Zabbaduschder Open Air VI 2007

  • Urbach
  • 16. Juni 2019

Auch in diesem Jahr sammelten sich in Urbach zum sechsten ZOA hartgesottene Metalheads, um die Macht der dunklen Seite kennen zu lernen. In dem kleinen Örtchen nähe Stuttgart wird für zwei Tage am letzten Wochenende im Monat Juli der Ausnahmezustand erklärt, bei dem eine Horde schwarzbekleideter Liebhaber der etwas härteren Musik ein paar Wiesen am Rand der Ortschaft einnimmt.
Nachdem das Musikfest letztes Jahr fast abgesagt werden sollte, da „böse“ Metalbands wie BELPHEGOR mit ihrer Blutshow nicht ganz den Geschmack der Urbach’schen Gemeindemitglieder trafen, musste 2007 einiges kurz gehalten werden, um den Ortsvorsitzenden genüge zu tun. Unter anderem wurde das in den letzten Jahren so ausgedehnte Black Metal Angebot stark eingeschränkt und an den Platz der Schwarzwurzel-Liga rückten Extreme Metal Gruppen. Auch wenn sich das Musikangebot wandelte; die Festivalgänger blieben dieselben. Ein buntes Völkchen kam an diesen zwei Tagen zusammen: ob Metaller, Leute mit beschriebenen Schutzwesten oder rosafarbenen Plastikgitarren, Männern im Nylon-Jogginganzug und BH, Modesünder mit Socken und Sandalen oder Eltern mit ihren
Sprösslingen – die vielen unterschiedlichen Gestalten machen das ZOA zu dem was es ist: Festival und Familienausflug, Party und Pflege alter Bekanntschaften. Ob T-Shirt-Slapping-Pit oder der morgendliche Besuch im Feinschmecker-Restaurant um die Ecke (auch McDonald’s genannt) – Das „Zabba“ hat seine ganz eigenen Eigenschaften und Traditionen. Auch darf hier ein Lob an die Organisation nicht fehlen: Neben der Tatsache, dass jede Band pünktlich spielte war die Freundlichkeit der Security und Ordner auf die ich traf offenkundig, was bei anderen (größeren) Open Airs leider oft nicht der Fall ist. Diese familiär-freundschaftliche Atmosphäre spiegelt sich auch bei den Bands selbst wieder, von denen sich später viele im Gästebuch der Homepage für den Spaß und das gute Management bedankten. Die vertraute Stimmung kommt bei kleinen Open Airs ganz von selbst auf und wird beim Zabbaduschder OA auch von dem nicht-vorhandenen Bühnengraben unterstützt, was noch ein wenig mehr Kontakt zwischen Metal-Act und Zuschauer herstellt. Der einzige jedoch minimale Kritikpunkt, der mir als Besucher aufgefallen ist, war der Platzverweis, der ein wenig geordneter hätte ablaufen können.
Wenn man nicht gerade beim oben genannten Edelrestaurant saß, konnte man sich die Mahlzeiten des Festivals zu Gemüte führen; gespeist wird man mit fettigen Pommes, Rote- oder Currywurst und saftigen Steaks – die Pflanzenfresser unter uns wurden mit einer vegetarischen Reispfanne verköstigt. Genau wie das kostengünstige Bier für einen Euro fünfzig war auch der Imbiss sowie das Eintrittsgeld höchst preiswert, wobei man zusammen mit seinem Festivalbändchen eine Begrüßungstüte in die Hand gedrückt bekam, in der sich das aktuelle Nuclear Blast Magazin sowie ein Bier-Mixgetränk befand (für letzteres würden die meisten vermutlich kein Geld ausgeben, doch gegen geschenkt ist bekanntermaßen nichts einzuwenden).
Zusammengefasst waren die Impressionen, die das diesjährige Zabbaduschder Open Air bei mir hinterließ, genau wie in den zwei vergangenen Jahren überwiegend positiv – und man kann nur hoffen, dass die Urbacher auch weiterhin ein tolles Festival ermöglichen.

