Pillorian w/ Obsidian Chamber, Brume

  • Wien, Escape
  • 14. August 2018

Während viele (völlig zu Recht) noch das Ende Agallochs betrauern, hat Mastermind John Haughm seine neue Band PILLORIAN schon längst als beinahe ebenbürtiges Projekt etabliert. Obwohl der Nachfolger ihres Debüts „Obsidian Arc“ noch auf sich warten lässt, touren die Amerikaner unermüdlich durch aller Damen und Herren Länder, sodass es sie nun schon zum zweiten Mal in deutschsprachige Gefilde verschlägt. Mit den US-Doom-Metallern BRUME, die erst wenige Stunden vor der Show in Wien als Vorband angekündigt wurden, und den ebendort beheimateten Black-Metallern OBSIDIAN CHAMBER scheinen die Support-Slots passend besetzt zu sein, bilden Black und Doom Metal doch den musikalischen Kern von PILLORIAN – der Schein trügt jedoch ein wenig.

Als BRUME mit einer kleinen Verspätung ihr halbstündiges Set beginnen, ist das Publikum im ohnehin nicht gerade großräumigen Escape Metalcorner noch recht spärlich besetzt – gerade mal um die 30 Zuschauer haben sich vor der kleinen Bühne im Kellergeschoss der Bar niedergelassen. Davon lassen sich die Doom-Metaller jedoch nicht die Laune verderben, sondern spielen gelassen ihre durchgehend schleppenden Melodien und Rhythmen – vielleicht sogar etwas zu gelassen, macht Gitarrist Jamie McCathie doch hin und wieder den Eindruck, als schliefe er jeden Moment im Stehen ein. Bei der Monotonie der Musik, die BRUME zum Besten geben, vermag das nicht zu überraschen, nichtsdestotrotz kommt hier keine Langeweile auf. Dafür dürfen sich die Zuseher vor allem bei der flippigen Frontfrau Susie McMullan bedanken, die einiges an Energie in ihre Performance legt. Ihr wehklagender Gesang geht im Wettstreit mit den wuchtig-dröhnenden Gitarren und dem druckvollen Slow-Motion-Drumming jedoch leider über weite Strecken unter. Trotz kleinerer technischer Probleme hinterlassen BRUME, die heute schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen in Wien auf der Bühne stehen und die Stadt laut eigener Aussage bereits jetzt der Trump’schen Heimat vorziehen, jedoch einen zufriedenstellenden ersten Eindruck.

Spielten BRUME noch am unteren Ende der Geschwindigkeitsskala, erhöhen die Symphonic-Black-Metaller OBSIDIAN CHAMBER nun abrupt das Tempo und bringen damit die bereits zuvor brühend heiße Untergrund-Location vollends zum Kochen – sollte man meinen. Obwohl die drohenden Tremolo-Riffs und das Highspeed-Getrommel durchaus etwas hermachen und auf das erste Hinhören besser mit dem heutigen Main-Act konform gehen, lässt die Darbietung der Wiener bedauerlicherweise sehr zu wünschen übrig. Angefangen beim abstrusen Lederhosen-Look, der die Band eher wie eine Volksmusiktruppe vom Schlag eines Nockalm Quintetts aussehen lässt, setzt sich die Enttäuschung über deren ständige Forderung nach einem lauteren Gitarren-Sound, obwohl diese den Gesang ohnehin vollständig verdrängen, bis hin zum allzu laschen, lustlos wirkenden Auftreten von Sänger Grym fort. Erst bei „Der Schleimgeborene“ bringt ebenjener ein wenig Dramatik in seine Gestikulation, ohne dass dies jedoch seine erschreckend laienhafte Leistung hinter dem Mikro aufwiegen könnte. Die Versuche, zwischen den Songs mit dem nach wie vor überschaubaren Publikum zu interagieren, wirken weiterhin gezwungen und ziellos, ebenso wie die hin und wieder eingestreuten Symphonic-Samples. Es kommt somit wenig überraschend, dass es einige der Zuschauer schon vor dem letzten Stück wieder in Richtung Bar zieht. Obwohl OBSIDIAN CHAMBER mit respektabler Gitarren- und Schlagzeugarbeit aufwarten, ist es letztlich schwer, ihre Show ernstzunehmen – für Satire fehlt der Musik des Quartetts hingegen schlichtweg der Witz.

Im Gegensatz zu den beiden Vorbands starten PILLORIAN überpünktlich mit ihrer Show. Doch nicht nur zeitlich geben sich die Amerikaner beinahe schon zu mustergültig: Wo OBSIDIAN CHAMBER durch halbgares Gerede Publikumsnähe herzustellen versuchten, verzichten John Haughm und seine Mitstreiter gänzlich auf derartige Banalitäten zwischen den Songs. Mit Sympathie kann die unnahbare Hauptattraktion des heutigen Abends bei der inzwischen deutlich stärker vertretenen (wenngleich bei weitem nicht die Grenzen der Räumlichkeiten auslotenden) Zuschauerschaft nicht unbedingt punkten. Den Ausgleich schaffen PILLORIAN durch ihr vollauf konzentriertes und inbrünstiges Spiel. Mit stoischer Ernsthaftigkeit lässt das Quartett kernige Screams, finsteres, griffiges Riffing und explosive Blast-Beats fließend in schwermütig-melodiöse Doom-Parts übergehen, in denen vereinzelt auch klarer Gesang hinzutritt.

Davon abgesehen, dass die gelegentlichen Akustik-Passagen leider nur in Form von Samples zum Einsatz kommen, gibt es am einstündigen Auftritt aus technischer Sicht nichts zu beklagen. Alle Bandmitglieder sind gut aufeinander eingespielt und sogar der Sound ist endlich dahingehend ausbalanciert, dass keines der Instrumente die anderen übertönt. Allenfalls ein paar Feinheiten gehen in dem betont kraftvollen Klang verloren, so zum Beispiel das eine oder andere Solo. Nach ihrem Debüt-Opener „By The Light Of A Black Sun“, welcher sich offensichtlich auch hervorragend als Abschlussnummer macht, gehen PILLORIAN ohne große Abschiedsworte von der Stage und gewähren dem Publikum leider nicht die lautstark erbetene Zugabe. Ein leicht bitteres Ende für einen ansonsten weitgehend gelungenen Gig.

Die Show, die PILLORIAN ihren Wiener Fans bieten, wird auf lange Sicht gewiss nicht als Highlight der Tour oder gar der Bandhistorie in Erinnerung bleiben: Hier ein paar technische Schwierigkeiten und ein unausgeglichener Sound, dort eine praktisch nicht existente Lichtshow und eine vergleichsweise mickrige Zuseherschar bilden nicht gerade die optimalen Rahmenbedingungen. Und während BRUME ihre Sache als Opening-Act ganz gut machen, kann man bei OBSIDIAN CHAMBER nur den Kopf schütteln. Trotz dieser widrigen Umstände sowie der eher wenig aufsehenerregenden Darbietung von PILLORIAN selbst, in der echte Wow-Momente größtenteils ausbleiben, überwiegen schlussendlich doch die positiven Aspekte. Mögen sich PILLORIAN auch nicht durch außergewöhnliche Bühnenpräsenz hervortun, so doch in jedem Fall durch Authentizität und selbstgenügsame Leidenschaft.

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