CD-Review: Callejon - Man spricht Deutsch

Besetzung

Bastian Sobtzick – Gesang
Christoph Koterzina – Gitarre
Bernhard Horn – Gitarre
Thorsten Becker – Bass
Maximilian Kotzmann – Schlagzeug

Tracklist

01. Schrei nach Liebe (Die Ärzte)
02. Schwule Mädchen (Fettes Brot)
03. Alles neu (Peter Fox)
04. Ich find dich scheiße (Tic Tac Toe)
05. Durch den Monsun (Tokio Hotel)
06. Mein Block (Sido)
07. Alles nur geklaut (Die Prinzen)
08. Ein Kompliment (Sportfreunde Stiller)
09. Major Tom
10. MfG
11. Hier kommt Alex


„Das schreit nach Ausverkauf – wir wollen auch ein Stück vom Kuchen aus Kommerz…“ sangen CALLEJON zu Beginn ihres letzten Albums „Blitzkreuz“. Damals dachte ich mir schon, es mit einer knallharten Selbstanalyse, nach dem Motto „Wir machen alles für Geld und stehen auch dazu“, zu tun zu haben. Fraglich, ob CALLEJON sich große Mühe geben würden, dieses Image zu entkräften. Wäre aber auch nicht schlimm, zumindest für sie, schließlich sind die Ruhrpottler erfolgreich wie eh und je, daran hat auch eine teilweise einstürzende Live Music Hall nichts geändert.

Auf den ersten Blick entkräften CALLEJON das Klischee nicht. Songs wie „Ich find dich scheiße“ von Tic Tac Toe oder „Schwule Mädchen“ von Fettes Brot sind Lieder, zu denen zu tanzen und mitzusingen selbst der David-Guetta-gleichgeschaltete Disco-Pöbel erst ab 2,0 Promille im Stande ist, sprich: die im Original unerträglich sind und bei denen die Hoffnung, dass ein Metal-Cover daran etwas ändert, zumindest bei mir von vornherein sehr gering ist. Aber das muss ja nichts heißen, schließlich sind diese Lieder ja auch irgendwie auf Platz eins der Charts gekommen. „Schwule Mädchen“ in nicht-komatösem Zustand mitzugrölen, fällt mir aber auch dann schwer, wenn der Schlachtruf mit Metal-Riffs unterlegt ist und CALLEJON können den unerreichbar hohen Trash-Faktor von „Ich find dich scheiße“ auch mit Band-eigenen Rapeinlagen und Gruppenshouts nicht verringern. Kann natürlich sein, dass das auch gar nicht das Ziel ist, sondern man bloß volles Rohr auf die Kombo „Alter: Unter 14, Pegel: über 1,4°%“ setzt (das liegt bei CALLEJON nämlich nicht allzu fern).
Andererseits muss selbst der größte CALLEJON-Hasser (Ich spreche an dieser Stelle bewusst aus der dritten Person, denn ich gehöre selbstredend nicht dazu…) eingestehen, dass einige Cover einigermaßen anständig umgesetzt wurden: Sowohl das Sido-Cover „Mein Block“ als auch „MFG“ von den Fantastischen Vier und der Sportfreunde-Stiller-Track „Ein Kompliment“, inklusive zweistimmiger Tappings. Nicht vergessen darf man „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten – man muss die Qualität dieses Covers allerdings dadurch relativieren, dass es wohl ziemlich schwer ist, dieses Lied so zu interpretieren, dass es nicht gut klingt und ganz allgemein wahrscheinlich trotzdem geeignet ist, jeden Ärzte-Fan dem sofortigen Exitus nahe zu bringen.
Abgesehen davon haben CALLEJON, anders als man es vielleicht erwartet hätte, den Sinn eines Metalcore-Cover-Albums nicht darin gesehen, jeden Song eins zu eins wiederzugeben, bloß um sechs Breakdowns bereichert. Zumindest das ist positiv.
Sehr negativ hingegen fällt dieses unerträgliche Album-Cover auf. Was haben sich CALLEJON bitte gedacht, was das darstellen soll? Der zackige deutsche Adler thront mit seiner deutschen Sprache und seiner gottgegebenen Allmacht über allem anderen, und deswegen schreiben wir CALLEJON auch bitte mit K, damit es deutscher aussieht? Meine Fresse! Wo ist der Blackscreen, wenn man ihn mal braucht?

Davon abgesehen dürfte „Man spricht Deutsch“ (das machen außer euch, liebe Band CALLEJON, übrigens gar nicht mal so viele deutsche Metalbands) für jeden Fan ein großes Fest sein. Auch für Metaldiscos aller Größenordnungen sind die CALLEJON-Coverversionen mit großer Wahrscheinlichkeit ein sicherer Weg, das Haus voll zu kriegen. Alle anderen können sich den Kauf sparen, denn wenn man es kurz machen will, ist „Man spricht Deutsch“ doch wirklich nichts anderes als „Die Bravo-Jukebox durch den Metalcore-Reißwolf gedreht“, wie das ein Pressekollege sehr passend ausdrückte.

Bewertung: 5 / 10

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