Freitag, 27.07

Die erste Band, die das Fest einläutete, war die deutsche Truppe CORPORATE PAIN, bei der es nach ihrer ersten Demo-CD nun an die Präsentation ging. Was mir als erstes beim Betreten des Festivalgeländes ins Auge stach war die Lage der Bühne: im Gegensatz zum letzten Jahr war sie nun am unteren Ende eines kleinen Hanges angebracht, von welchem aus man -egal wo man sich seinen Sitzplatz ausgesucht hat (solange man sich nicht gerade direkt hinter dem Mischpult niederlässt) bergab die Bands sowohl anhören als auch ansehen kann. Die Bühne selbst hat im Vergleich zum Jahr davor indes ein kleines Bisschen an Umfang einbüßen müssen, was wohl am Klimawandel liegen wird…woran denn sonst?

Mit ihrer Death/Thrash Darbietung wussten CORPORATE PAIN zu überzeugen und versammelten schon gut 50 Zuschauer um sich. Auch die Rufe und die gesamte Rückmeldungen des Publikums deuteten auf einen sehr guten Einstieg hin. Durch den klaren Sound, die feine Melodie und die gelungenen Tempowechsel kann man den Stuttgartern nur raten, sich schnellstens mit der Produktion eines ersten Longplayers zu beschäftigen.

Als zweiter Act des Tages erschien die Stuttgarter Metal-Combo SCRATCHED SURFACE auf den Brettern. Bei ihnen verdoppelte sich rasch die Zuschaueranzahl, was sicherlich nicht nur durch ihr höchst seriöses Auftreten ausgelöst wurde, da die Herren sich allesamt in schwarzen Hemden zeigten. Nur der Drummer stach -oh Wunder?- mit nackten Oberkörper hervor. Nach ihrer eigenen Beschreibung spielt die Band Melodic Trashcore – modernen Thrash Metal mit Hardcoreeinflüssen. Und genau diesen präsentierten sie auch in Form von Songs ihres ersten und ihres kommenden Albums, das Ende 2007/Anfang 2008 in die Plattenläden bugsiert wird.

Puren Extreme Metal fabrizierten dagegen HAVOK, die als nächste Liga die Fläche stürmt. Die Blaubeurer haben es eindeutig auf dem Kasten Stimmung zu machen und verleiteten die ersten Köpfe dazu ihre Mähnen zu schütteln. Den vielen Bangern bleibt auch die humoristische Ader der Truppe nicht lange verborgen, als der Sänger in einer kurzen Ansprache an die Zuhörerschaft sein Verständnis dafür ausdrückt, dass die Zuschauer wohl gerade nichts besseres zu tun haben, als HAVOK zuzuhören. Doch dass er schon bald aufhört zu reden -da sie ja spielen „müssen“- ist den meisten bestimmt willkommen: Mit seinen teils kratzigen oder gegrunzten Zeilen präsentiert er variantenreich die Inhalte der EP, die mit Doublebass- und melodischen Gitarrenriffs untersetzt sind. Nicht nur dem Publikum wurde es teilweise warm, denn auch den Sänger brachten die schnellen Kopfbewegungen letzten Endes zum Entledigen seines Shirts.
Da auch ich mich zum bangen überreden ließ musste ich mir danach die Haare bürsten und konnte mir aus diesem Grunde die Modern Thrash bzw. Melodic Death/Thrash Kapelle PERISHING MANKIND nicht ansehen, die jedoch alleine mit Drummerin Beate in knappen Bikini-Oberteil sicherlich einige Blicke auf sich zog.

Bei der nächsten Kapelle war ich jedoch wieder voll und ganz vor Ort (wobei das „voll“ nur bedingt im Sinne von zuviel Biergenuss zu verstehen ist) und durfte dadurch eine astreine Knüppel-Darbietung verfolgen, die es in sich hatte. TEAMKILLER produzieren technisch ausgereiften Hardcore, der sich jedoch nicht in die Metalcore-Ecke drängen, sondern eher in der Richtung des Thrash Metals ansiedeln lässt. Neben dem Song „Punishment“ und einem gelungenen Biohazard-Cover gab es neben „Fuck!“ auch „Scheiße!“ und „Bewegung!“-Rufe von Seiten der Band; agressiv, energisch und bisweilen von Midtempo-Angriffen durchzogen sind die Stuttgarter Hauptzutat eines Gerichts, das durchaus nicht nur eisernen Hardcore-Anhängern mundet.

