Oft liegen bei Newcomern Anspruch und Realität weit auseinander. Bei BELIEVE IN NOTHING ist das auch so – nur nicht so, wie man zunächst denken könnte. Denn wo andere Bands viel wollen, aber wenig können, wurden BELIEVE IN NOTHING 2023 als Nebenprojekt gegründet, um im DIY-Style zu musizieren – und das „Rot“ betitelte Debüt ist ein so formvollendeter Hassbrocken, wie ihn die Welt lange nicht gehört hat.
Dass die Band ihre erste Live-Show gespielt hat, ehe auch nur ein Song geschrieben war, indem sie sich einfach durch noisige Soundkulissen hindurch improvisiert hat, verrät schon viel über ihre Mentalität – dass BELIEVE IN TNOTHING anschließend einfach nicht mehr aufgehört haben und es bis Ende 2025 noch auf insgesamt knapp 40 Auftritte bringen werden, ebenfalls. Aber dann ist da eben noch dieses Debüt-Album, „Rot“.
Was mit zwei doomigen Tom-Schlägen und einem herrlich kratzigen Bass beginnt, wird schon im Laufe des ersten Songs „Complete Desolation“ zu einem beeindruckend kraftvollen, hässlichen Erlebnis: Mit der Eleganz einer Schlammlawine arbeitet sich der Song vehement in den Gehörgang vor – und begeistert doch durch Details und Zwischentöne: Zwischen maximal verzerrte Screams, noisige Sounds und schiebende Riffs bauen BELIEVE IN NOTHING immer wieder ruhige Passagen oder Stücke im Drone-Stil. Für zusätzliche Abwechslung sorgt, dass BELIEVE IN NOTHING gleich drei Gastsänger eingeladen haben, die den jeweiligen Songs ihre ganz eigene Note verleihen – etwa Jake Packham von BLACKGROOVE in „What Would You Do?“: Durch dessen Sprechgesangs-Passagen rückt das Stück atmosphärisch merklich in Richtung Post-Rock oder Screamo. Aber nicht nur deswegen erinnert „Rot“ auch deutlich stärker an ebendiese Genres als an klassischen Sludge: Die ganze Attitüde der Band wirkt weit dynamischer und aufgeschlossener, als man das in diesem Genre gewohnt ist.
So arbeiten sich BELIEVE IN NOTHING vorwärts wie ein Chamäleon: langsam, aber stetig, aufmerksam, aber stets in verschiedene Richtungen zugleich schielend, gleichförmig und doch der Stimmung angepasst. Denn darin liegt die größte Stärke des auch soundmäßig beeindruckend gut gelungenen Debüts: So unterschiedlich die insgesamt neun Tracks auch sein mögen, in denen BELIEVE IN NOTHING (alles andere als) munter zwischen Noise-Rock, Drone, Sludge, Post-Metal und was nicht sonst noch allem hin und her wechseln – am Ende erfüllt alles seinen Zweck, untermauert jeder Lärm und jede Ruhepause das packende Gesamterlebnis, das man nicht nur unbedingt zu Ende hören will, sondern in das man viel tiefer einzutauchen wünscht als mit ein, zwei oder drei Hördurchgängen möglich.
„Rot“ mag auf den ersten Blick wie ein beliebiges Grindcore-Album aussehen und auf den ersten Minuten wie beliebiger Sludge Metal klingen. Wer sich davon nicht täuschen lässt (und ein Faible für rohe, düstere, emotionale Musik hat), wird in diesem Meisterwerk, wenn nicht sein Glück, dann doch zumindest grandios vertontes Unglück finden. In einem Punkt also muss man BELIEVE IN NOTHING vehement widersprechen: An diese Band zu glauben lohnt sich definitiv!
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 9 / 10

