CD-Review: Asphodelus - Stygian Dreams

  • Veröffentlichung: 2019
  • Label: Terror From Hell
  • Spielart: Doom Metal
Besetzung

J. Filppu – Gesang, Gitarre
J. Väyrynen – Gitarre
V. Kettunen – Schlagzeug

Tracklist

01. Les Océanides (Intro)
02. Lamentation Of The Lost Soul
03. Scent Of Venus
04. The Hourglass Infernal
05. Delusions Ad Astra
06. Stygian Dreaming
07. Sleep Of Eternity
08. Where Freezing Spirits Fall


Beinahe drei Dekaden ist es her, dass Paradise Lost, My Dying Bride und Anathema, die sogenannten „Peaceville-Three“, Gothic, Doom und Death Metal miteinander verschmolzen und damit einen neuartigen Stil mit einer ganz eigenen, markanten Ästhetik schufen. Über die Jahre hat sich der Death/Doom gewandelt, ist mit der Zeit gegangen und die Gründer selbst haben sich (zumindest zeitweise) neuen Musikrichtungen zugewandt. Obgleich nicht von der Hand zu weisen ist, dass Alben wie „Gothic“ oder „Turn Loose The Swans“ auch heute noch vielen Bands als Inspirationsquelle dienen, gibt es nur wenige, die deren in die Jahre gekommenen Sound unverändert übernehmen. All jenen, die diesen Umstand bedauern, kommen ASPHODELUS mit ihrem Debüt „Stygian Dreams“ nunmehr als gute Samariter entgegen.

Von dem geschmackvollen Artwork, das Gustave Dorés Gemälde „Les Océanides“ zeigt, über die oldschoolige Produktion bis hin zur Musik selbst fühlt sich einfach alles an dem Einstandsalbum des finnischen Trios wie eine Zeitreise in die frühen 90er Jahre an. Nach einem geheimniskrämerischen Keyboard-Intro, das Fans alter Cradle-Of-Filth-Platten in Verzückung versetzen dürfte, loten ASPHODELUS auf dem eigentlichen Opener „Lamentation Of The Lost Soul“ jeden Winkel der Gothic-/Doom-Trickkiste aus. Die ungeschlachten Growls, die energetischen Leadgitarren, die schmissigen Drums und die gleichermaßen kauzigen wie mystischen Keyboards, wie man sie schon auf Dimmu Borgirs „For All Tid“ gehört hat, verweisen unmissverständlich auf die Ursprünge der Stilrichtung.

Mit ihren verwässerten Gothic-Gitarren und ihrem verzerrt brummenden Bass zitieren ASPHODELUS sogar aus den frühen The-Cure-Alben. Dennoch klingt „Stygian Dreams“ nicht wie irgendeine x-beliebige Death/Doom-Platte – vielmehr wie eine ganz bestimmte: Tiamats „Astral Sleep“. Die stilistische Ähnlichkeit der beiden Alben ist wahrhaft bemerkenswert und reicht sogar bis zur leicht holprigen Performance an den Instrumenten und dem altmodischen, trockenen und dennoch kraftstrotzenden Sound. ASPHODELUS eines Mangels an eigenen Ideen zu bezichtigen, wäre gewiss kein unberechtigter Vorwurf – und doch ist es nur allzu verlockend, sich von den betörenden Keyboards („Scent Of Venus“) und den dynamischen Gitarrenmelodien („Sleep Of Eternity“), die die Finnen so gekonnt in Szene setzen, mitreißen zu lassen.

Was man ASPHODELUS allerdings selbst unter dem Einfluss der rosaroten Nostalgie-Brille vorhalten kann, ist, dass die Platte zum Ende hin ein wenig schwächelt – „Stygian Dreaming“ und das schleppende „Where Freezing Spirits Fall“ seien hier erwähnt – und dass sich die überwiegend schwungvollen Tracks nur geringfügig voneinander unterscheiden. Selbst für eine Band, die ihre Vorbilder so offen vor sich herträgt, probieren ASPHODELUS in puncto Songwriting nur wenig aus.

„Stygian Dreams“ ist in praktisch sämtlichen Aspekten ein Musik gewordener Anachronismus. Hier und heute ein solcherart ungenau eingespieltes und ungeschliffen produziertes Album zu veröffentlichen, würde vielen Bands wohl Hohn und Spott seitens der Fachpresse einbringen. ASPHODELUS gelingt es jedoch ziemlich gut, an den altmodischen Charme ihrer Idole anzuknüpfen, sodass man ihnen ihre kleinen Patzer nur zu gern als gewollten Teil ihrer 90er-Doom-Hommage durchgehen lässt. Folglich ist „Stygian Dreams“ zwar kein Release, den man unbedingt gehört haben muss, wohl aber eine unterhaltsame Platte, der man die Spielfreude der dahinterstehenden Musiker ganz deutlich anhört.

Bewertung: 7 / 10

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