Review Arcane Sun – Arcane Sun

  • Label: Ars Metalli
  • Veröffentlicht: 1998
  • Spielart: Doom Metal

Irland, wie der eine oder andere wissen sollte auch bekannt als die „grüne Insel“. Nicht gerade ein Metal Paradies vor dem Herren (obwohl ich gestern laß, dass es da ende der 80er wohl einen kräftigen Boom gab und so geartete Kapellen wie Pilze aus dem Boden schossen). Aber wie trist und grau, beziehungsweise wie pechschwarz unsere nordwestlichen Freunde von Zeit zu Zeit sein können, bewiesen bereits weltklasse Bands wie Mourning Beloveth und die Patrioten von Primordial. Mit beiden lassen sich die vier Jungs von ARCANE SUN ganz gut in Verbindung bringen. Denn Ex-Primordial-Gitarrist Feargal Flannery spielte auch einen ganzen Haufen Instrumente bei der 1994 gegründeten Band und stilistisch treiben diese sich eher in den gleichen Gefilden herum, wie die Doomdeath-Legende.

Auf dem im Jahre 1998 erschienenen, selbstbetitelten Debutalbum (leider abgesehen von zwei Demos aus den Jahren 1995 und 1996 das einzige Lebenszeichen der mittlerweile in der Versenkung verschwundenen Band) bieten die Jungs aus Dublin einen relativ eigenen Stilmix aus eher midtempolastigem Doom und Elementen von Heavy, Black, Death und Gothic Metal. Los geht’s mit dem „Canto I (The Search)“ (die beiden „Canto“-Songs und einige Zwischenspiele in der Trackliste erwecken übrigens den Eindruck in mir, dass es sich bei „Arcane Sun“ um ein Konzeptalbum handelt… was allerdings den Inhalt betrifft… naja, scheint irgend was mit einer spirituellen Suche oder so zu tun zu haben). Der Sound ist sehr gitarrenorientiert und erdig, Paul Kearns gegrowlter Gesang zwar nichts wirklich beeindruckendes, aber nett.

Was aber gleich als erstes auffällt: Der erste Track hat eine… Sagen wir mal „eigenwillige“ Produktion. Die Musik ist (so laut man den Player auch aufdrehen mag) von Natur aus sehr leise und ruhig geraten, auch recht drucklos und die Gitarren teilweise sehr dünn. Kein Sound, der den Hörer direkt anspringt und ihm ins Gesicht brüllt „Hör mich an, ich bin tolle Musik!!!“, nein. ARCANE SUNs Musik will nicht durch eine Bonbon-Fassade auf sich aufmerksam machen, sondern durch das bestechen, was wirklich wichtig ist, nämlich das akustische Erlebnis selber. Dadurch ist sie recht schwer zugänglich, aber sie ist es auch wert, dass man sich mit ihr befasst.

Bei Track 2, „I Was Alive Then…“, wird der Weg konsequent weitergegangen, nur dass hier jetzt auch cleane Vocals zum Einsatz kommen. Und die haben’s in sich. Pauls gequälte Schreie klingen verdammt eindrucksvoll und jagen dem Hörer den einen oder anderen Schauer über den Rücken. Hier lässt die Produktion dann glücklicherweise auch ihre Muskeln spielen. Mister Kearn singt sich (dem Höreindruck nach zu urteilen) die Seele aus dem Leib, aber dank der professionellen Abmischung wird da nichts übertönt oder platt gemacht, hier fügt sich alles fein zu einem homogenen Soundbild zusammen.

So weit, so gelungen das. Solange ARCANE SUN sich im Midtempo-Bereich austoben ist auch alles schön und gut, auch wenn die Musik trotz ihrer stellenweisen Erhabenheit und ihrer Eigenständigkeit noch ein ganzes Stück von der Grenze zur Genialität entfernt ist. Aber dann kommen „Wes Stood With Time“ und „Your Name“ um die Ecke. Und ersteres haut mit seinem hektischen Klavierspiel gut daneben, zweiteres lässt bei aller Raserei (gut, so heftig ist es auch wieder nicht, aber trotzdem…) ganz deutlich die persönliche Note missen. Das ist doof, das ist schade, das hätte nicht sein müssen. Da ist die ganze schöne Stimmung, die vorher aufgebaut wurde, wieder für die Katz.

Glücklicherweise ziehen die beiden genialen Songs „Longing for Edens Rain (and Winters End)“ und das abschließende „Promised (So Many Years Have Passed)“ (wobei zweiteres eigentlich nur ein besseres Outro ist) dem Album dann wieder den Kopf aus der Schlinge. Die machen wirklich Spaß, auch wenn der wirklich gewaltige Ohrgasmus (höhö) ausbleibt. Das trifft im Übrigen auch gut auf den Rest der einzigen Langrille von ARCANE SUN zu: Sehr nette, individuelle Musik für Genrefans, die Einarbeitungszeit braucht, aber das lohnt sich. Vor allem dem starken Klargesang wegen, aber auch sonst schaffen die Iren es über weite Strecken recht gut, ihrer grünen Insel etwas die Farbe zu entziehen.

Wertung: 7.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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