CD-Review: Alvenrad - Habitat

Besetzung

Mark Kwint - Gesang, Gitarre, Flöte
Jasper Strik - Keyboard, Piano, Programmierung
Gastmusiker:
Erik Sprooten - Gitarre
Koen de Graaf - Gesang
Arjan Hoekstra - Bass, Gesang
Hanna van Gorcum - Gesang

Tracklist

01. Woudakoestiek
02. Zwartwildernis
03. Verweven Klauwen
04. 1911
05. Habitat
06. O Patrones
07. Adel des Gemoeds
08. Foreest in Tweelicht
09. Ondermaans


Da hat das Label aber mal eine lustige Kapelle ausgegraben und das irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes. Die Niederländer ALVENRAD spielen eine nicht uneigenwillige Mischung aus Folk und Black Metal und haben dabei hörbar Spaß in den Backen, irgendwie ganz in der Tradition der guten, alten Jahrmarktunterhaltung.

Das fahrende Volk besteht in diesem Fall nur aus zwei Protagonisten, Frontmann Mark Kwint ist nebenbei für Flöte und Gitarre zuständig, den Tastenpart übernimmt Kollege Jasper Strik. Herauskommt beim Debüt „Habitat“ eine Musik, die zwar in den genannten Bereichen anzusiedeln ist, aber es sich trotzdem auf keinem der angebotenen Stühle bequem macht. Zwar sind die Songs nicht übermäßig schnell und auch tendenziell eher gemäßigt in ihrer Wucht, dennoch kommt der Metalgedanke nicht zu kurz. Gesanglich orientiert man sich in cleanen Phasen an Bands wie In Extremo, hier und da durchbricht aber auch nordisches Gekrächze die Idylle, in der man sich schon einzurichten wagte.
Die Gitarrenarbeit ist recht melodiös, sowohl die Riffs, welche ab und an gar an die Göteborger Schule erinnern, als auch die geschickt eingestreuten Soli zeigen das Gespür für die richtigen Harmoniefolgen, welche mit dem entsprechenden technischen Können dargeboten werden. Die Keyboards bleiben in diesen Passagen dezent im Hintergrund, was umso erstaunlicher ist, wenn immerhin 50 % der Musiker dieses Instrument spielen und vermutlich entsprechende Aufmerksamkeit wünschen.
Andererseits bekommt Strik genügend Gelegenheit in den langsameren Songs bzw. in den Teilen der schnellen Songs, die Raum zum Durchschnaufen geben. Aber auch dann drängt er sich nicht in den Vordergrund, sondern arbeitet sehr songdienlich. Mehr Zeit scheint er in das Finden der richtigen Sounds investiert zu haben, ALVENRAD weichen deutlich von den bekannten Schemata Piano-Flächen-Chöre ab und garnieren ihre Songs mit Orgeltönen und ähnlichen Exotiken.
Gewöhnungsbedürftig, aber im Gesamtbild stimmig sind die in der Heimatsprache gehaltenen Texte. Passt natürlich gut, wenn man über die Schönheit der heimischen Natur in der Region Veluwe singt, über Mythen und verwunschene Wälder. So wird auch verständlich, warum das Infoschreiben ALVENRAD in die Nähe von Bands wie Empyrium rückt, musikalisch sind das nämlich zwei gänzlich unterschiedliche Paar Schuhe.

Eigenwillig umschreibt „Habitat“ wohl schon ganz gut, wobei man es eigentlich gehört haben muss, um das einordnen zu können. In jedem Fall weht eine frische Brise von der Nordsee herüber, wer sich an diversen anderen Bands totgehört hat, sollte ALVENRAD nicht verpassen, wer generell einen offenen Geist hat, sowieso nicht.

Bewertung: 7.5 / 10

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