Review Boy Witch – Boy Witch

  • Label: Green Man
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Rock

Psychedelic- bzw. Stoner-Rock aus Berlin galt eine Zeit lang fast schon als Qualitätsmerkmal. KADAVAR, LUCIFER, WEDGE, ROTOR, SAMAVAYO die Liste an hochkarätigen Bands aus der Hauptstadt ist lang. Aber so wie der Hype um den Retro-Sound abgeflaut ist, so wenig spannende Neuentdeckungen gab es in letzter Zeit. Felix Rörig alias BOY WITCH möchte das mit seinem selbstbetitelten Debüt ändern und verspricht eine hypnotische Mischung aus Stoner, Psychedelic und Synthies. Entstanden ist die Scheibe nahezu komplett im Alleingang, lediglich für das Schlagzeug wurde Gidon Carmel engagiert.

Für „Boy Witch“ braucht man aber vor allem eins: Geduld. Oder passend zum Genre psychedelische Substanzen. Denn erst nachdem der vierte Track gut eine Minute gelaufen ist, passiert zum ersten Mal wirklich etwas. Davor plätschern „Bad Tape“, „Ghost“ und „One Space“ monoton vor sich hin und könnten auch einen überlangen Song bilden. Rörig folgt dabei immer dem gleichen Konzept: Die Songs sind smooth, melancholisch, unaufgeregt und über perlenden Riffs legen sich immer wieder düster-poppige Synthies. Nur leider trägt dieses Konzept nicht ein ganzes Album lang, wenn sonst nichts passiert, keine Ecken und Kanten da sind, nichts die Monotonie durchbricht.

Die Ausbrecher aus dieser Formel hat BOY WITCH alle hintereinander in die Mitte des Albums gepackt, was für den Flow nicht gerade förderlich ist. Dennoch sind „Echolalia“, „Places“ und „Spheres“ die Lichtblicke auf „Boy Witch“. „Echolalia“ etwa spielt gekonnt mit der Laut-Leise-Dynamik aus sphärischen Strophen und einem eruptiven Refrain, während „Spheres“ von dissonanten Riffs und hektischem Drumming in ein verträumtes Outro mündet. Auch gesanglich zeigt BOY WITCH hier mehr Varianz, als das ansonsten dominierende verhallte Säuseln.

Nein, BOY WITCH ist nicht das nächste große Ding aus Berlin. Dafür rangieren zu viele der Songs auf dem Debüt im Bereich der belanglosen Hintergrundmusik. Wo DARK BUDDHA RISING oder MY SLEEPING KARMA aus Monotonie und Langsamkeit Magie erschaffen, verliert sich BOY WITCH in profaner Wiederholung. Ein paar gute Momente gibt es und vielleicht schafft es der Musiker, diese als Blaupause für weitere Alben zu nutzen.

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Wertung: 5 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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