Saga

  • Münster, Jovel
  • 04. Mai 2006

Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, das die kanadischen MelodicProgger SAGA zuletzt auf deutschen Bühnen standen. Im Dezember spielten sie einige Weihnachtsgigs für die Aufnahme einer DVD und stellten auch ihren neuen Schlagzeuger, Brian Doerner, erstmals der Öffentlichkeit vor.

Seit Mitte April befindet man sich jetzt auf der Welttournee zum brandneuen, erfrischenden Studiowerk „Trust“ und absolviert in diesem ersten Teil der Tour bis Ende Mai vor allem Konzerte in Deutschland. Da ich am 03. Mai meinen 21. Geburtstag gefeiert habe, kam ein SAGA-Konzert am darauffolgenden Tag gerade richtig – also nichts wie auf nach Münster.

Kaum dort angekommen, machten sich zunächst Befürchtungen breit, dass der Abend auf der Publikumsseite eher schwach besetzt sein würde. Nur wenig Leute hatten bereits zur Einlasszeit den Weg zur Halle gefunden. Vielleicht nicht unbedingt verwunderlich, da im quasi benachbarten Osnabrück eine Woche vorher eine ausverkaufte Show gespielt wurde. Kaum ins Jovel eingetreten, war man erst mal verwundert ob der doch sehr großen Bühne. Riesengroß, mit massig Platz für Michael Sadler und Jim Crichton für Stageacting. Auch das Ambiente in der Halle stimmte. Das „Jovel“ ist ein gemütliches, romantisches Veranstaltungsörtchen mittlerer Größe. Die Halle, die insgesamt 1500 Leute fasst, hat sich dann bis zum Beginn des SAGA-Gigs gottseidank noch etwa zur Hälfte gefüllt. Die kanadische Vorgruppe MIR brachte ein rund vierzigminütiges Programm aus schönen, alternativ-rockigen Songs und einschmeichelnden bis langweiligen Balladen. Sicherlich kein absolut hochkarätiger Support Act, dennoch haben die Jungs ihre Sache gut gemacht, kamen sympathisch rüber und sind mit Sicherheit nicht der schlechteste Act, den SAGA bisher im Gepäck hatten. Gleich der erste Song „Invisible Science“ hatte enorm Hitpotential, was so zum Beispiel auch für den Track „A Day In Your Life“ galt.

Punkt 21 Uhr sollte es dann aber mit SAGA losgehen. Die Introtöne erschallten und die Vorfreude meinerseits war riesengroß. Nach und nach kamen die Jungs dann auf die Bühne, Michael Sadler ließ sich in seiner schauspielerischen Art natürlich noch etwas Zeit und kam in weißem, halboffenen Hemd auf die Bühne. Schon unglaublich wie gut der Kerl mit über 50 Jahre noch aussieht! Neuerdings hat er übrigens eine rasierte Vollglatze. Doch nun zurück zur Musik: Ian Crichton strebte seiner Gitarre entgegen, schnallte sie um, wollte gerade die ersten Töne des Openers spielen. Doch es tat sich nichts! Danach wildes Treiben auf der Bühne, Technikergewusel, ein Michael Sadler, der erst kurz wieder verschwindet, um dann mit einem coolen „One moment, please“ die Situation runterzuspielen. Ganz egal, das Publikum kocht, bevor es schon einen Ton gehört hat und feuert die Band bereits vor dem ersten Song lauthals an. Wenig später geht es dann aber tatsächlich los. Mit dem Titeltrack des neuen Albums „Trust“, gefolgt von dessen Opener „That’s As Fas As I’ll Go“ – mit diesen beiden Songs gab es einen ziemlich rockigen Einstieg, ehe man mit „Wind Him Up“ bereits den ersten Klassiker und Mitgröhler auspackte.

Die Band schien hier bereits die anfänglichen Probleme vergessen zu haben, die fünf Mannen waren allesamt hervorragend aufgelegt. Vorallem Michael Sadler, der noch mehr Schauspielelemente in seine Bühnenshow eingebaut hat, stimmlich und körperlich unheimlich fit ist, eigentlich so fit wie nie zuvor. Aber auch Ian Crichton, der heute relativ heavy und frei raus spielt, wohl angetrieben vom neuen Mann hinter dem Drumkit: Schlagzeugwunder Brian Doerner, der in der Tat das beste ist, das der Band passieren konnte. Er bringt richtig Drive und Rockattitüde in die Show, hat der Band live wie auch im Studio eine richtige Frischzellenkur verpasst. Nach dem neueren Prog-Hit „On The Air“ und dem ebenfalls sehr heftigen „Keep It Reel“ von dem vorletzten Album „Network“, war dann auch das Licht auf Brian gerichtet. Der Rest der Band verschwand von der Bühne und Brian spielte ein kurzes, aber enorm knackiges Drumsolo, das er gegen Ende mit einer genialen Interpretation von „Ace Of Spades“ von Motörhead garnierte – da gab es dann auch richtig mächtig Doublebass auf die Ohren. Praktisch fließend ging es über in den nächsten Klassiker „Flyer“, den Michael mit den Worten „Are you ready to fly?“ ankündigte und der in einer deutlich verlängerten Version dargeboten wurde, bei der Ian mächtig Zeit zum Improvisieren hatte und zudem Brian gegen Ende herzhaft seine Doublebass ein weiteres Mal bearbeitete. Ganz was Neues für SAGA, aber es macht definitiv derbe Laune. Mit „Catwalk“ gab es dann gleich noch einen Song vom „Heads Or Tales“-Album. Eine kleine Überraschung, den Song mal wieder live zu hören.

