Review As Autumn Calls – Cold, Black & Everlasting

  • Label: Naturmacht
  • Veröffentlicht: 2013
  • Spielart: Doom Metal

Warum hat Kanada eigentlich nicht eine ähnliche Düstermetalszene wie Skandinavien? Man schiebt es doch immer gerne auf die langen, kalten Winter in einsamen Gegenden, die immer wieder erfolgreiche Kapellen in Norwegen, Schweden und Finnland auftun. Ähnliche Standortvorteile hat Kanada schließlich auch vorzuweisen. Umso erstaunlicher, dass die Atmospheric-Deather AS AUTUMN CALLS aus einem eher urbanen Teil des Ahornblatt-Landes kommen.

Mit „Cold, Black & Everlasting“ legen sie ihre zweite reguläre Albumveröffentlichung vor, nachdem man sich wortwörtlich mit „An Autumn Departure“ auf den Weg gemacht hatte. Und sie nehmen ihre Sache ernst, so wird zum einen der Stil ziemlich gnadenlos durchgezogen, zum anderen macht man auch lyrisch keine halben Sachen. Und das Konzept geht ziemlich gut auf. Sieben mitunter überlange Songs münden in einer Spielzeit von 65 Minuten, die in aller Regel im (langsamen) Midtempo gehalten sind. Ganz selten gibt man mal richtig Gas, häufiger kommen da schon akustische Passagen. Mal agiert die Akustikgitarre, dann übernimmt ein verträumtes Piano. Federführend sind diese Instrumente nicht, aber sie sorgen für das rechte Maß an Abwechslung, welches bei einer so langen Spielzeit schon mal nötig werden kann.
Besonders hervorzuheben sind die zielsicheren Arrangements. Schaffen es viele Bands, eine ganze Anzahl passabler Riffs mit wenig inhaltlichem Zusammenhang aus dem Ärmel zu schütteln, so verbinden AS AUTUMN CALLS ihre Ideen zu einem durchstrukturierten Gesamtwerk. Seien es die angesprochenen Akustikparts, die nicht isoliert in der Gegend herumstehen, filigrane Solobegleitungen wie im stimmigen „Black Silent Night“ oder auch die harscheren Attacken. Dafür muss man an seinen Instrumenten schon fit sein und das sind die vier Kanadier, was „Cold, Black & Everlasting“ zu einem sehr angenehmen Hörerlebnis macht.
Eigentlich gibt es nur einen Kritikpunkt, der fällt allerdings tatsächlich etwas unangenehm ins Gewicht, weil ihm viel Raum beigemessen wird: Die cleanen Vocals sind einerseits recht dünn, gravierender sind allerdings die Schwächen in der Zielgenauigkeit, Gitarrist Andrew liegt hier und da doch gehörig neben der Spur. Da gefallen die Growls doch deutlich besser, auch wenn die Musik sich für klaren Gesang an ausgewählten Stellen durchaus eignet.

Mit „Cold, Black & Everlasting“ legen AS AUTUMN CALLS ein ambitioniertes, gut durcharrangiertes und musikalisch ziemlich hochwertiges Album vor. Perfekt für lange Winterabende oder im Bandbattle mit der Konkurrenz aus Nordeuropa. Eventuell täte man gut daran, sich einen neuen Sänger für die ruhigen Passagen zu suchen, Andrew spielt dann nur noch Gitarre, das kann er nämlich ziemlich gut. Eine stimmige Veröffentlichung mit kleinen Schönheitsfehlern.

Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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