CD-Review: Akhlys - Melinoë

Besetzung

Naas Alcameth – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard
Eoghan – Schlagzeug

Gastmusiker:
Chtonia – Hintergrundgesang

Tracklist

01. Somniloquy
02. Pnigalion
03. Succubare
04. Ephialtes
05. Incubatio


Im griechischen Pantheon ist Melinoe der Name einer von Zeus und Persephone gezeugten Nymphe, die in der Unterwelt geboren wurde und des Nachts den Verstand der Menschen mit gespenstigen Wahnvorstellungen vergiftet. Dass AKHLYS ihr drittes Album nach dieser unheimlichen mythologischen Gestalt benannt haben, ist ebenso bezeichnend wie das groteske Artwork, das „Melinoë“ schmückt. Wie bereits auf der Vorgängerplatte „The Dreaming I“ (2015) ergründen AKHLYS auf ihrem dritten Full-Length die finstersten Abgründe, die der menschliche Geist im Traum zu erdenken vermag, und vertonen diese in Form von Black Metal, der furchteinflößender nicht sein könnte.

Wer mit Mastermind Naas Alcameths übrigen Projekten (Nightbringer, Aoratos, Bestia Arcana) vertraut ist, sollte bereits eine recht klare Vorstellung von dem imposanten Grauen haben, das AKHLYS auf „Melinoë“ in ihrer Musik einfangen. An seiner bewährten Formel hat der amerikanische Tausendsassa nämlich nichts Grundlegendes geändert: Die verhältnismäßig ausgedehnten, bis zu 13 Minuten langen Tracks werden auch diesmal von den giftgetränkten, teilweise wie ein Mantra intonierten Screams des Bandkopfs („Ephialtes“), seinen verstörend dissonanten Gitarrenriffs und Eoghans rücksichtslos brachialem Schlagzeugspiel dominiert. Dazwischen lauern schauderhafte Dark-Ambient-Passagen, in denen Alcameth obskure Worte in einem unmenschlich zischelnden Spoken-Word-Stil spricht („Succubare“).

Im Vergleich zu Nightbringer geben AKHLYS sich allerdings weniger verspielt, komplex und von klassischer Musik inspiriert und auch die scharfen Kontraste zwischen den in ihrer Ruhe umso bedrohlicheren Parts und den überwältigenden Klanggewaltausbrüchen sind hier schwächer ausgeprägt als auf Aoratos‘ Debüt „Gods Without Name“ (2019). Monoton ist „Melinoë“ zwar keineswegs, wohl aber homogener und geradliniger als die sonstigen Veröffentlichungen des Bandkopfs.

Im Kontext des Bandkonzepts, das seit jeher in den Untiefen der Welt der Träume angesiedelt ist, mag man in dem geradezu hypnotischen Songwriting jedoch durchaus einen Sinn erkennen. Die besitzergreifende Wirkung ihrer Musik haben AKHLYS allerdings auch Dave Oteros nuancierter Produktion zu verdanken. So vielschichtig und räumlich ist der Sound der Platte, dass man sich ganz und gar in das bizarre Albtraumreich der Band hineinversetzt fühlt.

Alcameth und seine verschiedenen Mitmusiker mögen in der Vergangenheit sogar noch vertracktere und faszinierendere Werke als „Melinoë“ geschaffen haben. Das Album auch nur als eine milde Enttäuschung darzustellen, täte ihm jedoch Unrecht. Mit Eoghans fähiger, wenn auch nicht bahnbrechender Unterstützung am Schlagzeug hat der vielbeschäftigte Kopf des Projekts hiermit einmal mehr seine unverwechselbar beängstigende Mischung aus Black Metal und Dark Ambient zu einer Dreiviertelstunde Klang gewordenen Wahnsinns kondensiert. AKHLYS haben auf diesem Wege eine vor allem in ihrer Gesamtheit beeindruckende Sammlung von Songs geschaffen – ein Album, dessen albtraumhafte Präsenz sich gerade am Ende eines so fürchterlichen Jahres wie 2020 erschreckend realitätsnah anfühlt.

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Bewertung: 8.5 / 10

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