CD-Review: Bullhead - Tough Luck

Besetzung

Stefan Strauch - Gesang, Gitarre
Hanjo Poe - Gitarre
Cryin Stevie - Bass
Tomáš Marks - Schlagzeug

Tracklist

01. Burned Out
02. Believe In Me
03. Needles & Pills
04. The Rust
05. Break The Rules
06. Tomorrow
07. Torn Inside
08. Destination Nowhere
09. Throwing Stones
10. Something
11. The Truth
12. Parasite
13. Train


„A Lot Of Toys… Senseless Communication Everywhere…“ Tagtäglich sind wir der Reizüberflutung einer übertechnisierten Welt ausgesetzt und manchmal sind drei Akkorde und vielleicht noch ein Bier genug, um sich davon eine Auszeit zu verschaffen. BULLHEAD sind angetreten, diese Auszeiten mit Musik zu füllen – und mit einem Hauch von Nostalgie; Erinnerungen an eine Zeit, in der es noch keine Smartphones gab und Festnetztelefonnummern (ohne Ortsvorwahl) aus vier Ziffern bestehen konnten.

„Tough Luck“ ist BULLHEADS erster Longplayer, allerdings hat die Band seit 2016 zwei EPs in Eigenregie produziert und veröffentlicht. Im Sommer 2015 in Olching bei München gegründet, hat sich das Quartett einer durchaus unterhaltsamen Mischung aus Punkrock und Grunge verschrieben. Nun steht man beim kleinen Indielabel Boersma-Records unter Vertrag, von der DIY-Attitüde ist aber nichts verloren gegangen: In klassischer Punkrock-Manier wurden große Teile des Albums im heimischen Keller aufgenommen und Sänger und Gitarrist Stefan Strauch hat gleich mal seinen Nachwuchs die Backing-Vocals mitgröhlen lassen. Eine echte generationenübergreifende Zusammenarbeit, nix mit „Punk Is Dead“ oder so.

Musikalisch bedienen BULLHEAD die komplette Bandbreite aus den zuvor genannten Musikrichtungen – garniert mit schönen Alternative-Rock-Momenten. Innovativ ist das sicher nicht, macht aber trotzdem Spaß, da die Attitüde stimmt und sich unter den 13 Songs von „Tough Luck“ ein paar echte Perlen und Ohrwürmer befinden: „The Rust“ weckt durch die effektbeladenen Gitarren, die düstere Strophe und die eine oder andere Gesangsharmonie Erinnerungen an die legendäre Seattle-Band Alice In Chains, während „Torn Inside“ mit einem großartigen Ohrwurmchorus zu überzeugen weiß. „Break The Rules“ ist dahingehend erwähnenswert, dass der Song eine äußerst offensichtliche Verbeugung vor Nirvana ist: Die rhythmische Struktur und die erste halbe Minute des Arrangements erinnern schon sehr an „Smells Like Teen Spirit“ – was soll’s, die Grunge-Götter haben „Come As You Are“ schließlich auch von Killing Joke geklaut.

Textlich gibt man sich genre-typisch mal persönlich, mal politisch oder gesellschaftskritisch. Titel wie „Throwing Stones“ oder „Needles & Pills“ sprechen dabei für sich. Tempomäßig treten BULLHEAD auf ihrem Albumdebüt die meiste Zeit aufs Gas und lassen mit energetischen Songs wie „Tomorrow“ die Live-Qualitäten der Band erahnen, die in den letzten Jahren ziemlich viel Zeit auf Bühnen in Deutschland, Österreich und Tschechien verbracht hat – BULLHEAD sehen sich primär als Live-Band, die auf der Bühne die Sau rauslassen will.

Während die Produktion von Vocals, Gitarre und Bass (den man ruhig etwas präsenter hätte abmischen dürfen) in Anbetracht des Umstandes, dass man bei der Aufnahme auf eine professionelle Studioumgebung verzichtet hat, völlig in Ordnung geht, ist der Schlagzeugsound leider nicht ganz so geglückt und tönt recht flach, charakterlos und bisweilen sogar künstlich aus den Boxen. Auch wenn das nicht über die komplette Länge von „Tough Luck“ hinweg negativ auffällt, hätte man das auch mit den vorhandenen Mitteln sicherlich schöner lösen können.

„Tough Luck“ ist ein cooler Soundtrack für besagte Momente im Leben, in denen drei Akkorde und vielleicht noch ein Bier völlig ausreichend sind, um glücklich und zufrieden zu sein. Wer etwas für die Seattle-Szene und den Skatepark-kompatiblen Punkrock der frühen Neunziger übrig hat, darf gerne zugreifen.

Bewertung: 7 / 10

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