Steven Wilson

  • Berlin, Huxleys Neue Welt
  • 21. März 2013


Es ist ein kalter Donnerstagabend in der Hauptstadt. Nichtsdestoweniger stehen bereits eine halbe Stunde vor Öffnung der Pforten eine Menge Menschen vor den Türen des Huxleys. Gesäumt werden selbige Türen von Plakaten, die den Künstler des heutigen Abends ankündigen – STEVEN WILSON.Über den Plakaten kleben rote Schilder mit der Aufschrift „Ausverkauft“ – erstaunlich? Wenn man die Frequenz bedenkt, in der STEVEN WILSON (solo) tourt, eher nicht. Verwunderlicher sind da schon die Schilder, auf denen bekanntgegeben wird, dass Fotografieren strengstens verboten ist und Zuwiderhandlungen mit Rauswurf geahndet werden. Nun ja, wenn der Künstler es so wünscht…

Beim Betreten des Konzertsaales die nächsten Ungewöhnlichkeiten: Der Saal ist komplett bestuhlt und es werden Programmhefte zum Verkauf angeboten. Da man so etwas sonst eher vom Weihnachtskonzert des Dresdener Kreuzchores gewohnt ist und nicht von Rock-Konzerten, kann man also etwas ganz Besonderes erwarten. Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung wird das Licht gedimmt und auf einer Leinwand hinter der Bühne beginnt eine Art Film, der allerdings nur aus einem sich verändernden Mond besteht, über den Wolken hinwegziehen. Nach jeder Flut von Wolken zeigt sich so mal ein normaler Mond, mal ein Gesicht – meist ähnlich dem auf dem Cover des aktuellen Albums „The Raven That Refused To Sing“. Untermalt wird das Ganze von sphärischen Klängen, welche durch dezent eingestreute Akkorde ergänzt werden. Hier wird wirklich Wert auf den Gesamteindruck gelegt – eine wunderbare Einstimmung auf das Konzert.

Dieses beginnt Punkt 20 Uhr, als die Musiker die Bühne betreten und Stellung einnehmen, zentriert um den Maestro selbst – STEVEN WILSON. Der Meister schreitet über die Bühne, wie es sich für einen waschechten Bandleader eben gehört. Er feuert seine Mitstreiter zu Höchstform an, schnappt sich seine Gitarre oder einen Bass, setzt sich ans Klavier oder konzentriert sich auf den Gesang. Dabei fällt dem Besucher eines sofort auf: Die Musiker, die STEVEN WILSON hier um sich versammelt hat, sind absolute Größen an ihren Instrumenten. Was die Herren hier abfeuern, ist vollkommen irre und nur schwer zu erfassen. Seien es filigrane, sanfte Passagen, in denen der Gesang nur von einer gezupften Gitarre und dem Klavier untermalt ist oder kräftig rockende Parts, bei denen der Gesang schon fast zum Schreien übergeht – die Band vollbringt das alles mit spielerischer Leichtigkeit.
Die Setlist umfasst Stücke aus dem gesamten Soloschaffen von STEVEN WILSON, wobei die einzelnen Schaffensphasen so organisch aneinanderpassen, dass man kaum glauben mag, dass zwischen „Insurgentes“ und „The Raven That Refused To Sing“ fünf Jahre, ein weiteres Solo-Album, ein Porcupine-Tree-Album sowie das Storm-Corrosion-Album lagen.

Wilson selbst zeigt sich äußerst redefreudig, erzählt kleine Anekdoten, bedankt sich für den Einstieg seines Albums in die deutschen Charts und erklärt, dass die Bestuhlung ein Experiment und nicht seine Idee gewesen sei („My management seems to think that my fans are old-aged pensioners.“).
Dem bereits angesprochenen Gesamteindruck wird auch während der Show Rechnung getragen. So wird ausgiebig von verschiedensten Lichtern Gebrauch gemacht und die Leinwand an der Rückseite der Bühne für Videoprojektionen genutzt, welche die musikalischen Darbietungen noch unterstützen. Nach „Deform To Form A Star“ lässt man einen durchscheinenden blauen Vorhang vor der Bühne herab, der als Projektionsfläche, jedoch auch als Schattentheater für die Bewegungen der Musiker dient – geniale Idee, die drei Songs einen wirklich speziellen Touch gibt und besonders bei „Index“ extrem gut zum Tragen kommt. Zu „Harmony Korine“ fordert STEVEN WILSON die Anwesenden dann auf, sich von ihren Sitzen zu erheben, denn: „We are going to play some Rock ‘n‘ Roll songs for you – or as close as we get to it“.
Nach zwei Stunden verabschiedet sich die Band, um wenige Minuten später für eine Zugabe zurückzukehren. Selbige entpuppt sich als der (uralte) Porcupine-Tree-Song „Radioactive Toy“, was wahre Begeisterungsstürme auslöst. Auch animiert Wilson bei diesem Song das Publikum zum Mitsingen und dieses nimmt die Einladung dankend und lautstark an.


So genial die Show, so großartig der Sound. Heftig drückend kommen Schlagzeug und Bass daher, klar und definiert antworten Gitarren, Klavier und Blasinstrumente – dem Anlass angemessen ein perfekter Sound.
Und so geht nach gut 135 Minuten ein Konzert zu Ende, das den Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird, war doch hier einer der größten zeitgenössischen Musiker zu erleben.

Setlist STEVEN WILSON:
01. Luminol
02. Drive Home
03. The Pin Drop
04. Postcard
05. The Holy Drinker
06. Deform To Form A Star
07. The Watchmaker
08. Index
09. Insurgentes
10. Harmony Korine
11. No Part Of Me
12. Raider II
13. The Raven That Refused To Sing
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14. Radioactive Toy

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