Den Anschluss machten die melodisch angehauchten Deather von LAY DOWN ROTTEN, um ihren Texten über Hass, Tod, Angst und den restlichen Leiden des Lebens Gehör zu verschaffen. Ein ausgereifter Gig der Band war die Folge, die das Hörertum mit „Kill!“-Ausrufen provokativ zu animieren wusste – die Nebelmaschine war hier nur das „i-Tüpfelchen“ und unterlegte kunstvoll das mächtige Geschredder, die melodischen Leadriffs sowie den Moshpit, der sich presto vor der Bühne formierte.

Als erster Schwarzwurzel-Spielmannszug legten sich die erfahrenen Musiker von NEGURA BUNGET ins Zeug, bei der die ersten Black Metal aus ihren zelten krochen und nicht nur aus diesem Grund
sofort eine große Horde Zuschauer anwesend war. Ohne Frage haben NEGURA BUNGET im Untergrund einen sehr hohen Status, der hier rasch an die Öffentlichkeit rückte; ohne Frage befanden sich unter den Hörern nicht nur allgemeine Liebhaber des Schwarzmetalls, sondern genauso knochenharte, langjährige Fans der Gruppe. Mit ihren Zeilen über Mythologie und transilvanisches Gedankengut schafften sie sogleich eine mystische Atmosphäre und outeten sich nicht nur als waschechte Rumänen sondern zogen mit ihrem düsteren Flair so einiges in ihren Bann. Nichtsdestotrotz überwiegte während der spirituell-angehauchten Show eine melodisch-epische Note, die, unterstützt von mittelalterlichen Instrumenten, Ambient- sowie Liebhabern von langsamen atmosphärischem Black Metal, gefiel.

Ich freute mich schon den ganzen Tag auf die Death Metal Ladung der Old School Schweden von DISMEMBER und konnte sie um 22.30 Uhr -einer sehr akzeptablen Zeit für den Headliner des Tages wie ich finde- endlich mit den restlichen Neugierigen, Death Metal Begeisterten und beinharten Band-Verehrern begrüßen. Schon der Auftakt war nicht von schlechten Eltern und hatte merkbar schnell eine äußerst animierende Wirkung auf die Zuschauer; “Do you like blood? Then you better have a collection of it!” Frontnase Matti traf mit diesem Ausruf ohne Frage den Geschmack der Festivalbesucher und heizte somit schon ordentlich ein, noch bevor überhaupt der erste Ton des ersten Songs der Show in Form des Intros des ersten Tracks vom ersten Album die ersten Trommelfelder erreichte. Die eingängige Melodie war sicherlich den meisten bekannt und ließ nicht nur jüngeres Publikum aufhorchen, sondern sprach vor allem diejenigen an, die die Band schon von Anfangstagen an begleiteten. Schon
kurz darauf folgte mit „Shadows of the Mutilted“ ein Song des aktuellen Albums, aus welchem den meisten wohl das Solo in Erinnerung bleiben wird. Die tief gestimmten Gitarren und die sehr melodischen Riffs kombiniert mit den harten, pochenden Drums verfehlten ihr Ziel nicht; der Platz war überfüllt – nicht nur Haupt-Acts wie DISMEMBER sind Grund genug, die Wiesenflächen des Zabbaduschder Open Airs um mindestens 25% zu erweitern. Doch genug der Kritik – als plötzlich ein rosaroter Luftballon über die Bühne hüpfte und wie durch Zufall die Füße der beiden Gitarristen streifte schweifte der Blick auch kurz über den Schauplatz der Band, die mit vielen kleinen Details geschmückt war; ob Glücksbringer oder Fun-Deko ist nur zu vermuten. Neben einer kleinen Stoffpupe mit einem Kreuz auf der Brust (die ein wenig der auf dem Cover der Korn-Scheibe „Issues“ ähnelte) war auch eine Pantomimen-Maske zu entdecken. Bald ging es weiter mit einer Kostprobe der vierten Demo aus dem Jahre 1990: „Reborn in Blasphemy“. Die Stageiver ließen nicht lange auf sich warten und ließen sich beim Song „Pieces“ der gleichnamigen EP durch die Menge tragen. Nach der Hälfte des Konzertes musste kurz der Roadie auf die Bretter hüpfen um ein Becken wieder festzuschrauben, das sich unter den treibenden Beats des Schlagzeugs und den Schwingungen der röhrenden Gitarren gelöst hat – auch die kräftigen Schreie des Sängers trugen sicherlich ihren Teil dazu bei. Als während einer kurzen Pause der Mond hinter den dunklen Bergumrissen auftauchte erklang der „Dis-mem-ber“-Chor des Publikums vor einer nahezu perfekten Sommernachtskulisse. Die Schweden ließen sich davon jedoch nicht beirren und führten neben einem IRON MAIDEN-gewidmeten Song und „Skin her Alive“, einem Stück des Debutalbums, auch neue Sachen vor; „Of Fire“, ein Track der legendären „Death Metal“-Scheibe, war darunter. Matti ließ es sich nicht nehmen und zog kurz vor Ende der Vorstellung eine Drakula-Maske über, mit der er „Casket Garden“ einläutete. Alles in allem boten die Jungs einen krönenden Abschluss des Tages und für die meisten wohl das Highlight sowie die enormste beanspruchung der Nackenmuskulatur des Festivals.

