CD-Review: Blaze Of Sorrow - Astri

Besetzung

Peter – Gesang, Gitarre, Bass, Synthesizer, Akkordeon
N – Schlagzeug

Tracklist

01. Neromanto
02. Oracolo
03. Andromeda
04. Emptio
05. Il Ballo Silvestre
06. Anamnesi
07. Io, Nessuno
08. Bruma


Aus den Tiefen der italienischen Wälder erhebt eine weitere Black-Metal-Gruppe Anspruch auf die Aufmerksamkeit der Metal-Gemeinde: Im zehnten Jahr ihres Bestehens veröffentlichen die Folk-Schwarzmetaller BLAZE OF SORROW nämlich ihr mittlerweile fünftes Album „Astri“ erstmals über Eisenwald Tonschmiede. Der Ruf des Duos nach offenen Ohren hat jedenfalls definitiv seine Berechtigung, denn auch wenn die vom Label behaupteten, stilistischen Vergleiche mit Szene-Ikonen wie Agalloch oder Katatonia ins Leere gehen, so haben die Songs der beiden Italiener doch einen ganz eigenen Charme abseits der Genrenorm – bedauerlicherweise nicht ganz ohne Makel. Wer sich Black Metal ohne Satanismus und Düsternis nicht vorstellen kann, braucht gar nicht erst reinzuhören, denn bei BLAZE OF SORROW weht ein ganz anderer Wind.

Die Stilmittel sind natürlich mehr oder weniger dieselben: Kräftige Screams gehören bei BLAZE OF SORROW ebenso zum guten Ton wie energiegeladene Tremolo-Riffs und stürmische Double-Bass- und Blast-Beat-Salven. Von der Einfallslosigkeit einer x-beliebigen Darkthrone-Cover-Band sind BLAZE OF SORROWS jedoch meilenweit entfernt, denn wie bereits erwähnt, geht es ihnen offenkundig nicht einfach nur darum, möglichst grimmig oder Lo-Fi zu klingen. Stattdessen wirkt das Gitarrenspiel auf „Astri“ vielmehr motiviert und kämpferisch („Andromeda“), das Drumming eher enthemmt als brutal. Hin und wieder wagen sich BLAZE OF SORROW sogar in rockige Gefilde vor und schöne Leadmelodien sind ebenfalls keine Seltenheit, beides findet man gleich im über sieben Minuten langen Opener „Neromanto“.
Auch die Folk-Elemente sind nicht zu vernachlässigen, sie beschränken sich bei weitem nicht nur auf das elegante, beschwingte Zwischenspiel „Il Ballo Silvestre“, in dem verspielte Akustik- und Clean-Gitarren, Keyboards und in weiterer Folge sogar Blasts einen eigentümlichen Reigen vollführen. Insbesondere die Keyboards offenbaren jedoch die Kehrseite der Kreativität, die bei BLAZE OF SORROW keine Grenzen zu kennen scheint. Denn manchmal geht die Fantasie mit den beiden Musikern durch, sodass etwa die spacigen Klänge auf „Andromeda“ im natürlichen, mystischen Kontext der sonstigen Instrumentalisierung etwas unpassend erscheinen.
Generell wirkt das Songwriting zuweilen grobschlächtig und sprunghaft, wodurch es einfach zu viele Missing-Links zwischen den vielen an sich interessanten Einfällen gibt. Störend ist ebenfalls, dass man immer wieder das Gefühl bekommt, dass die Tracks schlampig eingespielt wurden, was bei dieser Art von Musik zwar nicht allzu gravierend ist, aber im konkreten Fall doch etwas den Hörgenuss trübt.

BLAZE OF SORROW mögen auf ihrer fünften Platte immer noch nicht alles richtig machen – den Ideen fehlt es am verbindenden roten Faden, die Instrumentalisierung klingt unsauber –, doch letztlich ist „Astri“ eine durchaus spannende Angelegenheit. Wer über die erwähnten Schwachpunkte hinwegsehen kann, ist damit sicherlich besser beraten als mit dem Gros der schwarzmetallischen Underground-Veröffentlichungen. „Astri“ bietet einige coole Melodien, eine starke Produktion und (manchmal zu) viel Abwechslung und wird damit bestimmt vielen aufgeschlossenen Hörern Freude bereiten.

Bewertung: 6.5 / 10

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