CD-Review: Bouncing Betty - Pull The Plug (EP)

  • Veröffentlichung: 2017
  • Label: Rockaine
  • Spielart: Rock
Besetzung

Stephan Zuber – Gesang
Tonio Marcigliano – Gitarre, Gesang
Luc Gebhardt – Gitarre
Mirko Höch – Bass, Gesang
Kira Kyoto – Schlagzeug

Tracklist

01. B.B.I.T.
02. Fallen Angel
03. Why


Eine deutsche Springmine aus den 1930er Jahren  – darauf stößt man zuerst, wenn man im Internet nach BOUNCING BETTY sucht. Denn genau jenen zynischen Spitznamen gaben amerikanische Soldaten der tödlichen Explosionswaffe während des Zweiten Weltkriegs. Weniger gefährlich, dafür in anderer Hinsicht explosiv sind BOUNCING BETTY aus Stuttgart. Die Rocker haben sich 2014 gegründet und geben nun mit der EP „Pull The Plug“ ein erstes, schlagkräftiges Lebenszeichen aus dem Studio von sich.

In den drei Nummern, die es auf den Silberling geschafft haben, zockt das Quintett energetischen, geradlinigen Rock, der sich leicht in den Gehörgängen festsetzt. Der Gitarrensound ist bratig und laut, letzteres allerdings in erster Linie, weil die Produktion zwar transparent, allerdings offenbar auch an den Rand der Verzerrung komprimiert wurde. Schade, ein etwas organischerer, dynamischerer Sound hätte gerade bei dieser musikalischen Ausrichtung den Songs gut zu Gesicht gestanden.

Über jene lässt sich sagen: Mit „B.B.I.T“ (kurz für „Biggest Bitch In Town“) steigen die Jungs unvermittelt ein, finden in den zwei Minuten des knackigen Openers aber auch noch Zeit für ein zackiges Gitarrensolo. An Stellen wie dieser merkt man, dass trotz rotziger Ausrichtung unterm Strich mehr Hard als Punk Rock in „Pull The Plug“ steckt – und dass die Herrschaften mit ihren Instrumenten umzugehen wissen. Zudem sorgen die Süddeutschen mit mehrstimmigem Gesang, kompakten Songstrukturen und simplen, aber effektiven Gitarren-Leads für eine gewisse Eingängigkeit, die den Hörer bei Laune halten (was bei einer Spielzeit von rund zehn Minuten aber zugegebenermaßen auch kein Hexenwerk ist). Nicht selten fühlt man sich an die Backyard Babies, Psychopunch oder die V8 Wankers mit größerer Radiotauglichkeit erinnert. Den stärksten Song haben BOUNCING BETTY an die letzte Position nach dem flotten, mittleren Track „Fallen Angel“ gesetzt: „Why“ überzeugt mit starkem, leicht poppigen Refrain und einem Break im zweiten Drittel des Songs, der sich langsam zum Finale steigert.

Am Ende des Tages spielen BOUNCING BETTY auf ihrer ersten EP eingängigen, ohrwurmverdächtigen Rock, der trotz nicht optimalem Sound Freude beim Hören macht. Das hat man so auch schon an anderer Stelle vorgesetzt bekommen (siehe nicht zuletzt obige Bands), aber als die Neuerfinder des Rades wollen sich die Stuttgarter mit „Pull The Plug“ sicherlich nicht verstanden wissen – sondern vielmehr als fünf Männer, die Bock auf Rock und Spaß an der Sache haben. In diesem Sinne kann man ihnen nur wünschen, dass ihr Full-Length-Debüt schneller fertig wird als ihr Hauptbahnhof.

Keine Wertung

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