Wolves In The Throne Room w/ Wolvserpent

  • München, Kranhalle
  • 17. Oktober 2011

Die Temperaturen an diesem Oktoberabend in München passen definitiv zum anstehenden kalten Black Metal Sound des heutigen Headliners: Vor der Kranhalle sammeln sich kurz nach Einlass-Beginn viele bibbernde, schwarz gekleidete und langhaarige Fans der US-Metaller – und werden zunächst damit vertröstet im schmalen Barbereich vor der Kranhalle zu warten, während hinter geschlossenen Türen noch der Soundcheck vor sich geht. Einen genauen Grund für die Verzögerung gibt es nicht, allerdings öffnen sich die Türen tatsächlich erst mit 20 Minuten Verspätung um kurz vor 21 Uhr. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird allerdings deutlich, dass die Angst des Veranstalters, ob dieses Konzert wirklich Erfolg haben würde, gänzlich unberechtigt ist: Sowohl der Vorraum der Kranhalle, als auch der von Rauchern frequentierte Bereich vor den Türen ist mehr als nur anständig gefüllt.
Während die Kranhalle normalerweise bei Konzerten mit ihrer sterilen Atmosphäre aufwartet und meistens eher zu einer Vernissage als zu einem Konzert einlädt, ist das Erscheinungsbild an diesem Abend mehr als stimmig. Die Bühne wird von fünf schwarzen Bannern dominiert, welche in Umrissen unterschiedliche Tiere und Waldstimmungen zeigen und lediglich schwach blau beleuchtet werden. Auch der Rest der Halle ist in nahezu vollständige Dunkelheit getaucht und stimmt auf einen atmosphärischen Abend ein. Dazu soll wohl auch die Mischung aus Räucherstäbchen und Weihrauch beitragen, deren Duft die Halle erfüllt – allein, wirkt dies, den verzerrten Gesichtern im Publikum nach zu schließen, mehr als olfaktorische Belästigung denn beruhigend.

Um kurz nach 21 Uhr betritt das Ambient/Doom/Drone-Duo WOLVSERPENT aus Idaho mit einigen Kerzen die Bühne. Bis tatsächlich etwas passiert dauert es gleich in doppelter Hinsicht eine Weile: Zunächst verzögern technische Störungen den Konzertbeginn, und als diese schließlich gelöst sind, nehmen sich Black Green an der Gitarre und Brittany McConnell an der Geige sehr viel Zeit. Von einem wabbernden Dröhnen elektronisch im Hintergrund begleitet, steigern sich die beiden über knapp zehn Minuten in einen Drone-Trance-Zustand hinein, und können so auch das Publikum auf ihre Seite ziehen. Brittany loopt ihr Instrument solange, bis sie schließlich fast wie ein Ein-Frau-Orchester klingt, Black lässt seine Gitarre monoton dröhnen. Schließlich legt Britanny ihre Geige sorgfältig weg und begibt sich hinter das aus 4 Toms und 2 Becken bestehende Schlagzeug. Die folgenden 15 Minuten verrenkt sie sich nun aufs theatralischste hinter ihrem Schlagzeug, leider oft auf Kosten ihres Timings, und wird von einer Rifflastigeren Gitarre und Blacks verzerrtem und verhallten Gesang begleitet. Daneben ist Green auch noch dafür zuständig die verschiedenen Loops der Geige und seiner Gitarre an und abzuschalten. Technisch ist das Ganze also durchaus hochwertig, dank dem Schlagzeug allerdings zu Beginn noch leicht neben dem Takt, was bei so ruhiger Musik doch stört.
Hätte sich das Duo an dieser Stelle entschieden das Konzert zu beenden, wäre das Publikum sicher schwer beeindruckt gewesen und sie hätten sich viele neue Fans erspielt. Doch weit gefehlt: Für weitere 20 Minuten spielen die beiden eine absolut Ideenlose Aneinanderreihung von Riffs, welche durch die fehlende Hi-Hat und fehlende Snare vom Schlagzeug leider zu wenig Dynamik bekommen. Der atmosphärische Drone der ersten Hälfte verschwindet vollständig, und für eine beschleunigte Doom-Band haut McDonnell leider zu oft knapp neben den Takt.
Insgesamt sind WOLVSERPENT sicherlich keine schlechte Band und eignen sich als Support für die atmosphärischen Wolves In The Throne Room – in diesem Fall hätte es der eine Song allerdings auch getan. Der Applaus des Publikums ist dennoch sehr anerkennend, und die Band bedankt sich artig bevor sie die Bühne verlässt.

