Subway To Sally

  • Hamburg, Grünspan
  • 11. April 2006

Zu einem „schmusikalischen“ Abend im Hamburger Grünspan lockte an diesem Tag im April die Potsdamer Ausnahmeband Subway To Sally, die sich nach vierzehn Jahren Bandgeschichte nun zu einer rein akustischen Tour unter dem Namen „Nackt“ hinreißen ließ.
Nach langem Stau vor dem kleinen Kiez-Club ließ der erste Blick auf die Bühne vermuten, dass man es sich heute wohl bequem machen wolle. Acht (!) schwarze und efeu-umrankte Throne standen vor einem großen Wandteppich, auf dem ebenso verwitterte gotische Bögen zu sehen waren.
Stimmig schon mal das Bühnenbild, nun fehlte nur noch die Band. Mit einer knappen halben Stunde Verspätung erschienen dann auch ohne Support die Subways. Allesamt waren sie in schwarzem Leder gekleidet und in Begleitung eines zusätzlichen Cellisten, den Eric später unter dem Namen „B. Deutung“ vorstellte. Unter tosendem Applaus aus dem Zuschauerraum ertönte nach einem Bongo-Intro „Böses Erwachen“, was insofern um so böser wurde, als dass zunächst der Gesang fehlte.

Ansonsten beschränkten sich technische Mängel nur darauf, dass das Schlagzeug etwas zu laut, also zu „unakustisch“ rüberkam. Das war es dann aber auch schon an Kritik, letztlich bot Subway To Sally einen denkwürdigen Auftritt in jeder Hinsicht. Nicht nur klanglich waren die Songs, die überwiegend dem älteren Werk der Band enstammten (fast das gesammte „Bannkreis“-Album gab es zu hören), schwer beeindruckend, auch optisch hatten die acht schwarzgekleideten Musiker auf ihren Thronen unglaublich Stil. Mit dem Sitzen schien der sonst so bewegungsfreudige Eric einige Probleme zu haben, ein ums andere mal wirkte es, als ob er sich an seinen Thron klammern müsse, um nicht aufzuspringen.
Die Reaktion der Fans fiel hervorragend aus: Bei den etwas schnelleren Nummern entstand trotz der zarten Vertonung kräftig Bewegung. Sangesfreude allerorten ist natürlich nicht nötig zu erwähnen, wir reden hier schließlich von Subway und seinen Fans. Besonders herausragend waren hier natürlich Klassiker wie „Mephisto“, „Liebeszauber“, „Sag dem Teufel“ oder „Ohne Liebe“, aber auch jüngere Songs wie „Kleid aus Rosen“ oder „Feuerkind“. Auffällig war, dass das komplette „Engelskrieger“-Album in der Setlist ausgespart wurde und dass sogar uralte Kracher wie „Die Braut“ ausgegraben wurden. Verständlich ist diese Entscheidung natürlich, wenn man die starke Stromgitarrenlastigkeit der neueren Werke bedenkt. Erstaunlich gewachsen ist auch „Das Rätsel II“, das in „Plugged“-Version noch etwas lahm wirkte. Hier riss es richtig mit.Die Band an sich zeigte sich spielfreudig wie eh und je und gut aufgelegt, Eric, Bodenski und Simon spielten sich bei ihren Ansagen ausgesprochen geschickt die Bälle zu.Nach knapp zwei Stunden schien sich der Auftritt dem Ende zu neigen, nicht aber ohne dass die Band sich für zwei Zugabenblöcke noch einmal zeigte, so dass man schließlich auf fast zweieinhalb Stunden Konzert kam. Was bleibt, ist ein toller Eindruck von einer Band, die immer wieder für Überraschungen sorgt und doch stets sich selbst treu bleibt.

Setlist:
01.Böses Erwachen
02.Das Rätsel
03.Minne
04.Ein Baum
05.Horo
06.Der Hofnarr
07.Sieben
08.Element des Verbrechens
09.Kruzifix
10.Alle, Psallite Cum Luya
11.Mephisto
12.Das Rätsel II
13.Kleid aus Rosen
14.Abgesang
15.Unterm Galgen
16.Traum vom Tod II
17.Sanctus
18.Maria
19.Liebeszauber
20.Arche
21.Sag dem Teufel
22.Die Braut
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23.Carrickfergus
24.Schlaflied
25.Ohne Liebe
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26.Julia und die Räuber
27.Feuerkind
28.Seemannslied

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