CD-Review: 1349 - Hellfire

Besetzung

Ravn – Gesang
Archaon – Gitarre
Tjalve – Gitarre
Seidemann – Bass
Frost – Schlagzeug

Tracklist

01. I am Abomination
02. Nathicana
03. Sculptor of Flesh
04. Celestial Deconstruction
05. To Rottendom
06. From the Deeps
07. Slaves to Slaughter
08. Hellfire


Nachdem das aufstrebende Prügelkommando 1349 erst letztes Jahr „Beyond The Apocalypse“ veröffentlicht hat, steht nun, Ende 2005, bereits die nächste pechschwarze Attacke ins Haus.

Lange gefackelt wird auch dieses Mal nicht: Raven schreit den Albumnamen „Hellfire“ und ehe man sich’s versieht, befindet man sich in einem Kugelhagel namens „I Am Abomination“. Während Frost im weiteren Albumverkauf scheinbar den gesamten 30jährigen Krieg im Zeitraffer auf seinem Schlagzeug nachspielt und Ravn hörbar facetternreicher mit seiner Stimme umgeht, überzeugen die Songs nicht nur durch ihre immernoch unbändige Energie und wilde Gitarrenläufe, sondern auch durch eine gewisse, bislang nicht gekannte Struktur.

Ohne die grundsätzliche Marschrichtung zu ändern, gelingt 1349 durch diese Verfeinerung der Kompositionsmuster ein weiterer großer Schritt nach vorne. Denn obwohl „Hellfire“ sämtliche Attribute, die den Sound der Norweger definieren, beibehält und auf seine Art aggressiver, roher und brachialer klingt als alles, was 1349 bislang herausgebracht haben, kristallisieren sich dieses Mal klare Hits heraus – das Resultat der hörbar durchdachteren Songstrukturen. Neben dem Opener ist hier definitiv „Sculptor Of Flesh“ zu nennen, zu welchem auch ein Video gedreht wurde. Ein rockiger Riff, eine griffige Bridge, inbrünstig vorgetragene Vocals – der Song hat alles, was ein Black-Metal-Kracher braucht. Darüber hinaus haben 1349 ihren bislang eher angedeuteten denn ausgelebten Sinn für Melodien noch einmal geschärft. Das Resultat sind Stücke wie „Nathicana“, das in mehrerlei Hinsicht etwas an Satyricon erinnert: Anfangs scheint etwas „Rebel Extravaganza“ durch, im weiteren Verlauf versucht sich der Song als moderne Reminiszenz an „Mother North“. Auch „Celestial Deconstruction“ geht anfangs in eine ähnliche Richtung. Seine Stärke liegt aber vor allem in der gelungenen Integration mehrere langsamerer Teile in den typischen 1349-Kontext. Nach dem eher durchschnittlichen „To Rottendom“ gelingt dieses 1349 Kunststück mit  „From The Deeps“ erneut: Während der Einstieg noch stark an Slayer in der „Seasons In The Abyss“-Phase erinnert, macht das Stück mit gelungenem Wechselspiel zwischen fiesem Gedresche und fast schon doomigen Momenten einiges her. Einzig die Tatsache, dass Frost auch in diesen Passagen die Hände (beziehungsweise Füße) nicht stillhalten kann und die Atmosphäre dieser Passagen mit nervösen Zwischenschlägen torpediert, ist schade. Mit dem finalen Titeltrack versuchen sich 1349 zu guter Letzt noch in der Kategorie „Getragener Black-Metal-Epos“. Die Spielzeit des Stückes von 13:49 Minuten lässt allerdings nur so lange schmunzeln, bis man konsterniert festellen muss, dass 3:49 zwar weniger witzig, als Spielzeit allerdings ebenso ausreichend gewesen wären.

Nichtsdestoweniger liefern 1349 mit ihrem dritten sogleich ihr bislang stärkstes Album ab. Mit genau dem Mut, der ihnen auf „Beyond The Apocalypse“ noch fehlte, legen 1349 die Scheuklappen ab. Den mit „Liberation“ und „Beyond The Apocalypse“ eingeschlagenen Weg verfolgen die Norweger so zwar konsequent weiter, wagen nun aber auch mal einen bereichernden Blick in eine andere Richtung: Ein paar ruhigere Einschübe sowie das eine oder andere Black’N’Roll-Riff sorgen dafür, dass die ansonsten wieder konsequent vorgetragene Raserei deutlich besser zur Geltung kommt. So klingt „Hellfire“ am Ende gerade durch einige Tempodrosslungen schneller, härter und aggressiver als alles, was man bislang von 1349 zu hören bekommen hat.
Fazit: Wenn auch nicht ganz ohne Schwächen, ist 1349 mit „Hellfire“ ein Instant-Klassiker gelungen, der in keiner Black-Metal-Sammlung fehlen sollte.

Bewertung: 8.5 / 10

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