Review Boötes Void – Panta Rhei

  • Label: Vendetta
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Panta Rhei – alles ist im Fluss. Subjektiv mag vieles um uns herum ewig gleich bleiben. Aber nach dem Prinzip von Heraklit ist, was sich im Fluss befindet, immer im Wandel. Mit jeder Sekunde verändert es sich. Dieses philosophische Fundament setzen die Würzburger Black Metaller von BOÖTES VOID in das Zentrum ihrer Kreativität. Deren neues Album „Panta Rhei“ verfolgt musikalisch genau diesen Weg, jedoch auf sehr subtile Weise.

Denn der Opener „Crown Of Vermin“ ist zuerst und im besten Sinne ein wuchtiges Stück atmosphärischen Black Metals. Hallende Gitarren zu Beginn sind ein guter Stimmungsöffner für die rasenden Drums von Otis und die flirrenden, gewaltvollen Gitarrenarrangements von Corvus und Draktar. Hin und wieder werden die Strukturen des Titels durch lockere Midtempo-Parts aufgelockert. Ein wenig muten BOÖTES VOID hier an wie eine rohe Mischung aus HERETOIR und DER WEG EINER FREIHEIT. Das folgende „Shapers Of The End“ legt dann in Sachen Aggression sogar noch einmal nach.

Das ist überhaupt etwas, Aggression, das schnell repetitiv werden kann. Aber BOÖTES VOID wissen, ihr ungestümes Wesen bestens mit stilvollen Melodien und Wendigkeit auszustatten, wie beispielsweise auf „Nihil“ umgesetzt. Das Stück wälzt sich unermüdlich in den Gehörgang und ist mit fiesen Melodielinien gespickt. Abseits von Boötes eher an Growls orientiertem Gesang entsteht so ein beispielhafter Song für modernen Black Metal. Demgegenüber gibt sich „Lost In Oblivion“ zuerst ruhig und bedächtig mit einer gewissen Tragik, bevor es sich in einen mitreißenden Sog aus dichten Riffs, furiosen Drums und sanften Melodien verwandelt.

Da haben wir sie, die kleine Entwicklung des Heraklit. Schönheit schließt Brachialität genauso wenig aus, wie sich beide Seiten zwangsläufig bedingen müssen. Sie können innerhalb derselben Sache nebeneinander existieren. Wie gut dieses (Un-)gleichgewicht harmonieren kann, zeigt sich auch auf „Nebula“, wo tragische Melodien auf ungezügelte Wut treffen. Der Titeltrack „Panta Rhei“ zieht durch seinen zu Beginn schmissigen Charakter die Dynamik noch einmal in eine andere Richtung und bringt zugleich angenehme PANZERFAUST-Vibes ins Spiel. Was hier auffällt: die beinahe ausschließlich düsteren Leads vom Beginn des Albums gewinnen hier nuanciert an Hoffnung und Schönheit dazu, und das ergibt vor dem Schlusspfiff auch absolut Sinn.

Denn „Requiem“, ein Stück, das gänzlich ohne Gitarren, Drums und fiesen Gesang auskommt, profitiert von sphärischen Keyboard- und Ambient-Arrangements, die in ihrem Kern tatsächlich eine kleine Hoffnung transportieren. Was also anfangs ungemein düster und pessimistisch beginnt, kann am Ende, trotzdem es im Kern die gleiche Sache bleibt, hoffnungsvoll zu Ende gehen.

Gemessen am Konzept von „Panta Rhei“ oder besser dessen Definition ist dieses Album absolut gelungen. Denn auch wenn BOÖTES VOID ihrem kraftvollen, leicht postigen Black Metal treu bleiben, so passiert auf diesen acht Titeln doch sehr viel. Man lauscht hier ein und demselben Fundament. Und doch fühlt man zu Beginn von „Panta Rhei“ etwas völlig anderes als an dessen Ende. Die subtile Verwandlung im scheinbar Gleichen, das ist nicht nur die Agenda dieser Tage für die Band aus Würzburg. Es ist die Essenz dessen, was Black Metal heute ausmachen kann.

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Wertung: 8 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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