Nun widmete sich Michael Sadler wieder dem neuesten Studiowerk und kündigte an, dass es nun zwei neue Songs zu hören gäbe. Ebenso verkündete er die freudige Nachricht, dass es „Trust“ auf Platz 23 der deutschen Albumcharts geschafft hat und damit die beste Chartplatzierung seit über zehn Jahren für die Band ist. Es folgte die unheimlich einprägsame und live einfach nur saugeile Single „It’s Your Life“ mit dem fantastischsten SAGA-Riff seit seligen „Wind Him Up“-Zeiten, sowie „I’m Ok“, dessen Refrain uns Michael Sadler in einer kleinen Gesangsstunde extra beibrachte, damit wir mitsingen konnten. Mit „Runaway“ kam dann der nächste Heavy-Song, diesmal von „House Of Cards“. „You’re Not Alone“ forderte alle Anwesenden dann wieder zum lautstarken Mitsingen auf. Das klappt einfach immer und beschert ein ums andere Mal Gänsehautstimmung! Nach dem Klassiker „Careful Where You Step“ gab es die nächste Überraschung. „You And The Night“ vom 1985er „Behaviour“ Album war mal wieder ausgegraben worden. Ein wirklich schöne Ruhepunkt im Konzert, der nochmals eindeutig klarmachte, dass Michaels operettenhafter Gesang einfach immer noch zum besten gehört, was die Rockmusik heute zu bieten hat. Anschließend gab Keyboarder Jim Gilmour, gegenüber der letzten Tour um einige Kilo leichter, seinen Soloauftritt an der achtteiligen Keyboardburg und spielte mit massiver Publikumsunterstützung „Scratching The Surface“. Mit „On The Loose“ und dem Prog-Wunderwerk „Don’t Be Late“ endete dann der offizielle Teil der Show.

Nach, wie für SAGA üblich, überdurchschnittlich langem Applaus und Zugaberufen kam die Band dann noch mal wieder, um zwei weitere Songs zu spielen. Nachdem Michael seinen Bass umgehangen hatte und das Publikum fragte, welcher Song den nun folge und dieses einstimmig „Humble Stance“ geantwortet hatte, warf er nur ein schroffenes „Right!!“ in den Raum und es ging auch schon los mit der Prog-Achterbahnfahrt, wie immer abgeschlossen von Ians eindringlichem, fantastischen Gitarrensolo. Zum endgültigen Abschluss hat man dann noch mal ein in letzter Zeit selten gehörtes Juwel ausgegraben: „Perfectionist“ vom 1978er Debütalbum „Saga“. Ein toller, absolut atmosphärischer und stimmungsvoller Song, der dem Abend einen sehr schönen Schlusspunkt setzte.

Nach fast zwei Stunden bester Liveunterhaltung, bei der es für SAGA-Verhältnisse unheimlich viele neuere Songs zu hören gab, bewegte ich mich dann in Richtung Merch-Stand, wo eine nette Blondine eine stattliche Anzahl verschiedener Shirts zu recht hohen Preisen verkaufte. Ich ließ mich davon jedoch nicht abschrecken und kaufte mein „Trust World Tour 2006/2007“-Shirt, um auch für den folgenden Konzertabend in Bonn bestens ausgerüstet zu sein. Doch dazu (und zu der Blondine) später mehr. Schließlich fuhr ich in der Gewissheit, einen verdammt guten SAGA-Gig gesehen zu haben mit meiner Mutter und dem Metal1.Kollegen Daniel Richtung Heimat. Beide waren von dem Konzert ebenso begeistert wie ich, und Daniel kann nun endlich nachvollziehen, warum ich SAGA für eine der besten (Live)Bands der Welt halte. Bis morgen in Bonn! ;-)

Setlist:
– Trust
– That\’s As Far As I\’ll Go
– Wind Him Up
– On The Air
– Keep It Reel
– Drumsolo
– Flyer
– Catwalk
– It’s Your Life
– I’m OK
– Runaway
– You’re Not Alone
– Careful Where You Step
– You And The Night
– Scratching The Surface
– On The Loose
– Don’t Be Late
—————————————-
– Humble Stance
– Perfectionist

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