CD-Review: Abigor - Höllenzwang (Chronicles Of Perdition)

Besetzung

P.K. – Gitarre, Bass
T.T. – Gitarre, Bass, Schlagzeug

Gastmusiker:
Silenius – Gesang

Tracklist

01. All Hail Darkness And Evil
02. Sword Of Silence
03. Black Death Sathanas (Our Lord’s Arrival)
04. The Cold Breath Of Satan
05. None Before Him
06. Olden Days
07. Hymn To The Flaming Void
08. Christ’s Descent Into Hell
09. Ancient Fog Of Evil


Hört man sich etwas im Black Metal um, drängt sich oft der Eindruck auf, dass eine Band unter keinen Umständen experimentieren und zugleich den Wurzeln des Genres treu bleiben kann. Dass es sich dabei um einen Trugschluss handelt, haben jedoch viele Vertreter der Stilrichtung bereits früh unter Beweis gestellt – insbesondere ABIGOR. Ob nun zur Zeit ihrer pechschwarzen Anfangswerke, ihrer späteren Keyboard-lastigen Kompositionen oder ihrem zuletzt recht avantgardistischen Industrial-Material, nie haben die Österreicher Anlass zum Zweifel daran gegeben, dass sie sich den Grundsätzen dieser Kunstform mit Leib und Seele verschrieben haben. Auf ihrer zehnten Platte „Höllenzwang (Chronicles Of Perdition)“ wagt das Duo nun eine komplette stilistische Kehrtwende.

Wer sich bereits mit einigen der durchaus kontroversen Aussagen, die die Band in der Vergangenheit von sich gegeben hat, vertraut gemacht hat, sollte mit Hinblick auf den Albumtitel keine großen Schwierigkeiten haben, die Grundthematik der Platte zu entschlüsseln: Es geht einmal mehr um den Gehörnten höchstpersönlich. Während dieses Textkonzept für ABIGOR grundsätzlich nichts Neues ist, überrascht die musikalische Umsetzung umso mehr.

Anstatt ihre Musik in noch abwegigeres Terrain zu führen, haben sich die Black-Metaller bewusst dazu entschieden, ein rohes Album wie aus den 90er Jahren zu kreieren. Auf „Höllenzwang“ gibt es demnach weder nachträglich hinzugefügte Gitarrenspuren oder ausgefeilte Keyboard-Arrangements noch wurde es großartig nachbearbeitet oder aufpoliert. Stattdessen konzentrieren sich ABIGOR hier voll und ganz auf das Wesentliche – diabolischen Schreigesang, polternde, finstere Gitarrenriffs und markerschütterndes Drumming. Spiel- und soundtechnische Perfektion ist hier weder erwünscht noch notwendig.

Dennoch haben ABIGOR ihr eigenes Schaffen keineswegs der Mittelmäßigkeit preisgegeben, die im schwarzmetallischen Untergrund allzu weitreichend um sich greift. Zudem haben sich die Österreicher ihre musikalische Identität bewahrt. Nach wie vor unverkennbar sind die blasphemischen Sprach-Samples („None Before Him“) und das chaotische, frickelnde Gitarrenspiel („Hymns To The Flaming Void“). Besonders beeindruckend ist jedoch der ungezügelte, boshafte, aber auch hymnische Gastgesang aus der Kehle von Silenius, den man bei seiner Hauptband Summoning noch nie derart mächtig brüllen gehört hat. Allein schon diese höllische Stimmakrobatik macht „Höllenzwang“ zu einem absolut hörenswerten Album, das die künstlerische Authentizität von ABIGOR einmal mehr untermauert.

ABIGOR-Fans, die Platten wie „Supreme Immortal Art“ oder „Fractal Possession“ verehren, werden auf „Höllenzwang“ möglicherweise erst mal etwas verdutzt reagieren. Zwar sind die einzelnen Songs durch ihre unterschiedlichen Rhythmen und Tempi ganz gut voneinander abgrenzbar, aber aufgrund ihrer reduzierten Stilistik eben auch kein bisschen bahnbrechend und dadurch weniger interessant als die letzten Veröffentlichungen der Band. Dennoch verlangen ABIGOR dem Hörer mit ihrer konsequenten Herangehensweise einiges an Respekt ab und einige der neuen Nummern kann man getrost als überwältigend bezeichnen. Wer die Musik des Zweigespanns in ihrem unverfälschten Kern erleben will, sollte hier definitiv zugreifen.

