CD-Review: Bethlehem - A Sacrificial Offering To The Kingdom Of Heaven In A Cracked Dog's Ear

  • Veröffentlichung: 2009
  • Label: Katastrophy, Red Stream
  • Spielart: Black Metal
Besetzung

Niklas Kvarforth - Gesang
Olaf Eckhardt - Gitarre
Reuben Jordan - Gitarre
Jürgen Bartsch - Bass
Steve Wolz - Schlagzeug

Tracklist

01. Devilcrazy God Thirteen
02. Thou Shalt Kill Yourself03. Yesterday I Already Killed Myself Today
04. Dead White Marten
05. Through Stained Touch Of My Nemesis
06. Nexus
07. Lingering Fart (A Fart Standing Still)
08. As I Still Puked Caulerpa Taxifolia
09. Vargtimmen
10. Death Is Soft Stool...
11. Reflections On Dying


Fünf Jahre nach dem von den alten Fans kritisch gesehenen „Der Weg“ melden sich BETHLEHEM zurück. Mit einem Re-Release des wohl drogengeschwängertsten und (damit einhergehend) skurilsten Werke, die im deutschen Black Metal je die Dunkelheit der Welt erblickt haben, einer kleinen Legende, die auf den etwas sperrigen Titel „Sardonischer Untergang im Zeichen Irreligiöser Darbietung“, beziehungsweise den weitaus handlicheren Kosenamen „S.U.i.Z.i.D.“ hört. Auf die erste Frage („Warum?“) folgt sofort eine zweite: Kann das klappen?

Schließlich hat das Prinzip „überarbeiteter Re-Release“ ganz allgemein das Problem, dass sich zwei Fronten gegenüber stehen, die wohl nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden. Auf der einen Seite: Die alten Fans. Sie sind diejenigen, die ein Album zu einem Klassiker machen, weil sie es lieben, wie es ist. Je mehr das Werk mit den Jahren zu einem eben jener Klassiker wird, desto mehr haben die Fans der ersten Stunde ihn ins Herz geschlossen. So wie er ist. Mit all seinen Ecken und Kanten. Die jüngeren Fans hingengen verehren die etwas angestaubte Atmosphäre, das „Oldschoolige“, diesen Hauch von vergangenen Tagen – man stelle sich einmal vor, Metallica kämen mit einem neu eingespielten „Kill ‚em All“ mit neuem Cover und modernstem Sound daher. Die vier Reiter höchstversönlich würden sie wohl zum Teufel jagen damit. Auf der anderen Seite stehen die Musiker, die generell und im Allgemeinen sowieso nie mit dem zufrieden sind, was sie gemacht haben, es sei denn es ist das neueste Album, welches beworben werden muss – dann ist es selbstverständlich das Beste, was die Band je zu CD gebracht hat. Ganz besonders unzufrieden muss man aus Prinzip mit seinen legendären Werken sein. Man könnte an dieser Stelle fast Arroganz unterstellen, frei nach dem Prinzip: „Was? DAS findet ihr legendär? Wenn ihr wüsstet, wie genial das Album geworden wäre, hätten wir damals…“, wüsste man nicht besser um die Musikerseele, die mit dem eigenen Werk wohl nie zu 100% zufrieden ist, sich damit aber auch nie abfinden kann.

So kommt es regelmäßig dazu, dass Bands stolz ihren neuesten Geniestreich präsentieren: Das legendäre Vorzeigealbum der Band, „so, wie es immer schon klingen sollte“. Da hauen dann Dimmu Borgir ihr „Stormblåst“ komplett überarbeitet und nahezu jeglicher Atmosphäre beraubt auf den Markt oder es kommt zu Veröffentlichungen wie eben diesem hier: „A Sacrificial Offering To The Kingdom Of Heaven In A Cracked Dog’s Ear“.

Nun, was ist neu an dieser Version? Angeblich eine ganze Menge. Neben dem neuen Titel, der nur unwesentlich leichter über die Lippen geht als der ursprüngliche, sollte wohl der Gesang die größte Überraschung werden. Schließlich konnte man hierfür den verrückten Schweden Niklas Kvarforth (Shining, Den Saakaldte) gewinnen.

