CD-Review: Bardspec - Hydrogen

  • Veröffentlichung: 2017
  • Label: By Norse
  • Spielart: Ambient
Besetzung

Ivar Bjørnson - Gitarre, Effekte
Steve Austin - Gitarre, Effekte

Tracklist

1. Intro_Deposition
2. Bone
3. Fire Tongue
4. Gamma
5. Salt
6. Teeth


Ivar Bjørnson ist mehr als nur der Gitarrist und beisteuernde Gesang bei Enslaved, der Norweger ist neben Einar Selvik (Wardruna) ebenso treibende Kraft hinter Skuggsjá und nun auch das alleinige Mastermind seines Ambient-Projektes BARDSPEC. Fernab des progressiven Viking-/Black-Metal-Gemischs seiner Hauptband und ebenso weit entfernt vom Neofolk-lastigen Nebenprojekt mit Selvik zeigt BARDSPEC eine Seite am Musiker Bjørnson, die nirgendwo anders zu Tage treten kann. Folgerichtig liegt mit „Hydrogen“ das Debüt eines Projektes vor, welches das realisieren soll, was in keine andere seiner aktuellen Bands passt und dennoch zu schade ist, um ungehört zu bleiben.

BARDSPEC ist neben Godflesh-Mitbegründer Justin K. Broadricks Projekt Jesu ein weiterer Beweis dafür, dass auch den Metal-Musikern ambiente Kompositionen durch den Kopf schweben, die nicht konträrer zu dem sein könnten, womit ihr Name vordergründing in Verbindung gebracht wird. Ist es bei Jesu die träumerische Melodik, die nicht nur Godflesh-Fans erstaunt, so ist es bei BARDSPEC eine fragile Klanglandschaft, die Bjørnson minimalistisch arrangiert.

Die sechs Tracks funktionieren in ihrer Summe, jedoch nicht als einzelne Teile, denn der Zauber von „Hydrogen“ entfaltet sich ausschließlich im Ganzen – und als solches ist BARDSPEC wohl auch zu verstehen, als eine Atmosphäre, nicht etwa als ein Hit-Produzent. Eine Atmosphäre, die sich auf knapp 55 Minuten Spielzeit erstreckt und es durchgängig schafft, irgendwie meditativ, mitunter hypnotisch, besonders aber einnehmend auf den Hörer zu wirken.

Seine geliebte Gitarre legt Bjørnson dabei nicht zur Seite, sondern schenkt ihr auch auf „Hydrogen“ genügend Raum zur Entfaltung. Im Gegensatz zur ihrer Verwendung bei Enslaved findet sie bei dem rein instrumentalen BARDSPEC ihren Platz als Stilmittel, welches die sich lang erstreckenden Melodie-Teppiche kreiert. Kein Riff, kein Akkord dröhnt aus der Gitarre, sondern ausschließlich Töne, die dem Elektronischen in den Songs noch mehr Tiefe verleihen. Ein wenig blitzt der Vergleich mit den modernen Ulver hervor, allerdings kann er sich nicht lange halten, da BARDSPEC reduzierter in der Komposition und nicht so fokussiert melodisch arbeiten, wie es die Herren um Garm tun.

Ivar Bjørnson, ein Musiker voller Überraschungen. Mit seinem Ambient-Projekt fügt er seinem musikalischen Schaffen eine Nuance hinzu, die den Überraschungsmoment völlig auf ihrer Seite hat. Verfliegt dieser, schaffen es BARDSPEC allerdings auf Anhieb, auch mit ihren verträumt-atmosphärischen Stücken für positive Verwunderung zu sorgen. Für vielseitig interessierte Hörer und Freunde des ambienten Flairs ist „Hydrogen“ eine fesselnde Entdeckung, der man schnell und lang verfällt.

Bewertung: 8 / 10

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