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

16 Kommentare zu “Abigor – Höllenzwang (Chronicles Of Perdition)”

  1. Winterpercht

    Auch als Fan erster Stunde sollte man vorsichtig sein, denn mit den eher epischen Anfängen in Richtung Orkblut und Verwüstung oder der beinahe schwarzromantischen Stimmung der ewigen Nachthymnen hat die Platte kaum etwas zu tun. Viel mehr kommen die Österreicher in die Richtung ihrer Apokalypse-EP, also sehr direkt und pointiert, roh und damit noch finsterer als bisher. Das Album bleibt sperrig, aber verströmt noch genug Eingängigkeit (also was man bei Abigor als eingängig bezeichnen kann, easy listening waren sie ja eh noch nie), um nachvollziehbar zu bleiben. Für mich also eine positive Entwicklung, da ich mit den Vorgängern trotz mehrerer Hörversuche doch etwas überfordert bin. Ich kann mich leider nicht so lange darauf konzentrieren, um die zweifellos vorhandenen Qualitäten wirklich zu würdigen. Da passt dann auch die realtiv kurze Spielzeit dieses Höllenzwangs dazu. Insgesamt würde ich – vor allem auch wegen Silenius‘ herrlich finsteren Gesang – eher zur 8/10 tendieren.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hey Winterpercht,
      da muss ich dir Recht geben, es ist natürlich keine komplette Replik der Altwerke. Aber es ist eben ein ziemlich schroffer Einschnitt nach den letzten Alben. Mit unserer Wertung liegen wir dann ja eh nah beieinander und ich muss auch sagen, dass ich bei der Bewertung ein wenig unschlüssig war – in beide Richtungen. Wie du schon sagst, der Gesang ist wirklich beeindruckend, ansonsten hat mir halt ein bisschen das Besondere gefehlt. Und ich habe halt auch eine Affinität zu avantgardistischem Black Metal, da sind die Vorgänger für mich etwas interessanter. Aber wie gesagt, trotzdem eine gute Platte. :)

  2. arno nyhm

    die tüpen sind mir leider nicht faschistisch genug und hängen mir auch mit zu wenig mit antisemiten (weil, sie sind ja keine NAZIs!) rum.

    aber geh .. passt schoh…machen ja stramme musik! da isses egal was da für hohlköppe hinterstehen die „garantiert keine ausländerfreunde sind“

