CD-Review: Clowns - Nature / Nurture

Besetzung

Stevie Williams – Gesang
Jarrod Goon – Gitarre
William Robinson – Gitarre
Hanny J – Bass, Gesang
Jake Laderman – Schlagzeug

Gastmusiker:
David Balaban – Sitar

Tracklist

01. Bland Is The New Black
02. Soul For Sale
03. Freezing In The Sun
04. Nature
05. I Wanna Feel Again
06. I Shaved My Legs For You
07. 1/19
08. Prick
09. Prey For Us
10. May I Be Exhumed?
11. Nurture


Manchmal ist es gut, die Kontrolle abzugeben, die Gedanken auszuschalten, alle eventuellen Peinlichkeiten zu ignorieren und schlicht und ergreifend auszuflippen. Sich – auf den Bereich der Musik zu übertragen – ganz im Chaos und der Energie von Melodie und Rhythmus zu verlieren. Punk Rock und Hardcore im Allgemeinen bieten sich für ein derartiges Loslassen geradezu an. Die Australier*innen CLOWNS gehen mit ihrem neuen Album „Nature / Nurture“ einen Schritt weiter und stellen damit quasi die Blaupause für das (un-)gepflegte Durchdrehen – den entsprechenden emotionalen Kater nach dem Exzess inklusive.

Ihr mit Elementen aus Rock’n’Roll und Hardcore durchsetzter Punk war bereits auf den drei Vorgänger-Alben quasi ständig am Überschnappen. Auf „Nature / Nurture“ perfektionieren CLOWNS ihren Sound: Rasende, voll auf Höhen gedrehte Gitarren treffen auf ein wild nach vorne preschendes Schlagzeug, ohne auf ruhige Momente und eingängige Strukturen zu verzichten. Kombiniert mit dem harschen Gesang von Stevie Williams und konterkariert von der liebevollen Stimme von Bassistin Hanny J weckt die Band mehr als einmal Erinnerungen an Fucked Up aus Kanada. Besonders am – starken – Beginn des Albums sind diese Parallelen allerdings eine fast schon zu hohe Hürde.

CLOWNS schaffen es allerdings, sich im Lauf von 36 Minuten von ihren Vorbildern – zu denen auch The Bronx und Frank Carter zählen – zu emanzipieren. Mehr als das, erzählen CLOWNS über die Spielzeit von „Nature / Nurture“ hinweg eine musikalische Geschichte. Nach dem melodiösen, verspielten und überdrehten Beginn, wird der Ton des Albums zwar nicht weniger chaotisch, allerdings zunehmend düsterer. Der Hardcore-infizierte (Pop-)Punk(rock) von Songs wie „Soul For Sale“ ist in „I Wanna Feel Again“ bereits nahezu verschwunden, während der Spaß aus „I Shaved My Legs For You“ beinahe gänzlich gewichen ist. Einflüsse aus Old-School-Hardcore und sogar Mathcore nehmen zu, bis der Sound von CLOWNS immer mehr an die Brachialität und Experimentierfreude von Refused in ihren unterschiedlichen Phasen erinnert.

Der Stilwechsel ist erfrischend, Nummern wie „Prick“ können allerdings hinsichtlich des Songwritings nicht ganz mit den Highlights auf „Nature / Nurture“ mithalten. Auch das treibende und aggressive „Prey For Us“ reißt zwar mit, gerät dann aber doch eine Spur zu generisch. Spätestens, wenn im abschließenden „Nurture“ nach dem Start-Stop-Feedback „May I Be Exhumed?“ ruhige, orientalische Sitarklänge erklingen und sich zu einem rabiaten Riffgewitter steigern, ist allerdings klar, dass man hier das große Ganze bewerten muss. CLOWNS veröffentlichen mit „Nature / Nurture“ ihr bisher stärkstes Album, das im Vertrieb mehr als zurecht die Große Bühne des legendären Fat-Wreck-Labels erhält. Punks not dead.

Bewertung: 8 / 10

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