Review Bask – The Turning

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Heavy Metal

Auf ihrem letzten Album „III“ noch tief im Prog- und Post-Metal verankert, bietet der neue Output der aus North Carolina stammenden Grenzsprenger BASK kaum die Möglichkeit einer klaren stilistischen Einordnung. Was den warmen, folkigen Sound angeht, kann zumindest festgehalten werden, dass sich „The Turning“ wieder näher an den Wurzeln der BASK-Diskografie, hier zum Beispiel an „Ramble Beyond“, orientiert. Den Rahmen setzt ein Konzept um einen einsamen Wanderer, einen Suchenden. Ihn begleitet der Hörer durch eine psychedelische Sci-Fi-Westernkulisse.

Und noch bevor man diese Titulierung hat sacken lassen, erklären die ersten beiden Songs direkt den Kern der Sache. „Chasm“ als sphärisches Intro wirkt mit seinen lediglich anklingenden Instrumenten und einer ordentlichen Portion Delay fast dystopisch, während sich das nachfolgende „In The Heart Of The Dying Sun“ quasi fließend als verschroben-kautziger Rock-Track irgendwo zwischen Sludge, Stoner Rock und Bluegrass verortet. Der extrem vertrackte Einstieg von „The Traveler“ dürfte besonders Freunde von LEPROUS verzücken, während nach einem gedrungenen Marsch auf Hammond-Orgel und Bassläufen erst eine gewisse breitwandige Schwere kulminiert, ehe BASK den Weg zurück zur fast schon schwunghaften Progressive-Keule finden.

Das drängende wie schwere „The Cloth“ hingegen wird immer wieder durch geschickt eingesetzte Akzente am Banjo aufgelockert, offenbart jedoch erstmals auch die Heaviness, zu der BASK fähig sind. Dass die Band aber durchaus auch eingängig zu agieren weiß, belegt ein Song wie „Dig My Heels“, dessen schmissiger Groove in der Strophe auf einen leichtfüßigen Refrain trifft. Erstaunlich ist aber auch hier, mit welcher Selbstverständlichkeit BASK ruhige, traumhafte Momente neben eruptiven Riffwänden und kompositorischer Komplexität stattfinden lassen. Das macht „Dig My Heels“ definitiv zu einer der stärksten Nummern auf „The Turning“. Überhaupt zählt das geschickte Auspendeln von roher Wucht und träumerischen, atmosphärischen Arrangements zu den großen Stärken des neuen Albums.

Vor dem Albumcloser „The Turning“ steht mit „Long Lost Light“ noch das absolute Highlight der neuen BASK-Platte. „All of hy hope, it was false …“, heißt es da. Generell hat Sänger und Gitarrist Zeb Camp in diesem Song definitiv seinen Glanzmoment. Der Track ist wunderbar träumerisch und tragisch zugleich. Die Kulissen aus sanften Drums, seichter Mandoline, Pedal-Steel (Liegegitarre) und Cello laden zum Träumen wie zum Nachdenken gleichermaßen ein und machen auch deutlich, zu welcher immensen Tiefe BASK 2025 fähig sind. Die schleppenden, doomigen Rhythmusgitarren ab der zweiten Hälfte, begleitet von einer flirrenden Leadmelodie, erhöhen noch einmal die atmosphärische Dichte und erschaffen so ein Stück, das den Repeat-Button quasi unumgänglich werden lässt.

BASK erzählen auf „The Turning“ eine Geschichte von Verlust, der Suche nach Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit. Dieses lyrische Credo haben sie in ein abwechslungsreiches Soundgewand verpackt. Eruptive Kraft verschmilzt mit erdenden Harmonien, großen Build-ups und stilvollen Slow-downs. Zuletzt ist das neue Album von BASK nichts für Puristen und auch nichts für nebenbei. Es ist ein Werk für Entdecker, für Grenzsprenger und Cineasten. „The Turning“ verlangt Offenheit und Zeit. Ist man bereit dafür, dann kommt man an diesem Album unter keinen Umständen vorbei – und erlebt vielleicht eine kleine Offenbarung.

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Wertung: 9.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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