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Als Autor dieser Rezension fühle ich mich dazu berufen, in die Diskussion, die sich hier in den Kommentaren entwickelt hat, einzugreifen. Da ich in den letzten Tagen außergewöhnlich viel beschäftigt war, komme ich erst jetzt dazu.
      Vorab eine Klarstellung: Ich persönlich halte absolut nichts von diesem „Gedankengut“, das den Mitgliedern von Abigor hier nachgesagt wird und das sie vermutlich leider tatsächlich in sich tragen. Wie es Simon (leider mit starkem Sarkasmus, was der friedlichen Auflösung einer so angeheizten Diskussion sicherlich nicht zuträglich ist) bereits gesagt hat, ist es einfach nur verwerflich, Menschen aufgrund ihrer Abstammung pauschal herabzuwürdigen. Dabei spielt es für mich auch keine Rolle, ob man sich als „Nicht-Ausländerfreund“ oder sogar als „Ausländerfeind“ definiert. Ersteres ist, wie ich finde, einfach nur ein Euphemismus. Ich sehe auch kein Meinungsdiktat der Medien, denn die eigene Meinung ist einem ja nach wie vor unbenommen. Die Meinungsfreiheit endet – wie nahezu jedes Grundrecht – dort, wo sie anderen Menschen schadet.
      Das Problem, das sich mir in diesem konkreten Fall stellt, ist, dass ich es äußerst fraglich finde, wo man die Grenze ziehen muss. Hier auf Metal1.info wird man voraussichtlich niemals ein Review zu einem Album von Burzum, Absurd oder sonstigen Bands finden, die es mit ihrem Rechtsradikalismus eindeutig zu weit getrieben haben und die (zumindest im Fall von Absurd) ihre menschenverachtenden Ansichten auch in ihrer Musik zur Schau stellen. Wie es bereits einige der Kommentatoren hier bereits geschrieben haben, ist es jedoch oft ein schmaler Grat, der die Grenze zwischen einem vollständigen Boykott und einer kritischen Auseinandersetzung markiert. Würde man jede Band totschweigen, deren Mitglieder fragwürdige politische Meinungen vertreten, würde es auf unserer Seite sehr bald leer werden. Dimmu Borgir, Summoning, Darkthrone, ja sogar Enslaved, Ulver, Korn oder Five Finger Death Punch – die Liste an Bands, die sich in der Vergangenheit im Ton vergriffen haben oder zumindest mit solchen Personen in Kontakt waren, wäre nicht enden wollend. Immerhin waren ja sogar die Ursprünge des Black Metal von Ereignissen geprägt, die sich jenseits des strafrechtlich erlaubten Rahmens abgespielt haben – was diese natürlich nicht rechtfertigt. Was für mich gegen ein Boykott von Abigor spricht, ist die Tatsache, dass sie ihre politischen Ansichten aus ihrer Musik heraushalten. Klar, als philanthropisch kann man ihre satanistischen Texte auch nicht bezeichnen, aber das Zeitalter, in dem man für so etwas an den Pranger gestellt wurde, ist zumindest in Europa zum Glück schon lange vorbei. Und letztlich wird man nie genau wissen, wie die Personen ticken, die hinter der Musik stecken. Dass man sich von gewissen Bands fernhalten sollte, sehe ich auch so, aber ich denke schon, dass man die Musik bis zu einem gewissen Grad von ihrem jeweiligen Schöpfer differenzieren kann.
      Zum Abschluss möchte ich all jene, die sich hierzu noch äußern wollen, darum bitten, sachlich zu bleiben. Weder Sarkasmus noch Beleidigungen oder Unterstellungen wie etwa das bereits angeprangerte „Meinungsdiktat“ halte ich für zielführend, wenn es darum geht, einander besser zu verstehen. Ich möchte es nicht bereuen, dass ich zu diesem Album ein Review verfasst habe, zögere aber nicht, es offline zu nehmen oder einzelne Kommentare zu löschen, falls der Konflikt zu sehr ausartet.

  3. Winterpercht

    Naja, ich vermute mal, dass jener auf die Verbindung mit einem gewissen JFN anspricht, welcher auch bei Nachthymnen einen Text verfasst hat.
    Kann man gut, schlecht, oder egal finden. Ist jedem seine Sache. Abigor haben jedenfalls zu keinem Zeitpunkt musikalisch und inhaltlich (den ganzen Interview-Kram spar ich mal aus, da hab ich und will ich auch keinen Überblick…wenns danach geht kann/muss man Dimmu Borgir auch ignorieren) irgendwelche politischen Inhalte propagiert. Noch dazu ist Silenius als aktueller Sänger mit Summoning eher links orientiert…aber da müsste man ja bei allem Schwarz-Weiß-Denken wohl fast mal differenzieren lernen…ist natürlich dank einfacher Weltsicht eher kontraproduktiv, um seine „Argumente“ durchzudrücken…

  4. Vessel

    Dass Abigor „garantiert keine ausländerfreunde sind“, ist wohl eine Anspielung auf ein gewisses Legacy-Interview irgendwann zu Fractal Possessions-Zeiten, wenn ich mich nicht irre. Abigor haben als Band absolut nichts mit Politik zu tun. Privat mag das anders aussehen, spielt aber letztlich keine Rolle. Die Texte sprechen für sich.
    Und um der Spekulation hier ein wenig entgegenzuwirken: „Noch dazu ist Silenius als aktueller Sänger mit Summoning eher links orientiert“. Protector ist eher linksorientiert, Silenius äußert sich dazu nicht (mehr).

    Zu Höllenzwang: 9 bis 9,5 Punkte. Seit Leitmotif Luzifer und Ego Dominus Tuus mMn das Intensivste und Beeindruckendste aus dem Genre. Die bei mir entfaltete Wirkung von diesem Album ist immens.

