CD-Review: Beyond Man - Beyond Man

Besetzung

W. – Gesang, Bass
E. – Gitarre
A. – Gitarre
S. – Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Helel Ben Sahar
03. Art Beyond Man
04. World Without End
05. Ave Usera
06. The World Encircler


Beyond Man - Cover Artwork

Norwegen gilt als die Wiege des Black Metal. Doch wenn man ehrlich ist, haben längst andere Länder das Szene-Szepter übernommen: Von einigen nicht totzukriegenden Bands aus den ’90er-Jahren abgesehen kam aus Skandinavien zuletzt nur noch wenig Neues, Hörenswertes nach. Aus ganz Skandinavien? Nein! Im bislang eher als Studentenstadt denn als Black-Metal-Hochburg bekannten Trondheim entwickelte sich in den letzten Jahren eine so vitale Szene, dass sich dafür eine eigene Bezeichnung etabliert hat: Nidrosian Black Metal, nach dem ursprünglichen Namen für Trondheim, Nidaros.

Die Szene ist so klein wie produktiv, sodass zwischen nahezu allen Bands – zu den bekanntesten zählen Darvaza, Mare, Vemod, Celestial Bloodshed und One Tail, One Head – multiple personelle Überschneidungen bestehen. Eine Schlüsselfigur der Szene ist W. alias Wraath alias Björn alias Luctus, der in wechselnder Funktion (als Sänger, Gitarrist oder Bassist) bei Ritual Death, Mare, Behexen, Darvaza, Fides Inversa und Dark Sonority mitwirkt. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger von Mare und ehemals auch One Tail, One Head, S. alias Øyvind Sundli, hat er mit BEYOND MAN nun eine weitere Band an den Start gebracht.

Wie die anderen erwähnten Formationen widmen sich auch BEYOND MAN auf ihrem selbstbetitelten Debüt einer sehr rohen, ursprünglichen Form des Black Metal: Durchgeschrammelte Gitarren, Highspeed-Drumming und verzweifelte Schreie sind die Trademarks. Dabei klingen BEYOND MAN nicht ganz so räudig wie Darvaza, nicht ganz so majestätisch wie Mare und nicht ganz so groovy wie One Tail, One Head. In diesem Fehlen „besonderer“ Attribute liegt jedoch nicht etwa die Schwäche, sondern die Stärke von „Beyond Man“: Das Album transportiert die Essenz des norwegischen Black Metal – ohne diesen progressiv zu verwässern, aber auch ohne sich mit einem Zuviel an Trueness lächerlich zu machen. Außerhalb des Nidrosian Black Metal ist das schon länger keiner Band mehr so gut gelungen. Dass sich BEYOND MAN (wie fast alle Bands aus diesem Dunstkreis) auf nur gut 30 Minuten Spielzeit beschränken, ist trotzdem sinnvoll: Mit dieser halben Stunde ist dann nämlich (vorerst) auch alles gesagt. Bei der Produktivität von W. muss man wohl eh nicht lange auf neue Musik warten: Spätestens im Winter 2021 erscheint über Terratur Possessions das neue Darvaza-Album „Ascending Into Perdition“.

Dass mit One Tail, One Head ausgerechnet die vielversprechendste Band aus dem Nidrosian Black Metal direkt nach dem Debüt aufgelöst wurde, war ein herber Dämpfer – doch mit Bands wie BEYOND MAN hat die Trondheimer Szene noch einige spitze Pfeile im Köcher. So ist „Beyond Man“ vielleicht nicht das abwechslungsreichste oder innovativste Album, das der Black Metal 2021 hervorgebracht hat – mit Sicherheit aber eines der authentischsten.

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Bewertung: 8 / 10

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