Katzenjammer w/ Sivert Høyem

  • Zenith München
  • 17. Dezember 2015

katzenjammer 2016

KATZENJAMMER kehren nach nur wenigen Monaten zurück nach München, und locken nach so kurzer Zeit nicht nur wieder einen Haufen Fans an, sondern vergrößern ihre Bühne direkt einmal von Tonhalle zu Zenith. Ein steiler, schneller Aufstieg für eine Band, deren Tour- und Schaffenspause in der heutigen, schnelllebigen Zeit sicherlich bei vielen potentiellen Konzertbesuchern für Amnesie gesorgt hat. Umso erfreulicher, dass der fetzige Folkrock auch zweimal im Jahr tausende Fans jeder Altersklasse in die Konzerthallen lockt.

sivert

Als kleiner Einblick in die Singer-Songwriter-Landschaft Norwegens haben die Katzen den talentierten SIVERT HØYEM im Gepäck. Dessen ehemalige und durchaus bekannte Indie-Rock-Band MADRUGADA löste sich 2007 nach dem Tod eines Band-Mitglieds auf, weswegen Høyem nun als Solokünstler unterwegs ist. Allein mit seiner Gitarre im Rampenlicht überrascht der sympathische Glatze-und-Anzug-Träger mit atmosphärischem tiefen Bass und überzeugenden Kompositionen. Irgendwo zwischen Mumford & Sons und Woodkid hat Høyem seine Schaffensniesche gefunden und schafft es mit ausstrahlender Ruhe, das Publikum im engeren Bühnenkreis für sich zu gewinnen. Weiter in die Halle hinein dürfte die Wirkung eher verpufft sein – aber solche Auftritte sind auch einfach nicht für ein vierstelliges Publikum gemacht.

katzenjammerDass KATZENJAMMER einmal eine Menschenmenge dieser Größenordnung begeistern würde, hätten die vier Mädels noch vor zehn Jahren selbst nicht geglaubt. Kaum fertig mit ihrer Tour zum neuen Album “Rockland” lockt es die Norwegerinnen direkt wieder nach München – um ihr Bandjubiläum lautstark mit ihren Fans zu feiern. Mit einem großzügigen Setlist-Schwenk durch alle drei bisherigen Alben lassen sie das letzte Jahrzehnt Revue passieren und holen dadurch neue und alte Fans gleichermaßen ab. KATZENJAMMER zeigen sich wie immer fantastisch gelaunt, wechseln bunt ihre Instrumente durch und singen sich die Seele aus dem Leib. Wenig unterscheidet dieses Konzert vom Auftritt im März, bei dem sie ebenfalls wie immer mit ihrem einzigartigen Charme punkten konnten. Das Dezemberkonzert überzeugt allerdings mit der besseren Setlist – das neue Album “Rockland” hatte das Niveau der Vorgängeralben nicht erreichen können, sodass ein ausgewogenerer Mix aus alt und neu dem Auftritt durchaus gut tat. Neue Songs wie “Rockland” oder “Lady Grey” bilden im Wechsel mit den geliebten Favoriten “Land of Confusion”, “Demon Kitty Rag” oder “Rock Paper Scissors” ein überraschend homogenes Bild, dessen Einzelteile man nicht mehr zwangsläufig einer Schaffenszeit zuordnen kann. Schön auch zu sehen, dass die Mädels offensichtlich noch hinter jedem ihrer Songs stehen und jeden einzelnen entsprechend zelebrieren.

Von Star-Alüren ist, trotz der erfolgreichen letzten Jahre, jedenfalls nichts zu spüren. Interessanterweise scheint sich aber bei dem eigentlich gleichberechtigten Vierergespann ein Trend abzuzeichnen, der die stimmgewaltige Marianne zumindest inszenatorisch in den Vordergrund rückt. Kein Wunder, erntet sie doch bei den Songs, die sie als Hauptstimme singt, mit Abstand den meisten Applaus. Durch ihre verrückten Stimmverrenkungen, flippigen Ausraster und ihr komödiantisches Talent hat sich Marianne schon immer ein wenig von den anderen drei Mädels abgehoben, doch eventuell schreien ja größere Bühnen automatisch nach einer Art Frontfrau? Ist es überhaupt möglich, bei einem so großen Publikum als gleichwertige Bandmitglieder wahrgenommen zu werden? Denn auch wenn es KATZENJAMMER nicht darauf anlegen, bleibt Marianne schlicht als Einzelperson im Gedächtnis, auf die sich Fans besonders freuen.

Dumm nur, dass Marianne kürzlich ihren Band-Austritt bekannt gegeben hat.Katzenjammer

Was Mariannes Ausstieg für die Band wirklich zu bedeuten hat wird man wohl erst wissen, wenn ein Ersatz für sie gefunden wurde – und das nächste Studioalbum veröffentlicht wird. Durch ihre überraschende Nachricht wurde das Jubiläumskonzert in München im Nachhinein jedenfalls auch zu einer Art Abschiedsparty, abgeschlossen mit Konfetti-Kanone und riesigen Luftballons. Auch wenn Marianne betont, dass KATZENJAMMER auch ohne sie genauso laut rocken werden wie bisher, bleiben doch Zweifel, dass ein würdiger Ersatz für sie überhaupt gefunden werden kann. Die Zukunft wird es zeigen. Retrospektiv bleibt eine Menge Bewunderung für die vier Mädels, die sich aus den kleinsten Clubs in die großen Konzerthallen hochgespielt haben, ohne sich und ihre Musik dabei völlig umzukrempeln. Und natürlich der Spaß, mit dem sie hoffentlich auch weiterhin sich und ihr Publikum anstecken werden.

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