  5. SecherNbiw

    dazu kommt noch dass zwischen „kein Ausländerfreund sein“ und „Ausländerfeind sein“ noch eine Menge Platz dazwischen ist…es sei den man beugt sich dem momentan Herrschenden Meinungsdiktat der Medien und alles was rechts von linksgrüner Ideologie liegt diffamiert werden muss

    1. Christoph Emmrich

      Meinungsidktat der Medien? Haben sie dir ins braune Müsli geschissen?
      Dir bekommt wohl die Vielfalt an Informationen nicht, die dir dank der freien Meinungsäußerung zur Vefügung stehen.
      Aber ist ja auch viel entspannter sich seine Welt mit selber zusammengebastelten oder einfach übernommenen Meinungen zu gestalten, als sich selbstständig und reflektiert zu informieren.
      Und was bitte soll denn „linksgründe“ Ideologie sein? Autonomer Umweltschutz? Kommunistischer Veganismus? Merkste selber, oder?

      1. Stephan Rajchl Post Author

        Du hast nicht zufällig den letzten Absatz meines Kommentars gelesen, oder…?
        Versteh mich nicht falsch, wie ich bereits geschrieben habe, gibt es meiner Ansicht nach kein Meinungsdiktat, sodass Leute, die sich auf ein solches berufen, oft nur ihre verqueren Ansichten rechtfertigen wollen. Und den Vorwurf einer „linksgrünen Ideologie“ halte ich auch für unsinnig. Dennoch glaube ich, dass es nicht sinnvoll ist, so ausfällig zu werden, selbst wenn die Meinungen so stark auseinandergehen. Das verhärtet doch nur die Fronten…

  6. Simon Bodesheim

    Genau! Diese Linksgrünen und die Medien! Sind die doch einfach so dagegen, dass man ein komplettes Menschenkollektiv ohne Differenzierung in seiner Gesamtheit doof findet! Die sind ja gemein!

  7. arno nyhm

    sorry lag krank im bett.
    ja ich bezog mich da wirklich auf die interview aussage und auch bezog ich mich auf die JFN texte, und auch auf das mastering für absurd … also eigentlich nur auf den wiki artikel.
    aber die jungs von absurd sind dagegen dann bestimmt privat dufte typen, machen halt nur granzwertige musik .. achne, halt. da war ja was.

    wenn ihr das so stehen lassen könnt, freut mich das, aber es werden euch IMMER weiter die leute daran erinnern was da führ hohle klappspaten hinterstehen.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier niemand meine Kommentare liest…
      Arno, wenn du dich schon so über mein Review echauffierst, wäre es doch auch angebracht, dass du meine Reaktion darauf nicht einfach unbeantwortet lässt, oder siehst du das anders? Im Sinne einer vernünftigen Diskussion würde ich es sehr begrüßen, wenn du auf meinen Kommentar eingehen könntest, anstatt dich einfach nur weiter aufzuregen. Ansonsten sehe ich keinen Grund, hier überhaupt noch etwas zu schreiben.

  8. arno nyhm

    ich hab weiterhin nur MEINE persönliche meinung kund gegeben, muss dir nicht gefallen, musst du nicht teilen.
    ich habe in keinster weise deine review angesprochen, auch wenn es ein kommentar darunter ist, habe ich hier eher die band ansich kritisiert, so von wegen, hey, die typen hängen privat mit dem absurd vogel rum, fuck nazi sympathy. mehr isses nicht gewesen.
    ich will euch hier auch nicht vorschreiben über wen ihr zu schreiben habt. aber wenn ihr über bestimmte leute schreibt, müsst ihr auch damit leben das leute dazu etwas sagen.

    ich find das Super das ihr einen dialog möchtet, bin ich im netz ja nicht gewohnt :D
    sorry für den sarkasmus, aber ich bin da sehr verbohrt und engstirnig.

    1. Moritz Grütz

      Dialog ist idealerweise das, worum es hier in der Kommentarspalte gehen sollte. ;) Ansonsten bin ich persönlich definitiv auf Seite all derer, dass man alles, was mit rechtem Gedankengut sympathisiert, mit besonderer Vorsicht genießen sollte. Nur muss man auch irgendwo die Grenze ziehen, wo man mit Boykott anfängt und wo man dem Leser/Hörer ein eigenes Urteil zugesteht. Im konkreten Fall halte ich es für angebracht, auf die Problematik hinzuweisen – alles weitere würde hier aber meiner Ansicht nach zu weit führen.

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