Review Arthur Brown – Nature

  • Label: Prophecy
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Rock

Weltbekannt wurde Arthur Brown als „God Of Hellfire“ – basierend auf dem Song „Fire“, der 1968 als Chartstürmer beiderseits des Atlantiks für Furore sorgte. Die damals noch THE CRAZY WORLD OF ARTHUR BROWN benannte Band avancierte mit dieser Single von ihrem selbstbetitelten Debüt zu einem der bekanntesten Beispiele der Rubrik „One-Hit-Wonder“. Wennschon die Band bis heute aktiv ist, folgte kein weiterer, auch nur ansatzweise ähnlich erfolgreicher Release.

Es wäre aber grotesk, die Bedeutung von Arthur Brown für die Rockmusik an Charterfolgen zu messen. Schließlich reicht die Liste der Weltstars, die den Briten als prägenden Einfluss auf ihr eigenes Schaffen nennen, von Alice Cooper über David Bowie und Peter Gabriel bis Bruce Dickinson. Und selbst Ian Gillan sagte einst, Brown habe sein Leben verändert. Denn natürlich ließ sich ein echter Künstler wie Brown nicht durch Chart-Ergebnisse aufhalten. Und so ist Arthur Brown auch heute, fast 60 Jahre später, noch als Musiker aktiv – immer noch mit THE CRAZY WORLD OF ARTHUR BROWN, aber auch solo, als ARTHUR BROWN.

Unter diesem Namen erscheint nun „Nature“: Unterstützt von Multiinstrumentalist Dan Smith als festem Bestandteil der Band sowie Isaac McInnis als Studio-Keyborder und einigen Gastmusikern hat Brown ein Album erschaffen, das sein naturgegeben absehbar endliches Leben abrundet. Dieses hat ihn erst vor wenigen Jahren aus den USA zurück in seine Heimat England geführt, wo er – nur wenige Meilen vom Grab seiner Vorfahren, aber auch seiner Geburtsstadt Whitby entfernt, in der wilden Landschaft der North York Moors – über das Leben philosophiert hat.

„Nature“ ist dabei weit mehr als nur ein Titel, sondern zugleich Hinweis auf die Entstehung des Albums. Statt nur im Studio zu arbeiten, begann Brown, Geräusche aus der Natur aufzunehmen: das Rauschen von Wasser und Wind, das Knistern von Feuer und Schritten im Wald. Diese kombinierte Brown in Zusammenarbeit mit seinem Freund und Produzenten Isaac McInnis mit improvisierter Musik, ehe er diese zusammen mit weiteren Freunden, etwa dem Komponisten, Multiinstrumentalisten und musikalischen Weggefährten Dan Smith, zu fertigen Songs ausarbeitete.

Herausgekommen ist ein luftiges Album, nicht nur aufgrund der erwähnten Naturgeräusche. Vielmehr schweben die lässigen Gitarren und Keyboards wie Vöglein durch die Sommerluft, verbinden sich mit den Naturgeräuschen ebenso wie mit den beschwingten Percussion-Patterns. Was in der Beschreibung arg esoterisch klingen mag, hat in dieser Umsetzung erfreulich wenig Abgehobenes. Gerade der Minimalismus in der Instrumentierung ist – verglichen mit so manch überladen-verschwurbeltem Psychedelic-Rock-Album – geradezu befreiend und modern. „The Source“ etwa spielt mit Noise-Rock-Einflüssen, und „Open Hearts“ hat rein musikalisch deutliche Ambient-Vibes. Etwas mehr Tempo bringen „With A Tear“ und der einzige Vollblut-Rocksong „Bursting The Bubble“ in das Album.

Das könnte ein ziemlich wilder, unzusammenhängender Genremix klingen, wäre da nicht noch der Meister höchstpersönlich: Die großen vollen drei Oktaven Stimmumfang, für die Arthur Brown dereinst berühmt war, mögen es nicht mehr sein. Auch ganz allgemein schlägt er auf „Nature“ nur noch selten stimmliche Kapriolen zwischen den Tonlagen, etwa im erwähnten „Open Hearts“. Dann aber beeindruckt der mittlerweile 84-Jährige (!) nach wie vor mit einer nicht nur für sein Alter herausragenden Technik. Zumeist aber beschränkt sich Brown auf diesem Album jedoch auf deutlich unaufgeregtere Gesangslinien, die oftmals in Richtung theatralischer Erzählung tendieren. Warum auch nicht – zur feinfühligen Musik passt das hervorragend, und beweisen muss ein Arthur Brown wirklich nichts mehr.

Vermutlich ist es gerade das, was „Nature“ so herausragend macht. Vielleicht muss man, um sich so vollumfänglich von Erwartungshaltungen loszumachen, 84 Jahre alt werden. ARTHUR BROWNs „Nature“ jedenfalls ist das abgeklärteste, in sich ruhendste Rock-Album des Jahres geworden – und zugleich eines der spannendsten. Zumindest Ruhe strahlt zwar auch das Foto-Cover aus, Spannung hingegen weniger: Rein optisch wäre bei „Nature“ künstlerisch mehr drin gewesen – musikalisch jedoch kann sich dieses Album wirklich sehen lassen.

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Wertung: 9 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

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