Samstag, 28.07

Trotz Mittagshitze ließen sich schon um 13 Uhr einige Metalheads dazu verleiten, den Reunion Gig der Melodic Death Gruppierung THE EXORIAL mit kreisenden Kopfbewegungen zu unterstützen.
Leider ließ die nötige Menge an Applaus noch auf sich warten – wobei dies auch daher rühren konnte, dass die meisten ihren 5. und 6. Becher Bier in den Händen hielten. Und wie sagt man noch so schön? „Lieber Frau und Kind erschießen, als ’nen Tropfen Bier vergießen“. Der Gesang, der von Growls hin und wieder in Gekreische wechselte, konnte überzeugen – und auch die Musik war angenehm anzuhören, wenn sie auch leider nichts komplett Neues darbrachte. Trotzdem sprach der Sänger den meisten au der Seele, als er die Zuhörerschaft mit den Worten „Vielleicht habt ihr euch heute morgen genauso gefühlt wie ich mich – voll“ begrüßte und sich auf dieselbe sympathische Art nach erfolgreichen 30 Minuten auch wieder verabschiedete.

Den nächsten Teil stellten die Schweizer PIGSKIN dar, indem sie mit ihren groovigen und teils sogar thrashigen Metalcore ein variationsreiches Etwas ablieferten. Im Stil von The Haunted spielten sie gute, jedoch recht neutrale Musik, bei der mir vor allem die Tempowechsel gefielen. Zwar machten unter der prallen Sonne bald einige Zuschauer schlapp, doch blieben trotzdem noch vergleichsweise viele um sich die Songs der Truppe anzuhören.

Mit SNIPER bestieg eine in Stuttgart und Umgebung relative bekannte Formation die Latten. Mit ihren einzigartigen und fröhlich-komischen Einlagen sind die vier Musiker eindeutig imstande, zu amüsieren. Der Death/Thrash Metal der Band ist nach eigener Ansicht irgendwo zwischen alten Metallica, Slayer und Vader anzusiedeln. Sänger Rupert zieht mit beherrschtem Gekreische und ungestümen Gegrunze die männlichen Zuhörer und geschickt mit nacktem Oberkörper und schwarzer Lederhose die Mädels in seinen Bann. Mit seinen Worten, dass SNIPER keine „finnische Nazimusik“ spielt, räumte er letzte Missverständnisse aus dem Weg und gab den Weg frei für Unterhaltung mit Stromgitarren und Männerbäuchen. Auch stellte der Vokalist rasch fest, dass es eindeutig zu viele „mittellose Alkoholiker“ gäbe, als er für mehr Action seitens des Publikums mit Getränkebons winkte und es in Rekordzeit voller vor der Bühne wurde. Auch seine These, dass Männer ohne Bäuche Krüppel sind, schien bei den meisten auf offene Ohren zu stoßen, die damit auf ein gelungenes Cover des Slayer-Klassikers „Raining Blood“ vorbereitet wurden. Insgesamt sah ich SNIPER zum zweiten Mal live und wurde auch dieses eine Mal alles andere als enttäuscht; exzellenter Metal gepaart mit einer sympathischen und darüber hinaus höchst spaßigen Musikerbande – was will man mehr?

