CD-Review: Aonarach - 1

Besetzung

Alex Vogel – Gesang
Tom Perrett - Instrumente

Tracklist

01. The River
02. Ghosts
03. The Ritual
04. Solitude


Ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Coronapandemie, der medial relativ wenig Aufmerksamkeit erhält, ist die Einsamkeit, mit der viele im Lockdown zu kämpfen haben. Da Kunst bekanntlich das Leben abbildet, war freilich abzusehen, dass viele Musiker ihre Erfahrungen mit der Isolation in ihrem Schaffen verarbeiten würden. So auch der Schotte Tom Perrett, der zu diesem Zweck zusätzlich zu seinem Folk-Black-Metal-Soloprojekt Ruadh mit AONARACH ein separates Black-Metal-Outlet gegründet hat. Gemeinsam mit Alex Vogel, den Perrett wegen seiner genretypischeren Schreistimme beigezogen hat, spielt der Multiinstrumentalist auf dem schlicht „1“ betitelten Debütalbum deutlich kältere und düsterere Musik als man es von ihm gewohnt ist.

Nachdem Perrett die allzu offensichtlichen Parallelen zwischen Ruadh und Saor auf „The Rock Of The Clyde“ (2020) ein wenig abschütteln konnte, ist man in Bezug auf AONARACH doch versucht, die ebenfalls schottische Ein-Mann-Band wieder ins Gespräch zu bringen. Schließlich hat auch deren Mastermind Andy Marshall mit Fuath ein harscheres, dem Folk entsagendes Pendant zu seinem primären Outlet ins Leben gerufen. Mit dessen Erstwerk „I“ (2016) hat „1“ jedoch nicht nur seine stilistische Ausrichtung und seinen minimalistischen Titel gemein, sondern leider auch seine enttäuschende Umsetzung.

Dass AONARACH nicht mit Perretts Hauptprojekt mithalten können, liegt anders als bei Fuath allerdings nicht an zu monotonem Songwriting, sondern hat andere Gründe – und derer nicht zu wenige. Das fängt schon bei Vogels Screams an, die mit ihrem gramvollen Wesen zwar tatsächlich besser zum Konzept passen als Perretts wüstes Gebrüll, allerdings furchtbar erzwungen und technisch dürftig klingen. In instrumentaler Hinsicht lassen die zwischen acht und zehn Minuten langen Tracks bezüglich der Performance zwar nichts zu wünschen übrig, im Hinblick auf die Arrangements jedoch sehr wohl.

Die Umbrüche zwischen den trübsinnigen Tremolo-Riffs, Blast-Beats, Keyboardflächen und Clean-Gitarren wirken oft arg hölzern und auch bei dem Fade-in und -out im getragenen „Solitude“ hat es den Anschein, als wäre AONARACH schlicht nichts Besseres eingefallen, um den Song einzuleiten und aufzulösen. Ebenso unausgegoren ist die Produktion, aufgrund derer der Gesang teilweise beinahe im Mix verloren geht und die Drums einen allzu grobschlächtigen Eindruck machen.

„1“ hat durchaus seine guten Seiten – zum Beispiel die griffigen, treibenden Riffs und das behände, mitreißende Gitarrensolo in „The Ritual“. Sowohl in puncto Komposition und Sound als auch gesangstechnisch hört man dem Album jedoch allzu deutlich an, dass die Musiker hinter AONARACH noch einiges an Übung gebrauchen könnten. Zur Vertonung von Gefühlen des Alleinseins mag sich der kalte, flächige Black Metal der Band im Grunde zwar anbieten, in seiner Umsetzung ist er jedoch bestenfalls durchschnittlich. So bleibt nur zu hoffen, dass – wenn schon keine tolle Platte dabei herauskommen ist – Tom Perrett durch AONARACH zumindest seine psychische Belastung unter dem Corona-Lockdown ein bisschen lindern konnte.

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Bewertung: 4 / 10

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