köln, Hamburg und Nürnberg Station – wo Alice Cooper und Johnny Depp schon vor dem Konzert für Auflauf sorgten, als sie in der Innenstadt essen gingen. Bleibt die Frage, ob der Hype berechtigt ist oder die Vampire inzwischen zahnlos geworden sind.

Die PSD Bank Nürnberg Arena ist auf den Rängen schon zeitig gut besetzt, man findet sich ein. Einzig der Golden Circle bietet noch reichlich Platz, was nicht zuletzt an den Ticketpreisen gelegen haben dürfte. Pünktlich um 20:00 Uhr schickt sich CASSYETTE an, das Publikum auf die HOLLYWOOD VAMPIRES vorzubereiten. Die Britin, deren Mischung aus Nu Metal, Pop und Hardcore unter dem Label „Nu Gen“ läuft, überzeugt von Beginn an. Einziges Manko: Auf der großen Bühne wirkt sie mit ihrem Gitarristen und dem hinter Plexiglas abgeschirmten Drummer etwas verloren. Der Sound macht das wett – wuchtig und präzise. Die teilweise krassen Wechsel zwischen zartem Klargesang und aggressiven Growls – wie in „September Rain“ – kommen vollends zur Geltung. Auch wenn der Auftritt sehr kurz bemessen ist, nutzt CASSYETTE die 30 Minuten voll aus und dürfte an diesem Abend eine Menge neuer Fans dazugewonnen haben.
Angekündigt sind die HOLLYWOOD VAMPIRES für 20:45 Uhr, tatsächlich dauert es etwas länger. Bei knapp 300 gemeinsamen Lebensjahren auf der Bühne sei das verziehen. Den Auftritt läutet Bela Lugosis ikonisches „Listen to them, children of the night. What music they make!“ stilsicher ein – begleitet von einer Diaschau älterer Auftritte auf den riesigen Bildschirmen. Das ist freilich interessant, aber man hätte sich etwas mehr Auflösung gewünscht. Die sichtbaren Pixel mag man als Retro-Effekt durchgehen lassen – nach Absicht sieht es nicht aus. Nebel, rotes Licht und die Animation, wie sich die HOLLYWOOD VAMPIRES aus ihren Särgen erheben – es kann losgehen!

Alice Cooper und „seine“ HOLLYWOOD VAMPIRES beginnen den Abend mit „I Want My Now“ und plötzlich steht man in einer Rockshow inklusive gigantischem Vampirgebiss über der Bühne. Die vier lassen einander dabei bereitwillig den Vortritt und sind sichtlich in ihrem Element. Hauptaugenmerk liegt auf Alice Cooper, der die gesamte Bühne für sich nutzt, sich gewohnt publikumsnah zeigt, agil und alles andere als alt.

Er ist Legende, er ist Rockstar und macht das an diesem Abend unmissverständlich klar: Er wirbelt den Gehstock, als hätte er nie etwas anderes gemacht, wechselt Outfits und geht mit dem Messer auf die Ballons los, die das Publikum zurück auf die Bühne wirft. Dabei sucht er die Nähe seiner Bandkollegen und inszeniert nicht nur sich, sondern das ganze Drumherum. Das lockert die komplette Show auf: Es ist die Band, um die es geht, und nicht die einzelnen (großen) Namen. Ein jeder hat seine Zeit im Rampenlicht, bekommt den Fokus, darf sich zeigen. Johnny Depp performt „Heroes“ (David Bowie), Joe Perry „You Can’t Put Your Arms Round a Memory“ (Johnny Thunders), Tommy Henriksen singt „Highway to Hell“ (AC/DC) beeindruckend gut. Das bringt Abwechslung über das gesamte Konzert hinweg.
Es sind kleinere Aussetzer, die das perfekte Erlebnis etwas trüben: Zum einen lässt gleich zweimal der Pegel am Mikrofon zu wünschen übrig, was schneller hätte korrigiert werden müssen. Zum anderen: Auch wenn die meisten Visualisierungen der Show dienen, ist die offensichtliche KI-Animation zu „Highway To Hell“ unterirdisch schlecht. Man möchte sie ignorieren, aber das gelingt bei der Größe der Bildschirme leider nicht. Bleibt der Preis, für den die Band wohl am wenigsten kann: Günstig ist der Abend ohnehin nicht, und am Merchstand kostet ein Shirt 50 €, ein Hoodie gar 90 €.
Schade, denn ansonsten passiert hier wirklich Großes in einer kurzweiligen Show, deren Setlist gekonnt gewählt ist. Eigene Songs und Cover folgen in erfrischender Abwechslung, sodass selbst diejenigen, die keinen der HOLLYWOOD-VAMPIRES-Songs gekannt haben sollten, abgeholt sind – spätestens beim finalen Medley aus „School’s Out“ und „Another Brick In The Wall“.
- I Want My Now
- Raise The Dead
- My Dead Drunk Friends
- I’m Eighteen (Alice-Cooper-Cover)
- The Boogieman Surprise
- Venus In Furs (The-Velvet-Underground-Cover)
- People Who Died (The-Jim-Carroll-Band-Cover)
- You Can’t Put Your Arms Round A Memory (Johnny-Thunders-Cover)
- Who’s Laughing Now
- Livin‘ On The Edge (Aerosmith-Cover)
- Baba O’Riley (The-Who-Cover)
- Bright Light Fright (Aerosmith-Cover)
- Beck’s Bolero (Jeff-Beck-Cover)
- Roadhouse Blues (The-Doors-Cover)
- The Death And Resurrection Show (Killing-Joke-Cover)
- „Heroes“ (David-Bowie-Cover)
- Highway To Hell (AC/DC-Cover)
- Walk This Way (Aerosmith-Cover)
- School’s Out / Another Brick In The Wall
- —
- The Train Kept A-Rollin‘ (Tiny-Bradshaw-Cover)

Die HOLLYWOOD VAMPIRES sind mehr als vier bekannte Namen auf einem Plakat: Sie funktionieren als Band, und die Setlist trägt auch die, die keinen ihrer eigenen Songs kennen. Zahnlos ist hier nichts – nur die Animationsabteilung hätte mitziehen müssen, und auch, wenn es nur Kleinigkeiten waren: ein rundum perfekter Sound klingt anders.
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