PARSIFALL boten als nächster Act den ersten richtigen Anlauf für Hardcore-Liebhaber. Die Band, die sich mit dem Zabbaduschder-Präsentant DAVIDIAN Sänger Dave Hopkins teilt, konnte mit aggressiven Shouts und Variationen aus Noise-/Nu Metal und Hardcore-Elementen punkten. Dave erwähnte kurz seinen Vater, der unbeschönt gesagt ein „Stück Scheiße“ und er früher somit vollkommen auf sich selbst gestellt war. Ohne die Musik wäre er schon längst nicht mehr am Leben beziehungsweise hätte sicherlich schon jemanden umgebracht. Mit dieser Liebeserklärung an die metallischen Klänge kamen auch die emotionalen Passagen nicht zu kurz und vertrieben jegliche Gefühlskälte aus den Songs. Leider verstand man durch das sehr leise gedrehte Mikrofon sehr wenig und konnte einiges was Dave sagt nicht hören – schade eigentlich, denn ich bin mir sicher, dass es interessant gewesen wäre.

Nach der corigen Einlage kam nun wieder eine Fahne Old School Duft daher; die Österreicher GODDAMNED X, die sowohl mit ihrem thrashigen Death Metal und ihrem Auftreten als auch ihrem Klangwerk der Alten Schule entsprachen. Der Bart des Bassisten erinnerte stark an Fernsehkoch Zacherl – und in der Tat braute er zusammen mit dem Rest der Bande etwas recht wohl bekömmliches zusammen. Der Tarzan-anmutende Körper des Sängers lenkte bestimmt nicht nur meine Augen hin und wieder auf seine Oberarmmuskeln, die sich bei jedem Riff kunstvoll zusammenzogen (und trotzdem, finde ich, ist an der Wampen-Theorie des SNIPER-Vokalisten einiges dran).
Was die Geschwindigkeit angeht, wird die gesamte Bandbreite abgedeckt; meist pendelt man sich jedoch im Mid-Tempo-Bereich ein und vergisst dabei auch nicht die Melodik oder das technische Niveau. Tarzan konnte sich natürlich nicht ohne eine mühevoll erbrachte Leistung verabschieden und beendete eines der letzten Lieder mit der Gitarre über Kopf – seltsamerweise kam dies jedoch nicht sehr angeberisch rüber. Nur ein klitzekleines bisschen.

Da GRABAK zusammen mit NEGURA BUNGET das einzige waren, was die Schwarzwurzel-Ecke auf dem ZOA so hergab, hatte sich der finstere Teil des Zabbaduschder-Gefolges eingefunden, als die Leipziger um viertel nach fünf die Bühne betraten. Dies weist vor allem auf die ZOA-Gänger der letzten Jahre hin, als das Black Metal Angebot noch über das des extremen Metal überwog – bevor sich die Dorfgemeinde entschied, dass satanischer und somit anti-christlicher, Dunkelheit-predigender Schwarzmetall eindeutig zu böse für das idyllische Städtchen Urbach ist.
Die Combo ist schon seit über 10 Jahren mit dabei und somit mit vier Alben nicht neu im Geschäft, was man an ihrem hohen Bekanntheitsgrad bzw. am überfüllten Festivalgeländes erkennen konnte. Petrus mag wahrscheinlich keinen Black Metal, denn kurz nach Beginn des Konzertes fing es an zu regnen und die meisten flüchteten sich ins Bierzelt oder drängten sich unter die Planen der Verkaufsstände. Verfolgen konnte man die Show jedoch weiterhin; Der Sänger sammelte jedoch bei mir gleich zu anfangs Minuspunkte, indem er die hartgesottenen BMler mit der viel zu ernst gestellten Frage „Sind wir etwa zu schnell für euch?“ vor die Boxen locken wollte. Seltsamerweise ernteten GRABAK im Vergleich zu der hohen Zuschaueranzahl wenig Applaus oder Pfiffe. Auch empfand ich beim Hören der Songs die ganze Zeit einen bestimmten Drang, die Truppe von der Bühne herunterzuzerren, sie in die Maske zu schmeißen und ihnen ordentlich Corpsepaint aufzudonnern; dies wäre für das gesamte Erscheinungsbild noch die Sahne auf dem Kuchen gewesen. Letztendlich kann man jedoch behaupten, dass GRABAK ihr Programm stabil herunterspielten – nicht sehr originell, ohne besondere Einlagen oder Ansprachen, doch (Black Metal) Fans sollte dieses Konzert durchaus zufrieden stellen.

