Strapping Young Lad w/ Maroon

  • Tillburg, Holland
  • 13. Juni 2006

Nachdem Devin Townsend aufgrund der Geburt seines ersten Kindes eine längere Pause ankündigte, musste ich die vorerst letzte Chance nutzen, um STRAPPING YOUNG LAD noch ein mal live zu sehen. Eine knapp dreistündige Fahrt nach Holland stand also auf dem Plan und inklusive Verfahren, vielen Baustellen und lahmarschigen LKWs kamen wir um kurz vor 7, also pünktlich zum Einlass, am 013 an. SYL sollten in der größeren Halle des 013, genannt „The Choice“, spielen. Doch beim Einlass waren neben mir und einem Kollegen grade mal sieben Leute da. Und in der Halle, die angeblich für 2200 Leute gedacht ist, wirkte das ganze etwas merkwürdig.

Als um acht Uhr dann die deutsche Metalcore/Hardcore Band MAROON auftrat, befanden sich immerhin schon an die 250 Leute in der Halle. Da ich die Band nicht kannte, kann ich jetzt nicht besonders viel zu den Songs sagen, die auf mich wie der solider Durchschnitts-Metalcore wirkten. Viel interessanter als die Musik waren allerdings fast noch die „Show-Elemente“. So war Sänger Andre die meiste Zeit damit beschäftigt, sich selbst oder den Bassisten anzurotzen und mit Arschfickandeutungen seine Bandmitglieder in Verlegenheit zu bringen. Beim letzten Song zog er sich dann bis auf die Boxershorts aus und knatterte erst mal die Befestigungsanlage für das Gitarrenpedal. Auch interessant war eine kurze Demonstration der spielerischen Fähigkeiten: Der Gitarrist und der Bassist stellten sich hintereinander und spielten jeweils mit einer Hand das Instrument das anderen. So blieb man den Fans wahrscheinlich nicht musikalisch im Gedächtnis, den Namen MAROON wird man aber vorerst aufgrund der vulgären und ausgefallenen Show im Hinterkopf behalten. Trotz allem konnten MAROON nur einen etwas kräftigeren Anstandsapplaus einheimsen. Zwar kamen gegen Ende noch mal zwei Violent-Dancer aus ihren Löchern, aber wirklich was los war im Publikum nicht. Da brachte es auch nichts, dass der Sänger nach spätestens jedem zweitem Lied das Publikum zum Applaudieren für SYL aufrief.

Mittlerweile war in der Halle miserable Luft, da die ganzen Holländer versuchten, sich mit immer längeren und breiteren Tüten zu überbieten. STRAPPING YOUNG LAD betraten dann nach etwa 30 Minuten Umbaupause die Bühne. Die Halle war zwar mittlerweile ganz gut gefüllt, mehr als 700-800 Leute waren aber im Endeffekt nicht da, weswegen die große Halle eigentlich Unsinn war.

Wie auch letztes Jahr in Essen wurde das Set mit „Imperial“ und „Skeksis“ von „Alien“ begonnen und wie beim vorigen Konzert war bei diesen Songs nichts los. Dass sich diese Songs nicht als Opener eignen, scheint Devin aber nicht zu merken, denn im Gegensatz zum letzten Mal sprudelte er vor Energie und Spielfreude. Als dann die City-Klassiker „All hail the new flesh“ und „Oh my fucking god“ gespielt wurden, bildeten sich im vorderen Drittel die ersten Moshpits, die von da an das ganze Konzert über präsent waren. Devins Ansagen und Ankündigungen bewegten sich mal wieder zwischen sinnlos, dumm und lustig („We have a special announcement for you… We are relentless!”).

„Let me introduce my new friend to you.“ hieß es, als sich Devin eine lange Rotzfahne aus der Nase drückte, sie einige Sekunden baumeln ließ und danach in seinem Haar verteilte. Im Gegensatz zum Maroon-Sänger brachte er seine Ausscheidungen allerdings nicht unters Publikum, was einige Hardcore-SYL-Fans sicherlich gefreut hätte. Neben Material aus dem Backkatalog spielten SYL auch vier Songs vom neuen Album „The New Black“, welches erst im Juli in die Läden kommt. Das Material wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen, wobei vor allem bei „You Suck“ und „Wrong Side“ viel los war. Auffällig war, dass die neuen Songs für SYL-Verhältnisse recht viele Soli enthielten und das wieder ein kurzer Song dabei war, der eher auf eine Devin Townsend Solo-Scheibe gepasst hätte. Als Zugabe tönte „Far Beyond Metal“ aus den Boxen, welches auch ohne Fangesangpart am Mikro sehr gut ankam. Nach etwa 80 Minuten gingen SYL dann endgültig von der Bühne, leider ohne zwei Klassiker gespielt zu haben. „Detox“ und „S.Y.L.“ wurden nicht ins Programm genommen, was aber auch der einzige Kritikpunkt am Abend war.

Strapping Young Lad-Setlist:
Imperial
Skeksis
Velvet Kevorkian
All Hail The New Flesh
Oh My Fucking God
Aftermath
Relentless
Decimator
You Suck
Wrong Side
Love?
Plyophony
The New Black
In The Rainy Season
——-
Far Beyond Metal


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