CD-Review: Agalloch - The White (EP)

Besetzung

John Haughm - Gesang, Gitarre
Don Anderson - Gitarre
Jason William Walton - Bass
Chris Greene - Schlagzeug

Tracklist

01. The Isle Of Summer
02. Birch Black
03. Hollow Stone
04. Pantheist
05. Birch White
06. Sowilo Rune
07. Summerisle Reprise


„The White“, so nennt sich das neueste Werk von AGALLOCH. Insgesamt hat man es hier mit 32 Minuten großer Tonkunstzu tun, das kann ich gleich im Voraus sagen. Stilistisch liegen die 7 Stücke zwischen Neofolk, Ambient und experimentellerMusik. Desweiteren ist es wohl erwähnenswert, dass diese EP auf 2000 Stück limiert ist. Das war der oberflächliche Teil, nun will ich vom Geist dieser ergreifenden Musik schwelgen und mein Bestes tun, um sie gebührend zu beschreiben.

Nach einer kurzen Einleitung durch Kinderstimmen beginnt der Opener „The Isle of Summer“. Hierbei handelt es sich um eineunglaublich feinfühlig arrangierte Akustiknummer, in der kurzzeitig auch eine warme, sanfte E-Gitarre auftaucht. Gesungen wird hier nichts, so fällt der Fokus vollkommen auf das Gitarrenspiel und die Melodieführung. Und was das für filigrane, liebevoll komponierte Melodiebögen und Finessen sind! Es klingt so leicht, zart und inspiriert, dass man gar nicht mehr weg will von seiner Anlage.

Aber das ist erst der Anfang. Die folgenden Songs zeigen immer wieder neue Facetten, Ideen und Arrangements, die zum Schwärmen und dahinschmelzen einladen. Zwischen Natursamples, Synthesizern und erdig- bis luftigen Akustikgitarren offenbart sich ein fragiles, betörendes Traumgebilde, das einen in kürzester Zeit verschlingt.Ob nun folkloristisch und beschwingt oder tief melancholisch, die Stimmungen gehen nahtlos ineinander über und werdenwunderbar in Töne gekleidet. Müsste ich meinen Favoriten unter diesen 7 herrlichen Stücken nennen, was mir doch etwas schwerfällt, so würde meine Wahl auf „Pantheist“ fallen. Das Stück beginnt tieftraurig, steigert sich jedoch nach einer kurzen, fast schon ein wenig mediterran klingenden Einlage zu einer höchst dramatischen Hörerfahrung. Hier kommen dann schließlich auch extrem verzerrte E-Gitarren zum Einsatz, die der Dramatik noch zur vollkommenen Blüte verhelfen.Ebenfalls nennenswert ist „Sowilo Rune“, das fast schon ein wenig nach Apocalyptic-Folk, wie ihn beispielsweise SOL INVICTUS spielen, klingt. Hier wird mit minimalistischen Strukturen eine hypnotische Nummer geschaffen, die in einem Sprachsample aus dem 73er Mysterythriller „The Wicker Man“ ausklingt.

Wenn das nächste Full-Lenght Album die Filigranität und Ausdruckskraft dieser EP aufgreift und weiter vertieft, dann muss man sich wirklich auf ein Meisterwerk gefasst machen. Denn „The White“ beinhaltet 32 Minuten reifer, ergreifender und vielschichter Musik.Auch der Einsatz verschiedener traditioneller Instrumente wie Horn oder Harfe, die von der Gastmusikerin Veleda Thorsson, die die dem einen oder anderen als Fotografin bekannt sein könnte, trägt zur Vielfalt dieser EP bei. Es unterscheidet sich vorallem wegen seiner Komplexitätund Verspieltheit vom Vorgängerwerk „Ashes against the Grain“ und erinnert mehr an die Zeiten von „The Mantle“. Und doch klingt es, wie von Agalloch zu erwarten, wieder einmal ganz anders. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Album.

Keine Wertung

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