CD-Review: Awake The Sun - The Barren Sleep

Besetzung

Nicola Coin – Gesang
Guilano Marzola – Gitarre
Matteo Frare – Gitarre
Francesco Gargan – Bass
Cristian Luise – Schlagzeug
Leonardo Castellani – Keyboards

Tracklist

01. Awake
02. No Sun
03. Snow Stained Heart
04. The Withering
05. Distant Calling
06. Empire
07. Hours
08. Redemption


Wenn sich die Musik einer Band nicht mit nur einem Genre beschreiben lässt, ist das normalerweise zumindest schon mal ein Indiz dafür, dass man etwas Kreatives vor sich hat. Unglücklicherweise beweisen AWAKE THE SUN mit ihrem Debüt „The Barren Sleep“, dass diese Vermutung sich auch als Trugschluss herausstellen kann. Die Italiener werden mit Dark, Progressive und Doom Metal assoziiert und hätten musikalisch betrachtet sogar einiges an Potential, verschenken es aber leider weitgehend. Doch was bedeutet das im Konkreten?

Fangen wir einfach mal mit dem aufdringlichsten und zugleich schwerwiegendsten Fehltritt des Albums an: dem Gesang. Dieser besteht bei AWAKE THE SUN zur Gänze aus weinerlichen Male-Clean-Vocals. Wir sprechen hierbei jedoch nicht von nachvollziehbarem Wehklagen wie zum Beispiel bei My Dying Bride, sondern vielmehr von nasalem Gejammer (besonders störend in „Snow Stained Heart“). Die Vocals wollen zu keinem Zeitpunkt wirklich gefallen, lediglich die hintergründigen, weiblichen Operngesänge in „The Withering“ und „Redemption“ bilden in diesem Punkt eine Ausnahme. Natürlich triefen die Texte nur so vor Depression, doch das eigentlich Frustrierende sind die fürchterlichen Formulierungen, die jedem die Haare zu Berge stehen lassen, der halbwegs Wert auf Ausdruck legt.
Demgegenüber ist die Instrumentalisierung gar nicht mal so übel, aber auch keinesfalls vor Kritik gefeit. Die Leadgitarren haben ein paar nette Melodien parat, die jedoch kaum jemals im Kopf bleiben, was unter Umständen daran liegt, dass sie die meiste Zeit über von den grobschlächtigen, breakdownartigen Rhythmusgitarren verdrängt werden. Auch die an sich nicht uninteressanten, futuristisch-eisigen Keyboards gehen dadurch oftmals unter, was umso bedauerlicher ist, da jene praktisch das Einzige sind, was der Musik von AWAKE THE SUN etwas Stimmung verleiht, so beispielsweise im Intro von „No Sun“.
Apropos Stimmung, davon gibt es hier leider auch nicht viel, obwohl sich die Band wirklich zu bemühen scheint, diese zu erzeugen. Stattdessen zieht die Platte eindruckslos am Hörer vorbei und nur der Gesang bleibt unfreiwillig im Gedächtnis hängen. Allenfalls „Distant Calling“, das den Metal kurz zugunsten von ruhigen Ambient-Klängen zurückfährt, und das mit epischen Keyboards garnierte „Redemption“ lassen die Hoffnung zu, dass AWAKE THE SUN aus ihren Fehlern lernen können, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist auch im Bezug auf die Produktion anzuraten, denn diese ist äußerst unausgegoren und steril. Von Song zu Song schwankt die Lautstärke der Instrumente, zwar nur geringfügig, aber doch merklich.

Aufgrund all dieser Mängel zieht sich die Dreiviertelstunde Spielzeit gefühlt sehr in die Länge. Ein paar gute Ansätze haben AWAKE THE SUN ja zu bieten, aber das unausgereifte Songwriting, die Produktion und die Vocals machen die meisten davon zunichte. Das vermögen selbst die Keyboards nicht mehr auszugleichen, denn auch in diesem Punkt gibt es genug Bands, die das besser können. Mit viel gutem Willen kann man AWAKE THE SUN beim etwaigen nächsten Release eine zweite Chance geben, auf „The Barren Sleep“ haben sie die erste jedenfalls ungenutzt gelassen.

Bewertung: 4 / 10

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