
Mit ihrer „Rock, Rap und Zaubershow“-Tour bringen die Mannen von THE BUTCHER SISTERS eine Prise Magie und einen Sack voll Irrsinn in die Hauptstadt. Dass sie bereits die verhältnismäßig große Columbiahalle bespielen, ist bemerkenswert, angesichts des derzeitigen Hypes um die Band aber nicht überraschend. Bei Minusgraden in der Bundeshauptstadt muss man am Einlass glücklicherweise nicht lange warten. Im Gegensatz dazu ist der Andrang am Merchandise-Stand der BUTCHER SISTERS amtlich, die Schlange zieht sich einmal quer durch die Halle.

Im Gegensatz zur angekündigten Startzeit (20:00 Uhr) eröffnen MITTEL ALTA den Abend 30 Minuten früher – mit einem dröhnenden Techno-Intro. Schon bevor die Jungs überhaupt einen Song anstimmen, fordern sie das Publikum auf, den „Marktplatz“ zu eröffnen. Umgehend startet der erste Circle-Pit zu ihrem markanten Mix aus Rap, Techno und mittelalterlichen Klängen. Auch sonst ist auf und vor der Bühne allerhand los: Es werden Flaggen geschwenkt, der abgetrennte Kopf des Chefs herumgereicht, aufblasbare Strandspielzeuge in die Reihen der Gäste geworfen und bei „Kutsche“ gibt es eine Wall of Death. Eine kleine Spitze gegen Bundeskanzler Friedrich Merz bei „Gelber Schein“ darf auch nicht fehlen.
Die Stimmung in den vorderen Reihen ist ausgelassen und der Pit über die gesamte Dauer der Show offen. Im Rest der Halle sind die Publikumsreaktionen auf das bunte Treiben noch eher verhalten. Gegen Ende des Sets dürfen noch mal alle den Mittelfinger zu „Ficket Euch“ in die Höhe reißen. Und auch beim letzten Song „Traubenstampfen“ braucht man die Crowd nicht mehr zu instruieren: Sie stampft mit, als ob MITTEL ALTA schon seit Jahren touren würden. Live spielt die Truppe zwar ausschließlich die Drums, während der Rest vom Band kommt, dem positiven Gesamteindruck steht das jedoch nicht entgegen.
- Rute in die Fresse
- Gelber Schein
- Der Chef ist Tot
- Kutsche
- Gerstensaft
- Auf dem Dorffest
- Ficket Euch
- Haltet das Maul
- Traubenstampfen

Überraschend im Line-up, schlagen CALLEJON jetzt ernstere Töne an. Dabei wird es deutlich enger vor der Bühne. Auch wenn sich die Pits etwas kompakter gestalten, sind sie von Beginn an da. Bei „Palmen aus Plastik“ sind die ersten Crowd-Surfer des Abends in Richtung Bühne unterwegs – es sollten bei weitem nicht die letzten gewesen sein. Die Coverversionen von CALLEJON verteilen sich über das gesamte Set, das regt aufgrund allgemeiner Bekanntheit zum Mitsingen an. Dass Frontmann Bastian „BastiBasti“ Sobtzick ein stabiler Typ ist, beweist er wieder durch verschiedene Ansagen gegen Faschismus, Despoten und die AfD. Unterstrichen wird dies mit dem DIE-ÄRZTE-Cover von „Schrei nach Liebe“. Dabei rastet der Pit dann völlig aus und die gesamte Halle singt mit. Technisch macht die neue Besetzung von CALLEJON alles richtig, die Vorfreude auf den Main-Act ist geweckt.
- Metropolis
- Palmen aus Plastik (Bonez-MC-&-RAF-Camora-Cover)
- Tor des Todes
- Was du Liebe nennst (Bausa-Cover)
- Dunkelherz
- CBRTRK
- Snake Mountain
- Schrei nach Liebe (Die-Ärzte-Cover)
- Kind im Nebel
- Porn From Spain 2
Mit dem Fall des großen Banners beginnt die „Rock, Rap und Zaubershow“ von THE BUTCHER SISTERS. Zugleich wird es mysteriös: Wo sind die BUTCHER SISTERS, mag man sich fragen – es sind nur fünf goldene Vorhänge zu sehen, aber keine Musiker. Eine geheimnisvolle Stimme begrüßt die Zuschauer und klärt auf, dass die Künstler erst einmal herbeigezaubert werden müssen. Mit mehreren „Hex, Hex“-Sprechchören wird das Wunder vollbracht: TBS erscheinen wie von Zauberhand hinter den goldenen Vorhängen. Darauf folgt die nächste Überraschung: „Bierosaufus Ex“ eröffnet das Set und die komplette Columbiahalle eskaliert im Kollektiv. Spätestens jetzt merkt man: Die Halle ist nahezu ausverkauft und damit zu Recht als Ort für dieses Spektakel gewählt worden.

Weitere Zaubertricks verteilen sich über das gesamte Set. Dabei beschwört man mal ein Bier aus dem Zylinder, lässt die Bauchtasche schweben, zaubert Gastmusiker auf die Bühne (Kalle Koschinsky, BastiBasti) und teilt zum Schluss sogar Stroppo mit einer Kettensäge in zwei Hälften. Diese Einlagen tragen jedes Mal zur allgemeinen Belustigung bei und lockern den Abend immer wieder auf. Dass dies aber für eine Show von THE BUTCHER SISTERS nicht ausreicht, ist eigentlich klar. Zu „Rainer“ kickt man ein riesiges Baby in die Massen. Um eine Wall of Death heraufzubeschwören, kommt ein überdimensionaler Zauberstab auf der Bühne zum Einsatz und teilt zu „White Monster“ die Menge. Direkt im Anschluss reiten Amazing Alex und Stroppo auf zwei Bananenbooten zum Tonpult, um dort ihre Country-Ballade „Klettergerüst“ zum Besten zu geben. Das ist besonders schön für die Gäste, die eher weiter hinten stehen.

Zum Song „Detlef D Soost“ kommt BastiBasti von CALLEJON mit auf die Bühne, um dem Feature auch live seine Stimme zu leihen. Zum Schluss gibt es noch den üblichen Kampf zwischen dem mutigen Ritter und dem Drachen zu „Drachentöter“, bevor der Abend mit „Baggersee“ abgeschlossen wird. Während der gesamten Show wechseln sich Pits aller Arten wieder ab, während ein beständiger Strom an Crowd-Surfern gen Bühne getragen wird. Stroppo bedankt sich noch mehrmals artig beim Publikum dafür, dass die TBS-Fans so einen schlechten Musikgeschmack haben und zu ihren Konzerten kommen.
- Bierosaufus Ex
- UGA UGA BAM BAM / Herr Dokter
- Bauch Beine Po (Shirin-David-Cover) (With Kalle Koschinsky)
- Bierdurst
- Reiner
- Sonnenbrille
- White Monster
- Klettergerüst
- Cityroller
- Bauchtasche
- Der Nudelsong
- Detlef D Soost (With Callejon)
- Freitag
- Genie In A Bottle (Christina-Aguilera-Cover) (Acoustic)
- Mein Stern
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- Drachentöter
- Baggersee
THE BUTCHER SISTERS liefern in Berlin einen unvergesslichen Abend zwischen Heiterkeit und Wahnsinn ab. Über die Musik kann man streiten, aber dass THE BUTCHER SISTERS eine überragende Live-Band sind, haben sie heute in der Columbiahalle eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und ganz unabhängig von der Musik muss man die Jungs einfach sympathisch finden: Ihre unbedarfte Art ist so ansteckend wie erholsam. Davon gerne mehr!
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