Die anschließende Umbaupause nimmt 30 Minuten in Anspruch. Das alleine wäre nichts ungewöhnliches, würde nicht knapp die Hälfte der Zeit durch das Platzieren von diversen Lampen und Kerzen vertrödelt werden, und so nach einiger Zeit ein wenig albern wirken. Erheiternder Weise trabt der dafür verantwortliche Roadie kurz vor Beginn der Show noch mit einem Feuerlöscher über die Bühne – man weiß ja nie. Um kurz vor 22.30 ist es schließlich soweit, und WOLVES IN THE THRONE ROOM sind an der Reihe. Ähnlich wie bei Wolvsperent zuvor beginnt ein basslastiges Dröhnen, und die Brüder Andrew und Nathan Weaver betreten zusammen mit ihrem Schlagzeuger die Bühne – von einem Bassspieler keine Spur.
Auch hier gibt es wohl noch einige technische Probleme, denn bis schließlich die ersten Töne von „Thuja Magus Imperium“, dem Opener des aktuellen Albums, „Celestial Lineage“, erklingen, dauert es erneut ein paar Minuten. Bereits hier zeigt sich, was das ganze Konzert über enorm zur Störung der mühsam aufgebauten Atmosphäre beitragen wird: Alle paar Minuten rennt der eben erwähnte Roadie über die Bühne, wechselt die Filter für die Scheinwerfer, drückt an irgendwas herum oder rennt einfach einmal vollständig sinnlos von links nach rechts. Dies ist umso ärgerlicher, da sich WOLVES IN THE THRONE ROOM eben gerade durch ihre auch am heutigen Abend mit viel Liebe kreierte Atmosphäre auszeichnen: Neben dem immer wieder vor der Bühne aufsteigenden Nebel und den stimmigen, in Blautönen gehaltenen Lichtern sei an dieser Stelle der nach Wolvserpent erneut aufgefrischte Weihrauch-Geruch nur einmal kurz erwähnt.
Das zweite Problem des Abends wird beim Einstieg des Schlagzeugs offensichtlich: Die Bassdrum ist viel, viel, viel zu laut, und auch das Bass-Playback kommt mehr einem Dröhnen gleich. Umso erstaunlicher, dass der Keifgesang der Weaver-Brüder sich perfekt in das Klangbild einfügt, und klar und laut aus den Boxen schallt.
Dennoch, so recht Stimmung mag zunächst nicht aufkommen. Zwar sind viele kopfnickende Menschen in der noch stärker gefüllten Kranhalle auszumachen, und auch ein paar kreisende Mähnen blitzen hier und da auf – doch der Sound, und der bereits erwähnte ständig herumwuselnde Bühnenarbeiter unterbrechen immer wieder die Stimmung. Dennoch ist der Respekt vor dieser Band enorm groß: Erst nach dem dritten Song gibt es Applaus im Publikum, da die Songs immer langsam ausfransen und vom bereits zum Einstieg gespielten Bass-Wabbern perfekt verbunden werden. Die Band selbst richtet bis auf ein paar vereinzelte „Thank You“ kein Wort ans Publikum, doch das war auch im Vorhinein nicht anders zu erwarten, und passt perfekt zu dem durchstilisierten Bild, welches sie mit ihrer Musik und ihrem leicht verschrobenen Auftreten entwirft.
Diesem Bemühen und der ungeheuren Qualität ihrer Musik entsprechend wird auch der Sound mit dem fortschreitenden Konzert immer besser: Die umwerfenden Melodien und die vielen, schon fast Doom-artigen Passagen der Songs werden nun endlich durch die immer wieder eintretenden heftigen Blastbeats perfekt unterstützt und der Applaus des Publikums nimmt merklich zu. Geboten wird dem Münchner Publikum ein Set, welches sich aus dem Material aller WITTR Alben zusammensetzt – klar, ein Schwerpunkt liegt sicherlich auf den neuen Songs, doch mit 6 Songs in 70 Minuten Spielzeit konnten schließlich alle Anwesenden das Feierwerk zufrieden verlassen.
Dass das Ende des Konzerts dann auch lediglich dadurch gekennzeichnet wird, dass das die Stücke verbindende Basswummern ausbleibt und die Bandmitglieder mit einem kurzen Winken die Bühne verlassen, wirkt schlussendlich nur folgerichtig: Nach anfänglichen Schwierigkeiten wusste das Konzert in seinem Verlauf schließlich eine Stimmung zu erzeugen, die keiner weiteren Worte oder gar Zugaben bedurft hatte.
FAZIT: Die Ankündigung, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM mit der Veröffentlichung von „Celestial Lineage“ an einem vorläufigen Endpunkt angekommen sind, ist in Anbetracht des letztendlich mitreißenden, wenn auch nicht zu 100 Prozent überzeugenden Konzerts ein dicker Wermutstropfen. Mit dem Sound, den die Band in den letzten 25 Minuten ins Publikum blies, sowie dem stimmigen und extrem atmosphärischen Gesamtkonzept hinsichtlich der Beleuchtung und Bühnendeko findet sich in WITTR sicherlich mit eine der aktuell spannendsten und besten Avantgarde-Black-Metal Bands wieder. Vielleicht überlegen es sich die zwei samt Gastmusikern ja noch einmal anders, und verlassen ihre Farm auch in Zukunft für ein paar Konzerte.

[Anm. d. R.: Leider können wir euch zu diesem Bericht kein Bildmaterial liefern, da auf Wunsch der Band kein Blitzlicht erlaubt war und quasi bei den dunklen Lichtverhältnissen keine vernünftigen Aufnahmen möglich waren.]

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