Erinnert sich noch jemand an den EPIC SAX GUY? Oder den „Moonshine Limbo“ von TREPALIUM? Nein? Zugegeben, beides ist verdammt lange her. Noch viel wichtiger ist wohl die Frage: Was haben diese beiden Namen miteinander zu tun? Für sich genommen wohl kaum etwas, aber für AGABAS aus Norwegen sind das definitiv Schnittmengen. „Hard Anger“ heißt deren neues Album, wobei es sich – um Wirrungen vorzubeugen – um eine Deluxe-Version und damit eine Neuauflage des bereits 2025 erschienenen dritten Albums handelt.
Unter dem Banner von Mascot Records haben die sechs Musiker ihrem jüngsten Release drei neue Songs hinzugefügt, darunter ein Cover des BLACK-SABBATH-Tracks „The Wizard“. Aber ganz von vorne. „Hard Anger“ liefert, was der Titel suggeriert. Schnelle, temperamentvolle Metal-Songs, kombiniert mit der wilden Natur des Jazz-Genres. So machen schon die ersten beiden Stücke „Kjærlighet For Alle“ und „Jævla Menneske“ vor allem eins: keine Gefangenen.
Groove, Punk, Death Metal, Jazz – all das wirft „Kjærlighet For Alle“ ohne ein schmeichelndes Intro oder warmen Gesang in einen Topf. AGABAS preschen ab Takt eins ungestüm nach vorn und man ahnt: Hier bleibt kein Spuckventil trocken. Mal rasant, dann wieder heftig groovend, wirbeln die Norweger von Anfang an ordentlich Staub auf. „Jævla Menneske“ zieht folgend die Geschwindigkeit amtlich an: Gitarren und Drums stehen hier in einem wunderbar griffigen Schlagabtausch. Wenn dieses walzende Fundament dann gelegentlich durch rhythmische Querschläger aufgebrochen wird, versteht auch der Letzte, was „Deathjazz“ bedeutet.
Konsequenterweise ist das Saxophon bei AGABAS gleichermaßen Motivgeber und Strukturvernichter. Für den wuchtigen Death Metal eines „La Blodet Flomme“ stellt dieses Blasinstrument einen integralen Bestandteil im Songwriting dar, und zwar sowohl in der Verschmelzung der Extreme als auch in Form einer Lead-Komponente. Auf dem schmissigen wie brachialen „Vis Meg Alt“ hingegen steht Saxophonist Alexander Dellerhagen für Weirdness und Willkür, indem er seinem Instrument erlaubt, auch einmal gegen die geradlinigen Songstrukturen von AGABAS anzuspielen, während sich Sänger Sørensen Brønstad die Lunge aus dem Mundstück prügelt.
Dass es den sechs Norwegern so problemlos gelingt, brachialen Metal mit jazzigem Eigenwillen zu verknüpfen, mag wohl auch mit Abschlüssen in Jazz-Performance, Musiktechnologie und Musikwissenschaft zu erklären sein. „Arv“ beispielsweise zeigt mit seinem in den Details durchaus technischen Charakter, dass die Wucht bei AGABAS nicht von ungefähr kommt. Der Song ist dezent melodisch, wendig und haut jedem Zweifler über eine drückend vertrackte Bassline von Johan Jamtfall Eriksen die Skepsis um die Ohren.
„Hard Anger“ ist energiegeladen, treibend und durchdacht komponiert. Technische Raffinesse und eine gewisse Verspieltheit ergeben eine wunderbar homogene Mischung, die ihren Genres erlaubt, das Beste von sich zu zeigen. Da ist nur zu begrüßen, dass man mit „Kill“ einen dezent an MUSE erinnernden Nachschlag bekommt, der „Metal!“ schreit, während „The Wizard“ dem Ozzmeister auf charmante wie individuelle Art und Weise Tribut zollt.
AGABAS liefern mit „Hard Anger“ genau das. Die drei neuen Tracks für die Deluxe-Edition machen die Platte definitiv nicht schlechter, eine dringende Aufwertung liefern sie aber auch nicht. Denn – und das ist ja, worum es eigentlich geht – „Hard Anger“ macht auch ohne Verlängerung wahnsinnig viel Spaß. Wer aber noch mehr davon will, bekommt hier einen durchgehend genussvollen Deathjazz-Nachschlag.
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Wertung: 9 / 10


