CD-Review: Arctos - Beyond The Grasp Of Mortal Hands

Besetzung

Dan Wilberg – Gesang, Gitarre
Jeremy Puffer – Gitarre
Jacob Maisonneuve – Bass
Josh Needham – Schlagzeug
Nick Wilberg – Piano

Tracklist

01. The Ancestor’s Path
02. Shattered Tomb
03. Somnos Aeternus
04. The Spectre
05. Autumn’s Herald... Interitus
06. A Realm Beyond
07. The Light Beyond The Sky (The Passage II)


„Beyond The Grasp Of Mortal Hands“ – ein Albumtitel, der genau die Sorte Epik prophezeit, die im Melodic Black Metal quasi zur musikalischen Grundausstattung gehört. Während jedoch einige Vertreter dieser Stilrichtung auf der Jagd nach dem einzig wahren Larger-Than-Life-Sound ein Kitschlevel erreichen, das sonst eigentlich nur den überschwänglichsten Power-Metal-Formationen vorbehalten ist, gelingt es ARCTOS auf ihrem besagten Debütalbum, ihre jenseitigen Textkonzepte überzeugend zu vertonen, ohne sich übertrieben aufzuplustern. Um Lo-Fi-Produktion und Dissonanzen machen die Kanadier auf ihrer ersten Platte zwar einen großen Bogen, um ihre schwarzmetallische Glaubwürdigkeit müssen ARCTOS wegen ihrer Melodieverliebtheit allerdings keineswegs bangen.

Was das schön anzusehende Artwork verspricht, halten ARCTOS auf „Beyond The Grasp Of Mortal Hands“ voll und ganz ein: Der Melodic Black Metal des 2014 gegründeten Quintetts wird wohl niemandem, der mit dem Genre halbwegs vertraut ist, eine neue Sicht auf die Stilrichtung eröffnen, ist jedoch in praktisch sämtlichen Aspekten hervorragend umgesetzt. Der manchmal durchaus charmante, oft aber doch eher peinliche Dilettantismus, der vielen Bands auf ihrem ersten Album noch in den Knochen steckt, fehlt hier komplett. In den bis zu zehn Minuten langen Tracks, die kombiniert eine Laufzeit von einer guten Dreiviertelstunde ergeben, stellen die Kanadier immer wieder ihr Talent in Sachen Songwriting unter Beweis.

Den Opener „The Ancestor‘s Path“ bauen ARCTOS äußerst stimmig mit verheißungsvollen Keyboards und Drums auf, später übernehmen die epischen Melo-Black-Riffs, die unheilvollen und doch verspielten Leadmelodien („Shattered Tomb“) sowie die kräftig-kernigen Screams und das furiose Schlagzeugspiel. Darauf ruhen sich die zu Recht schon jetzt bei einem bekannten Label untergekommenen Newcomer allerdings keineswegs aus, sondern wandeln ihren Grundsound von Song zu Song ab, ohne dabei die Konsistenz des Albums als Ganzes aufs Spiel zu setzen.

So musizieren ARCTOS im mit tragischen Keyboards unterlegten, von teils etwas plumpen Klaviertönen begleiteten „Somnos Aeternus“ in eher getragenem Tempo, im treibenden „Autumn‘s Herald… Interitus“ gibt es einen stimmungsvollen, beschwingten Clean-Gitarren-Part und die ominösen Piano- und Orgelarrangements auf „A Realm Beyond“ verleihen ebenjenem Track einen besonders sinistren Charakter. Dass die von ARCTOS erdachten Riffs vereinzelt auch mal ein wenig holprig daherkommen („Autumn‘s Herald… Interitus“) und die Produktion insbesondere bezüglich der Drums etwas mehr Tiefe vertragen hätte, ist angesichts der einfallsreichen und in großen Teilen sogar ziemlich eingängigen Songs kaum der Rede wert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Nachwuchsbands im Black-Metal-Bereich, die bloß möglichst brutal und düster klingen wollen, sodass man ihre Songs kaum auseinanderhalten kann, und solchen, die ihre Kompositionen maßlos mit Melodien vollstopfen, finden ARCTOS auf ihrem Einstiegswerk gerade den richtigen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen. „Beyond The Grasp Of Mortal Hands“ mag bezüglich Intensität oder Neuartigkeit nicht preisverdächtig sein, dafür prägen sich die Stücke über weite Strecken schnell ein, ziehen sich nie zu sehr in die Länge und drücken stets das gewollte Maß an Epik aus. Demnach präsentieren sich ARCTOS nicht bloß als vielversprechende Newcomer-Truppe, der man noch einige Fehler nachsehen muss, sondern als Band mit schon jetzt vorbehaltlos hörenswertem Output.

Bewertung: 8 / 10

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