CD-Review: Burn The Priest - Legion: XX

Besetzung

Randy Blythe – Gesang
Mark Morton – Gitarre
Willie Adler – Gitarre
John Campbell – Bass
Chris Adler – Schlagzeug

Tracklist

01. Inherit The Earth (The Accused)
02. Honey Bucket (Melvins)
03. Kerosene (Big Black)
04. Kill Yourself (S.O.D.)
05. I Against I (Bad Brains)
06. Axis Rot (Sliang Laos)
07. Jesus Built My Hotrod (Ministry)
08. One Voice (Agnostic Front)
09. Dine Alone (Quicksand)
10. We Gotta Know (Cro-Mags)
11. In The Meantime (Helmet; Vinyl-Bonustrack)


Den Helden aus den Jugendtagen mit einem Coveralbum Tribut zu zollen ist, neben der eigenen Live-DVD, eines der Ziele, die sich Bands im Laufe ihrer Karriere stecken – man denke an Metallicas „Garage Inc.“, die „Graveyard Classics“-Reihe von Six Feet Under oder das erst 2015 veröffentlichte Coveralbum von Prong, „Songs From The Black Hole“. Doch so ganz will das an sich coole Konzept der Hommage an die eigenen Idole nie aufgehen: Selbst mit viel Ehrgeiz klingt das Material am Ende doch nie so sehr nach der covernden Band, dass es die Fans glücklich macht – und in der Regel sind die gecoverten Klassiker auch nicht zu Klassikern geworden, weil es daran noch viel zu verbessern gäbe.

Zu ihrem 20-jährigen Bandjubiläum haben auch LAMB OF GOD dem Drang nach einem eigenen Coveralbum nachgegeben – allerdings mit einem geschickten Schachzug: Das „Legion: XX“ betitelte Werk erscheint unter dem Namen der 1998 gegründeten und bald in LAMB OF GOD übergegangenen Vorgängerband BURN THE PRIEST. Mit deren damaligem Stil – klassischem Heavy Metal – hat das erste „Album“ unter diesem Namen seit dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 1999 aber nichts zu tun – vielmehr nutzen LAMB OF GOD den alten Namen, um „underCover“ agieren zu können.

Die Songs, die Randy Blythe und seine Mitstreiter zusammengetragen haben, eröffnen – wie das bei Coveralben auch sein sollte – einen schönen Einblick in die musikalische Welt, die LAMB OF GOD geprägt hat: Vornehmlich aus den Genres Punk, Hardcore und Thrash Metal überraschen weniger die Genres, als vielleicht die jeweils ausgewählten Bands und Songs: Hier treffen die nach wie vor legendären S.O.D. („Kill Yourself“) auf die vergleichsweise unbekannten Big Black („Kerosene“), werden Gene-Größen wie Agnostic Front („One Voice“) ebenso bedacht wie Bands, deren Name längst in der Versenkung verschwunden ist – Sliang Laos etwa („Axis Rot“). Dazu hier ein bisschen Ministry („Jesus Built My Hotrod“), da ein bisschen The Accused (“Inherit The Earth”) und es ist klar, welche Ära LAMB OF GOD geprägt hat.

Für diese Erkenntnis alleine muss man als Fan das Album aber theoretisch noch nicht gehört haben – die Titelliste würde ja vollends ausreichen. Und in der Tat ist es fraglich, ob „Legion: XX“ eine CD ist, die gehört werden muss. Denn ja, LAMB OF GOD / BURN THE PRIEST machen ihre Sache gut, covern sich auf technisch höchstem Niveau und stets mit dem hehren Ziel, den Songs den eigenen Stempel aufzudrücken, quer durch die 80er- und frühen 90er-Jahre. Der kräftige, moderne Sound tut den im Original oft der Zeit geschuldet schwachbrüstig aufgenommenen Stücken dabei zwar gut – musikalisch sitzt der Bastard aus den zackigen LAMB OF GOD und dem bisweilen eher geradlinigen Material dennoch zwischen den Stühlen.

Das Bedürfnis, den 20. Bandgeburtstag zu feiern, ist nachvollziehbar – und eine Live-DVD wäre sicherlich die weniger streitbare Jubiläumsveröffentlichung gewesen. Sollte „Legion: XX“ jedoch jungen Metalheads die Tür zum Sound der 80er aufstoßen, hat sich das Projekt schon gelohnt. Und alle, denen die Coverversionen nicht zusagen, können das Werk ja als BURN THE PRIEST-Veröffentlichung geflissentlich ignorieren.

Keine Wertung

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: