Festivalbericht: Steiner Burgfestival

14.08.2010 Stein an der Traun

Das beschauliche Örtchen Stein an der Traun wurde am 14. August im zweiten Jahr in Folge von einer Mischung aus Folk, Metal und Gothic erschüttert. MARY FOUND SLAIN, RABENSCHREY, MONO INC., ELUVEITIE, DIE APOKALYPTISCHEN REITER und SUBWAY TO SALLY luden zum zweiten Steiner Burgfestival.

Burgfestival? In Anbetracht der Location und besonders im Vergleich zu den etablierten Veranstaltungen auf Burg Veldenstein, Abenberg, etc. wäre Steiner Feldfestival als Name eher angebracht gewesen, denn lediglich der sehr überschaubare mittelalterliche Markt grenzte an eine kleine Burg. Die Bühne für die Bands wurde hingegen auf ein freies Feld gestellt, welches in einer wahrlich idyllischen Landschaft von weiten Feldern, Bäumen und Wiesen umgeben war. Die dort vertretene Flora und Fauna durfte allerdings sehr bald den Rückzug angetreten haben.

Denn Mary Found Slain eröffneten das Festival vor erwartungsgemäß überschaubarer Kulisse um 14 Uhr mit ihrem selbst betitelten Horrorpunk. Selbst im allmächtigen Internet gibt es über diese Band wenig zu erfahren, so dass die erprobte Mischung aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und Sänger durchaus zu überraschen wusste. Zwar funktionierten alle Songs über Vampire, Freundschaft („I cut my wrists for you“) und Gefühle nach dem Schema F, doch der kurzweilige Unterhaltungsfaktor stimmte. Unweigerlich nickte man im Takt der etwas härteren und weichen Riffs, basierend auf straightem Rock’n’Roll mit unterschiedlichen Einflüssen. Natürlich haben schwarz gekleidete Gothicbands bei Tageslicht immer einen schweren Stand, da sich der Kontrast beißt. Aber Mary Found Slain holten aus ihrem Opener-Spot das Beste heraus und machten die anwesende Menge heiß auf das folgende Programm.

Rabenschrey, die selbst ernannten Vertreter der „wahren neuen deutschen Härte“, fügten sich nahtlos ein und konnten die Stimmung im inzwischen besser gefüllten Zuschauerraum weiter anheizen. Nach etlichen Umbesetzungen und auch Stilwandlungen tritt die Kapelle nun als Quartett rund um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Donar von Rabenschrey auf. Der Frontmann pries dabei bereits zu vorgerückter Stunde wiederholt den gemeinsamen Alkoholgenuss nach dem Auftritt am Merchandisestand an. Doch zuvor legten Rabenschrey eine mitreißende Show auf die Bühne, die zu begeistern wusste und das Metallalter in Stein an der Traun einleitete. „Tanze dir“ (in einer härteren Version) wurde bereits als eines der ersten Stücke richtig gefeiert und nur am Ende vom neuen Stück „Der Kreis“, „Das Templerschaf“ sowie der Rabenschrey-Hymne „Hey, wir sind Heiden“ stimmungstechnisch überboten. Besonders letzteres bewies, dass selbst einfachste Kompositionen (in diesem Fall die Melodie von Pippi Langstrumpf) ab und an zweckmäßig sind, um Stimmung zu erzeugen.

01. Leben deinen Traum
02. Dreckstück
03. Walhalla
04. Königreich des Schmerzes
05. Tanze dir
06. Das Templerschaf
07. Der Kreis
08. Hey wir sind Heiden

Vor Mono Inc. wurde es vor der Bühne merklich leerer. Alternative Rock mit Gothic- und Metaleinflüssen stand in der Zuhörergunst um ca. 16 Uhr scheinbar nicht an oberster Stelle. Entsprechend gestalteten sich die ersten Songs: dröge und emotionslos drangen die Gitarrenklänge ins offene Feld. Der wie von Zauberhand verschwundene Enthusiasmus ging auch an Sänger Martin Engler nicht spurlos vorüber, so dass dieser reagierte und die vorhandene Setliste etwas umwarf, um Publikumsbezug herzustellen. Dies gelang ihm mit dem hervorragenden Akustikstück „The Pessenger“, bei dem er als „Animateur“ allein mit seiner Akustikgitarre auf einem Stuhl in der Mitte der Bühne saß. Dadurch brach das Eis und in der zweiten Hälfte suchten auch seine Mitmusiker vermehrt die Nähe zu den ersten Reihen. Davon profitierte der gesamte Auftritt und Mono Inc. konnten noch einmal retten, was kaum mehr zu retten schien. Musikalische Highlights waren wie schon beim letztjährigen Supportauftritt für ASP die Titel „If I fail“, „Voices of doom“ und „This is the day“.

01. This is the day
02. Temple of the torn
03. Comedown
04. Bloodmoon
05. Forgiven
06. If I fail
07. The Passenger
08. Voices of doom
09. My sick mind TV
10. Sleeping the day away
11. Get some sleep

Eluveitie kamen mit gehörigem Rückenwind nach Stein. So hatten sie erst in der Vorwoche auf dem Wacken Open-Air den Metal Hammer Award als Aufsteiger des Jahres abgestaubt.Mir selbst ist das Oktett und ihr Celtic Metal nur flüchtig bekannt, so dass ich zur dargebotenen Setliste nichts sagen kann. Der musikalische Abwechslungsreichtum hielt sich leider in Grenzen, da die keltische Folklore (vertreten durch Flöte, Fiedel und Drehleier) zu sehr von Gitarren und gutturalem Gesang in den Hintergrund gedrängt wurden. Charme und Stil versprühten Eluveitie meist dann, wenn entweder Geigerin Medi Taric und Drehleierspielerin Anna Murphy ans Mikro traten oder Sänger „Chrigel“ seine Tin Whistle aus der zerschlissenen Jeans zog. Gemessen an den Reaktionen kamen die Schweizer mit ihrem Folk Metal (mit Betonung auf der zweiten Hälfte) bereits zu Beginn besser an als Mono Inc., als in eindringlich lauter Form die Frage „Are you ready for some folk metal?“ gestellt wurde.

Die Frage konnten sich die Apokalyptischen Reiter sparen, denn Folk spielte bei Fuchs und Co. keine Rolle. So wurden die nächsten 60 Minuten mit feinem Gute-Laune-Metal gefüllt, größtenteils vom neuesten Album „Licht“. Wie gewohnt hetzte Fuchs dabei mit einem Grinsen im Gesicht und unbändigem Elan über die Stage. Zwischenzeitlich wurde noch eine Fahne geschwenkt, eine Hebebühne nach oben gefahren (analog zu Rammstein bei Rock im Park) und mehrmals eine T-Shirt-Kanone gezündet, um die jubelnden Fans mit Merchandise for free zu versorgen. Zum ersten Mal an diesem Tag stellte sich bei Stücken wie „Es wird schlimmer“ und „Wir sind das Licht“ auch ein gewisser Ohrwurmfaktor ein. Beim ruhigen „Nach der Ebbe“ lagen sich hingegen mehrere Pärchen in den Armen und wiegten ihre Körper im Takt, während die anderen ihre Arme erhoben und ein Meer imitierten.
Optisch wird den meisten wohl Keyboarder Dr. Pest im BDSM-Outfit auf einer Schaukel in Erinnerung bleiben, ein eher seltener Anblick im sonst eher konservativen Chiemgau. Bereits bei den ersten Klängen betrat er als erster mit seiner Peitsche die Bühne und stachelte die Menge an. Gegen Ende wurden hingegen noch überdimensionale Wasserbälle mit dem Reiter-Logo ins Publikum geworfen, ehe eine Freiwillige zum stimmungsvollen Abschlusssong „Seemann“ in einem Schlauchboot über die Köpfe der Zuschauer getragen wurde und ein abwechslungsreicher, guter Auftritt sein Ende fand.

01. Wir sind das Licht
02. Revolution
03. Es wird schlimmer
04. Booten
05. Adrenalin
06. Nach der Ebbe
07. Der Adler
08. Der Weg
09. Roll my heart
10. We will never die
11. Seemann

Subway to Sally traten als Headliner die Nachfolge von In Extremo an und legten bei den ersten fünf Songs mit passenden Pyroeffekten, u.a. hohe Flammen zu „Feuerland“, ohne große Aufwärmphase richtig los. Leider wollte der Funke im weiteren Verlauf nicht überspringen. Das größtenteils stille Publikum reagierte nur sehr zögerlich auf die Animationsversuche und auch bei der Band war verinzelt der Wurm drin. So reagierte Eric Fish sehr verwundert auf einen Song, da er selbst kurz davor indirekt ein anderes Stück angekündigt hatte. Stimmlich hat man den blonden Frontmann an anderer Stelle ebenfalls schon besser erlebt und so saß bei Weitem nicht jeder Ton. Nichtsdestotrotz boten Songs wie „Kleid aus Rosen“ (mit geplantem oder ungeplantem „Eisblumen“-Intro), „Besser du rennst“, „Meine Seele brennt“ und „Unentdecktes Land“ trotz insgesamt fragwürdiger Setliste die gewohnt gute mittelalterliche Rockunterhaltung. Am Ende war dies allerdings nicht genug, um vom inzwischen scheinbar müden Publikum frenetisch gefeiert zu werden: vereinzelte Zugabe-Rufe und leise Anfänge von „Julia und die Räuber“ reichten aber dennoch für die wirklich überzeugenden Rausschmeißer „Sieben“ sowie die bereits mehrfach besungenen Blut saufenden Räuber.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass man mit diesem Festival keinen musikalischen Meilenstein des diesjährigen Sommers verpasst hätte. Neben positiven Überraschungen wie Mary Found Slain und Rabenschrey gab es relativ viel Leerlauf und nur wenige Highlights. Die Mehrheit der Bands spielte ihr gewohntes Programm ab und war dann (mit Ausnahme ihrer jeweiligen Fans) aus den Augen, aus dem Sinn. Leider trug auch das Publikum besonders im Mittel- und Schlussteil nicht dazu bei, aus den Darbietungen der Musiker mehr herauszukitzeln. Im Gegenteil: So litten besonders Subway to Sally als Headliner unter den vergleichsweise verhaltenen Reaktionen. Kommentare wie „Ihr seid die Geilsten!“ kann man daher auch mit Fug und Recht als Ironie auslegen…

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