CD-Review: Beyond Creation - Algorythm

Oktober 2018

Besetzung

Simon Girard - Gesang, Gitarre
Kévin Chartré - Gitarre
Hugo Doyon-Karout - Bass
Philippe Boucher - Schlagzeug

Gastmusiker:
Youri Raymond - Gesang (Track 8)

Sessionmusiker:
Louis-Pier Racicot - Violine (Track 1, 6 & 10)
Olivier Caron - Cello (Track 1, 6 & 10)
Louis-Philippe Beauchamp - Horn (Track 1, 6 & 10)

Tracklist

01. Disenthrall
02. Entre Suffrage Et Mirage
03. Surface's Echoes
04. Ethereal Kingdom
05. Algorythm
06. À Travers Le Temps Et L'oubli
07. In Adversity
08. The Inversion
09. Binomial Structures
10. The Afterlife


Wer dieses Jahr schon Obscuras neues Album „Diluvium“ kaum erwarten konnte, hat nun einen zusätzlichen Anlass zur Freude bekommen. Denn dem Nischenbereich „Technical Death Metal mit Fretless Bass“ fügen auch die Kanadier BEYOND CREATION ein weiteres Album hinzu. „Algorythm“ heißt das dritte Werk, das das Quartett erneut via Season Of Mist in die Welt entsendet.

Wesentlich gelungener als der semiclevere Wortwitz des Albumtitels ist glücklicherweise die Musik, die genau da anknüpft, wo der Vorgänger „Earthborn Evolution“ aufhörte. Erneut präsentieren BEYOND CREATION ihren progressiven Technical Death Metal, der stets songfokussiert bleibt, statt sich in leider nicht Genre-unüblicher Fähigkeitsangeberei zu verlieren. Das gelingt den vier Musikern auf „Algorythm“ tatsächlich noch mal ein Stück besser als ihren Kollegen von Obscura auf deren neuen Platte.

Songs wie „Surface’s Echoes“ oder „In Adversity“ erinnern mit ihren flotten, fetzigen Riffs bisweilen an Bands wie The Black Dahlia Murder. Gemächliches, atmosphärisches Spiel wie in „Ethereal Kingdom“ hätte dagegen teilweise auch von den letzten beiden Gojira-Alben stammen können. Egal ob filigraner Death Metal wie in „The Inversion“ oder gefühlvoller Ausdruck wie im Instrumentalstück „Binomial Structures“: BEYOND CREATION schaffen in ihren Kompositionen mühelos den Spagat zwischen anspruchsvoller – und damit auch anstrengender – Musik und angenehmen Passagen zum Abschalten und Fallenlassen.

Die Produktion kommt noch mal ein ganzes Stück weniger aggressiv und dafür smoother daher als bei ihren ersten beiden Alben. Damit hat die Band ihren Sound weiter der Unterstützung des Fretless Basses angenähert, der in ihrem Klangbild schon immer eine große Rolle spielte. Während auf besagten Vorgängern Dominic Lapointes Bassspiel weit in der Vordergrund gerückt wurde, sodass er oft die Gitarren ins Abseits verwies, fügen sich Hugo Doyon-Karouts Melodielinien noch mal ein Stück ausgeglichener und weniger aufmerksamkeitssuchend in den Gesamtsound ein. Was natürlich nicht bedeutet, dass er nicht auch seine Momente zum Glänzen bekommt. Allein die wundervoll melancholische Melodie am Ende von „Entre Suffrage Et Mirage“ sowie seine Soli im Titeltrack und dem fantastischen Schlusssong „The Afterlife“ beweisen, dass sein Spiel dem seines Vorgängers und dem seines Obscura-Kollegen Linus Klausenitzer in nichts nachsteht.

Was man leider auch auf „Algorythm“ vergeblich sucht, sind wirklich herausragende Hits. Das Bestreben der Band, sich Eingängigkeit oder geradlinigen Songstrukturen zu verschließen, führt natürlich zwangsläufig dazu, dass das Album als Gesamtkonstrukt konzipiert ist statt als Sammlung einzelner Songs. Und als solches gibt es natürlich auch Schwankungen in der Spannungskurve, die zwangsläufig mit der Aufmerksamkeitskurve des Zuhörers korreliert. Dass Simon Girards Gesangsmetren, zumindest im Englischen, vollkommen unnatürlich und willkürlich konstruiert wirken, statt sich dem natürlichen Fluss der Sprache zu fügen, kommt dem natürlich nicht gerade zugute.

Trotz dieser Kritikpunkte stellt „Algorythm“ aber ein äußerst starkes Album im Bereich des technischen Death Metals dar, das Fans dieses Genres überwiegend zusagen dürfte. Als Alleinstellungsmerkmal lässt sich natürlich der prominent platzierte Fretless Bass nicht bezeichnen. Nachdem Obscura exakt das gleiche Stilmittel verwenden, könnte man BEYOND CREATION zwangsläufig den Vorwurf der billigen Imitation machen. Dass sie sich in Sachen Songwriting aber mindestens auf dem gleichen Niveau befinden, dürfte diesen aber schnell entkräftigen. Man sollte beziehungsweise muss „Algorythm“, wie auch schon seine zwei Vorgänger, als Genre-Ergänzung statt als Kopie verstehen.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: