In Flames w/ Black Temple

  • Linz, Posthof (Großer Saal)
  • 18. November 2015

In Flames Tour 2015

Wenn IN FLAMES auf Tour waren, kamen die Fans in Deutschland und Österreich stets gut weg – Termine in allen größeren Städten waren normalerweise gesetzt. Nicht so diesmal: Von einem kurzen Abstecher nach Mitteleuropa abgesehen bereisen die Schweden auf der Abschiedstour ihres scheidenden Schlagzeugers Daniel Svensson fast ausschließlich ihre Heimat und die übrigen skandinavischen Länder.

Dass der Tourtross zudem, statt in München oder Wien, ausgerechnet im eher beschaulichen Linz halt macht, verwundert da umso mehr. Das auf rund 1200 beschränkte Ticketkontingent für den Großen Saal des Posthof ist bereits weit im Vorhinein erschöpft, familiäre Atmosphäre ist trotzdem garantiert.

Um Schlag Acht erlischt das Licht und BLACK TEMPLE eröffnen den Konzertabend. Mit ihrem harten, aber doch stets rockigen Metal sowie durchweg sympathischem Auftreten weiß das Trio aus Helsingborg durchaus zu gefallen, wenn sich das Publikum auch noch nicht wirklich mitreißen lässt. Erst als zum Abschluss des Sets in bester Rockstar-Manier das Schlagzeug demontiert und der Bass in dessen Überreste geschleudert wird, gibt es den lange verdienten Applaus. Doch die Schweden zeigen sich auch von einer ernsten Seite: Mit dem Statement, die Devilhornes seien ein starkes Zeichen, in Zeiten wie diesen sei das Peace-Zeichen jedoch das wichtigere Symbol, zollen sie den Opfern von Paris ohne viel Pathos den gebührenden Respekt.

In Flames Logo

Eine Dreiviertelstunde lassen IN FLAMES auf sich warten, bevor sie sich anschicken, den mittlerweile gesteckt vollen Posthof zum Schwitzen zu bringen: Los geht es mit einem Block neuerer Songs von den letzten drei Alben, „Siren Charms“, „Sounds Of A Playground Fading“ und „A Sense Of Purpose“. Ihre Wurzeln haben IN FLAMES jedoch auch nach all den Jahren nicht vergessen: „Clayman“, „Colony“ und sogar „Whoracle“ sind im Set ebenso gut vertreten wie die neueren Werke. Zumal IN FLAMES mit dem „Colony“-Hit „Ordinary Story“ einen seit Jahren nicht gespielten Song wieder im Set haben, gibt es auch für Oldschool-Fans keinen Anlass zu Unzufriedenheit.

Inflames Siren Charms CoverNicht nur die Setlist, auch die Performance der Band sorgt für helle Freude: Anders Fridéns oft sehr spontanen, stets sympathischen Ansagen sorgen in der familiären Atmosphäre der vergleichsweise kleinen Halle dafür, dass Band und Publikum schnell zueinanderfinden. Wie viel Fridén daran liegt, sein Publikum zu erreichen, zeigt sich, als auch er in einer bewegenden Ansage auf den Terror in Paris zu sprechen kommt: Den stumpfsinnigen Zwischenruf „Fuck the Islam!“ lässt er dem Schreihals so nicht durchgehen – und erntet für seine Ausführungen zum Thema Toleranz laustarken Applaus.

Setlist IN FLAMES

  1. Jester’s Door
  2. Everything’s Gone
  3. Alias
  4. Darker Times
  5. Siren Charms
  6. Black & White
  7. Pinball Map
  8. Disconnected
  9. Leeches
  10. Like You Better Dead
  11. Bullet Ride
  12. Only For The Weak
  13. Food For The Gods
  14. Ordinary Story
  15. Crawl Through Knives
  16. Satellites And Astronauts
  17. The Hive
  18. Take This Life
  19. Cloud Connected
  20. Where The Dead Ships Dwell
  21. Deliver Us
  22. Paralyzed
  23. My Sweet Shadow


Mit „My Sweet Shaddow“ verabschieden sich IN FLAMES schließlich vom euphorisierten Linzer Publikum, nachdem sie anderthalb schweißtreibende Stunden lang alles richtig gemacht haben: Die Anschläge in Paris, die jeden Rock-Fan und -Musiker ins Herz getroffen haben, bleiben nicht unerwähnt – ohne jedoch die Freude und Unbeschwertheit des Konzertabends zu trüben, für die heute alle im Posthof zusammengekommen sind und die ein Teil der Freiheit sind, die es zu wahren gilt.

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