Wenn man aber ehrlich ist, liegt genau hier das Problem – resultierte ein großer Teil der Atmosphäre des Albums in seiner originalen Form aus den kranken, überaus konfusen Texten in deutscher Sprache. Sicherlich, die Übersetzungen mögen gut sein – vielleicht auch nicht, wer mag das schon zu beurteilen bei Texten, die vermutlich ausnahmslos in absoluter geistiger Umnachtung entstanden. Aber es macht einfach weniger her, wenn man, wie auf jeder x-beliebigen anderen CD bloß englisches Geröchel hört, statt sich an Phrasen wie „Aus einer wässrigen Andacht in dreifacher Hinsicht erwacht, verleiht Apfelsaft dem absonderlichen Grauen eine seltsam schreiende Erblast“ erfreuen zu können. Allein die Songtitel bereiten hier Schmerzen: Einen Titel wie „Gestern starb ich schon heute“ durch ein plumpes „Yesterday I Already Killed Myself Today“ zu ersetzen, was eher nach Englisch-Schulaufgabe, 9. Klasse, als nach einem schwungvollen Liednamen klingt, ist eigentlich mehr als ein Fauxpas. Hätten BETHLEHEM hier wenigstens Schwedisch gewählt, so hätte es zumindest für den Leien noch gut geklungen.

Auch wenn Niklas am Mikrophon ganze Arbeit leistet, ist die Abwartigkeit und Einzigartigkeit der Gesangsvielfalt auf dem Original nurnoch ansatzweise nachvollziehbar – allein, dass der vollkommen abstruse Monolog der Dame zu Beginn von „Teufelverruckt Gottdreizehn“ in der “ Devilcrazy God Thirteen“-Version einfach weggelassen wurde, ist bezeichnend: Sind es doch genau diese Parts, die dem Album im Original seinen einzigartigen Charme verleihen.

Doch auch in musikalischer Hinsicht ist der Rerelease mehr als fragwürdig: War der Sound von „S.U.i.Z.i.D.“ nicht der brachialste, hätte man hier – die Frage nach der Notwendigkeit ausgeklammert – zumindest rein technisch gesehen etwas verbessern können. Aber ganz gewiss nicht so. Das Resultat der Neubearbeitung ist nämlich lediglich, dass das Material nicht mehr trocken und dünn, dafür schlicht und ergreifend matschig klingt – ein schlechter Tausch.

„A Sacrificial Offering To The Kingdom Of Heaven In A Cracked Dog’s Ear“ wäre kein schlechtes Album, wäre es das Erstlingswerk einer Black Metal-Band aus den 90ern. Ist es aber nicht. Es ist das Werk einer 15 Jahre alten Band, die seit „Schatten aus der Alexanderwelt“ dem Black Metal im klassischen Sinne entsagt hatte. Und von der man eigentlich soviel Feingefühl erwartet hätte, selbst zu merken, dass sie weder sich selbst, noch ihrembekanntesten Album mit diesem kläglich gescheiterten Versuch eines Rereleases einen Gefallen tun.

Am Ende bleibt nur Unverständnis, dass BETHLEHEM nicht selbst noch rechtzeitig erkannt haben, dass diese CD nurnoch ein kläglicher Abklatsch dessen ist, was man mit Fug und Recht als eine der beeindruckendesten Platten des Suicidal Black Metal bezeichnen kann. Und die Frage, was sie sich von dieser Aktion versprechen. Wer noch nicht im Besitz des Original-Materials ist, sollte tunlichst zusehen, sich dieses zu beschaffen – noch gibt es ja auch „S.U.i.Z.i.D“ käuflich zu erwerben. Wer diese Scheibe schon sein eigen nennt, kann guten Gewissens auf die Anschaffung dieses Relreases verzichten – wurde hier leider in keiner Hinsicht eine Verbesserung erzielt.

Keine Wertung

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