Das EP-Format scheint für die Doom-Metal-Urgesteine CANDLEMASS fast genauso attraktiv zu sein wie das Album, denn vor allem in den letzten zehn Jahren ließen die Schweden auf ihre Platten stets mindestens eine solche Veröffentlichung folgen. So auch in diesem Jahr, denn Bandkopf Leif Edling und seine Mannschaft schieben dem – inzwischen auch schon wieder drei Jahre zurückliegenden – Release von „Sweet Evil Sun“ die vier Songs umfassende EP „Black Star“ hinterher. Bei so langer Zeit seit dem letzten Output darf man hoffen, dass es sich beim Inhalt um mehr als nur die Resteverwertung der letzten Album-Sessions handelt.
Mit seinem Titeltrack findet „Black Star“ einen durchaus starken Einstieg: Typisch zähes Doom-Riffing wechselt sich mit atmosphärischer Akustikgitarre ab und im Mittelteil sorgt ein Rhythmuswechsel für zusätzliches Aufhorchen. Insgesamt bewegt sich die Nummer mit unüberhörbaren BLACK-SABBATH-Reminiszenzen innerhalb erwartbarer Bahnen, scheint den klassischen CANDLEMASS-Sound dank ihrer Vielschichtigkeit aber doch von einer etwas andern Seite zu präsentieren. Im folgenden „Corridors Of Chaos“ geht es hingegen – zunächst – reichlich vorhersehbar zu, denn das zähe und eindeutig von Toni Iommi inspirierte Riff der Nummer könnte auf so ziemlich jedem Album der Schweden stehen. Allerdings entpuppt sich der Song sodann als reine Instrumentalnummer und bietet für die sonstigen Verhältnisse der Truppe enorm viel Leadgitarre – und ist überraschenderweise trotzdem nie langweilig.
Zusätzlich zu zwei eigenen Songs haben CANDLEMASS auf „Black Star“ auch noch zwei Cover-Versionen untergebracht. Mit „Sabbath Bloody Sabbath“ hat sich die Band dabei eine Nummer mit einem der besten Riffs der Metalgeschichte überhaupt ausgesucht, weshalb der Song natürlich auch in moderner, fetter Produktion bestens funktioniert. Und überhaupt: Wenn CANDLEMASS nicht erfolgreich BLACK SABBATH covern können, wer dann? Auch das ursprünglich von PENTAGRAM stammende „Forever My Queen“ wurde von der Truppe gut umgesetzt, wobei man feststellen muss, das die Schweden bei der Wahl ihrer Coverstücke wirklich keinerlei Risiko eingegangen sind. Wenn eine der profiliertesten Doom-Metal-Bands Songs von Genre-Innovatoren nachspielt, müsste schon einiges im Argen liegen, damit das schief geht …
Zwei eigene Songs und zwei Coverversionen sind für eine EP vollkommen ausreichend und prinzipiell hat man es auf „Black Star“ auch nicht mit schlechter Musik zu tun. Dennoch: Während der Titeltrack eine verdammt starke Nummer ist, welche die Band von einer dezent anderen Seite zeigt, wirken die übrigen Nummern eher wie Bonustracks als Material für eine eigenständige Veröffentlichung. Das Instrumental ist nett und die Coversongs machen ihren Originalen alle Ehre, doch würden sie alle eher als Zusatzmaterial einer „Limited Edition“ funktionieren. Für Komplettisten ist „Black Star“ sicherlich ein Pflichtkauf, alle anderen können auch einen Streamingdienst bemühen.
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