Der nächste Act AMOK entzog sich leider meinem visuellen Sinnesorgan, da ich mich dafür entschied, die Verkaufsstände zu inspizieren; neben dem Black Metal Online-Shop Grau gab es Stände von Baden-Metal, Cudgel, Heavy Horse, Ketzer-Records, sowie einen Dragon-Shop-Zelt und einen Schmuck- und Silberstand für diejenigen, die sich nach etwas anderem als nur Musik-Merchandise umsehen wollten. Manche stahlen sich später sogar mit Samurai-Schwertern und einem jungenhaften Unschuldsgrinsen auf den Lippen an den Securtys vorbei.
Nichtsdestotrotz bekam ich einiges an Musikgut der Death Metal ausübenden Schweizer mit um mir ein ungefähres Bild machen zu können; brachialer, schneller Death Metal mit genau solchem Gesang, der sich je nach Lust und Laune der robusten Klänge bei Growls oder Gekreische einpendelte.

Bei der darauffolgenden Band stand ich jedoch wieder aufmerksam in den Startlöchern; die gesellschaftskritischen Deather von REQUIEM standen auf dem Tagesplan. Der groovige amerikanisch-anmutende Death Metal der Schweizer wies Blast-Attacken wie moderne Merkmale auf – zum Besten gegeben wurde unter anderem „Into The Unknown“ vom aktuellen, in diesem Jahr veröffentlichten Longplayer. Als der Regen stärker wurde und die Bandshirts anfingen durchzuweichen, retteten sich viele ins Bierzelt, von welchem man jedoch immer noch eine sehr gute Sicht und Akustik genießen konnte, da dieses seinen Platz nur etwa 10 Meter entfernt von der Bühne hat. Außer, dass ein Stagediver nicht aufgefangen wurde (er hätte es im Bierzelt versuchen sollen), fiel mir jedoch nicht besonders viel auf; trotzdem zeigte sich nach Ende der Vorstellung, dass REQUIEM eine feste Fangemeinde besitz: Die ersten „Zugabe“-Rufe erklangen. Die Band schien sichtlich geschmeichelt, teilte den Zuschauern jedoch mit, dass ihre Spielzeit leider vorbei sei und Interessenten doch versuchen sollten, die Organisatoren zu bestechen – ich bin mir sicher, dass sich dies einige ernsthaft überlegten.

Da ich absolut kein Metalcore-Fan bin, sondern diesem Subgenre gegenteilig eher ablehnend gegenüber stehe, ließ ich mir auch den darauffolgenden Gig der Stuttgarter CRISIS NEVER ENDS mit einem 5,0-Bier in der Hand entgehen.

Die nächste Kapelle war jedoch stiltechnisch schon wieder viel mehr nach meinem Geschmack; FLESHCRAWL erschienen auf den Brettern um den Festivalbesuchern von in ruppigem Death Metal verpacktem Krieg, Horror, Wahnsinn und Mord zu predigen. Die Jungs aus Illertissen gaben vor allem neues Material zum Besten, unter welchem auch die Songs „Into the Fire of Hell“ und „Structures of Death“ vom gleichnamigen Album waren. Die Fleischkriecher verpacken melodische Komponenten in brutalem Sound – die Assoziation mit Gothenburg trifft jedoch gänzlich daneben, da die Musik sich eher Richtung Old School bewegt. Bei dieser Live Performance fiel mir die Akustik zum ersten Mal recht negativ auf. Bei den Songs wurde es geschickt überspielt, doch leider waren die Ansagen des Sängers sehr schlecht zu verstehen und auch das Schlusswort nicht zu vernehmen – dagegen waren die Gitarren deutlich laut gestimmt. Trotzdem lässt sich nichts weiteres gegen das Ensemble sagen.

Mit einem nahezu perfekten Sound waren dagegen CARNAL FORGE gesegnet, die an diesem Abend in der Rolle des Headliners und der einzigen Open Air Show 2007 in Deutschland verzaubern sollten. Genauso wie sie auf der Homepage angekündigt wurden, waren diese in der Tat nichts für schwache Nerven. Man merkte sofort, dass die Schweden nach 6 Alben und 10 Jahren Bandbestand ein mehr als eingespieltes Team darstellen, das mit seinem Thrash-/Death Metal die Schweißperlen auf die Stirnen und die Knoten in die Haare treibt. Ich hatte keine Erwartungen, da mir die Jungs aus dem Norden noch gänzlich unbekannt waren und ich zuvor nicht allzu gute Resonanzen über sie von anderen bekommen habe; im Nachhinein war ich jedoch sehr positiv überrascht und kann nur sagen:
„Langeweile ade!“ – Old School Riffs gepaart mit heftigen Thrash Metal Parts und einer klitzekleinen Prise melodischen Death Metals. Im Ohr blieben vor allem die martialischen Todesstöße der Drums und die geschmackvollen Soli. Man merkte, dass CARNAL FORGE Spaß an ihrer Sache hatten und sich oft und gerne mit dem Publikum in Verbindung setzen. Da ich leider -wie bei allen anderen Konzerten- keine Setlist zu sehen bekam, kann ich aufgrund der schlecht verständlichen Ansagen von Sänger Jens Mortensen mit „I smell like Death (Son of a Bastard)“ bedauerlicherweise nur einen einzigen Titel nennen, der in dieser Nacht gespielt wurde. Er stammt von dem zweiten Album der Band aus dem Jahr 2000 und ist ein gutes Beispiel für den größten Teil des musikalischen Repertoires der Schweden: Er ist aggressiv, ausgereift und mit leidenschaftlichem, growligen Gesang unterlegt – doch hat man trotzdem das Gefühl, als ob man hier etwas schon einmal Dagewesenes hört. Auch die anderen Songs variieren nicht allzu sehr untereinander und unterscheiden sich nicht wirklich von anderen Gruppen dieses Kalibers. Trotzdem: Obwohl einige schon abgereist waren und sich durch den nassen Boden und die kühle Abendluft lieber in gemütlicher Runde an ihren Zelten aufhielten, waren recht viele Zuschauer anwesend um den harten Klängen zu lauschen und ihre Begeisterung mit Rufen kundzutun. Insgesamt ein mehr als guter Ausklang des Open Airs.

So nahm ein erneut erfolgreiches und viel zu kurzes Zappenduster-Wochenende ein Ende und die Festivalgänger müssen sich ein weiteres Jährchen gedulden, bis es wieder heißt: „You don’t know the power of the dark side!“

Freitag, 27.07
15:35 – 16:05 Corporate Pain
16:25 – 16:55 Scratched Suface
17:15 – 17:50 Havok
18:10 – 18:45 Perishing Mankind
19:05 – 19:45 Teamkiller
20:10 – 22:50 Lay Down Rotten
21:15 – 22:00 Negura Bunget
22:30 – 23:30 Dismember

Samstag, 28.07
13:15 – 13:45 The Exorial
14:00 – 14:30 Pigskin
14:45 – 15:15 Sniper
15:35 – 16:05 Parsifall
16:25 – 16:55 Goddamned X
17:15 – 17:50 Grabak
18:10 – 18:45 Amok
19:05 – 19:45 Requiem
20:10 – 22:50 Crisis Never Ends
21:15 – 22:00 Fleshcrawl
22:30 – 23:30 Carnal Forge


Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: