CD-Review: Corvus Corax - Venus Vina Musica

Besetzung

Teufel - Dudelsack, Schalmei
Wim - Dudelsack, Schalmei, Zinken
Castus - Dudelsack, Schalmei, Cister, Bombarde, Drehleier, uvm.
Hatz - Trommeln, Becken, Gongs
Der Kalauer - Davul, Pauke
Harmann der Drescher - tiefe Trommel
Ardor vom Venushügel - Dudelsack, Schalmei, Drummscheid

Tracklist

01. Anti Dolores Capitis
02. Venus Vina Musica
03. Urmawi
04. Tuska
05. Qui Nous Demaine
06. Bibit aleum
07. Katrinka
08. Terzio
09. Feralis Saltare
10. Sanyogita
11. Scotus
12. Lamentatio Coelibatus


Nachdem Tanzwut mit ihrem neuesten Werk „Schattenreiter“ bereits vorgelegt hatten, zog CORVUS CORAX nun mit dem neuesten Studioalbum „Venus Vina Musica“ nach. Wim, Castus und die übrigen selbst ernannten Könige der Spielleute gönnten sich nach der beeindruckenden Interpretation der Carmina Burana keine Pause, sondern fanden sich nach dem Release der CD/DVD sofort wieder im Studio ein, um die Fans auf die musikalische Weltreise eines fiktiven Spielmanns durch das 13. Jahrhundert zu schicken. Da es selbst um 1300 n. Chr. auf dem gesamten Globus schon eine beeindruckende Bandbreite an unterschiedlicher Musik gab, galt es, diese Vielfalt auch auf CD zu pressen und so entstand meiner Meinung nach wieder einmal ein gutes und dieses Mal auch abwechslungsreiches CORVUS CORAX-Album – das inzwischen 16. in der langen und illustren Geschichte der Band.

Nach dem geheimnisvollen Intro in Form eines Zauberspruches folgt direkt mit dem Titeltrack das erste Highlight. Kraftvoll und mit der nötigen Power geht der Refrain von „Venus Vina Musica“ direkt ins Ohr, während sich das Stück als persönliche Hymne des Helden herausstellt, der wusste wie man sein Leben genießt. „Lust, Wein und Musik“ erinnern mich hierbei etwas an das Met & Miezen-Prinzip von Feuerschwanz. „Urwami“ und „Tuska“ sind nichts, was man nicht schon einmal in ähnlicher Form gehört hat, doch das folgende „Qui Nous Demaine“ entpuppt sich als wunderschönes Lied, das in französischer Sprache verfasst ist und durch den klaren Klang der Instrumente sowie den sanften Gesang brilliert. „Bibit Aleum“ startet mit einem Trommelintro und behält dieses Instrument als tragendes Element bei, während die Melodie von „Katrinka“ von der Soundkulisse für ein Besäufnis im Balkan stammt. Der Klang dieses Stückes wird jedem Türkeiurlauber, der mit der einheimischen Musik in Kontakt gekommen ist, vertraut vorkommen und so zeigt sich wieder einmal, wie viel Wert CORVUS CORAX auf die Authentizität ihrer Werke legen. „Feralis Saltare“ leitet sozusagen zum Höhepunkt der Reise und auch zum Höhepunkt des Albums hin. Die Chöre vermitteln etwas sehr Erhabenes und Stimmungsvolles und wechseln sich passend mit den Dudelsäcken und Trommeln ab, die den Gesang ab und an untermalen. „Sayongita“ ist schließlich der Name des zentralen Stücks und hier wird es direkt wieder traditioneller. Sayongita ist der Name einer mystischen Prinzessin aus Indien, die als die schönste Frau der Welt galt und gleichzeitig das Ziel der Reise des musikalischen Weltenbummlers ist, der ihr neun Lieder lang quer über den Globus gefolgt ist. Indische Klänge erweisen dieser sagenumwobenen Herrscherin alle Ehre und laden zum Bauchtanz in 1000 und einer Nacht ein. Mit „Scotus“ und „Lamentatio Coelibatus“ findet die Reise schließlich ihr würdiges Ende, sowohl für den Spielmann als auch für den Zuhörer. Letzteres ist – wie man sich selbst als Nicht-Lateiner denken kann – ein Lied über den Zölibat, genauer gesagt ein von Augustus überliefertes Lied und eine Klage über die Enthaltsamkeit. Die eingespielten Peitschenhiebe dienen jedem Mönch, der von der Fleischeslust ergriffen wurde, als Warnung und wieder einmal stechen die Chöre positiv hervor.

Unter dem Strich bleibt ein zweifellos gutes Album, bei dem jeder Fan von CORVUS CORAX und allgemein von mittelalterlicher Musik bedenkenlos zugreifen kann. Allerdings wage ich es anzuzweifeln, dass man hiermit neue Fans gewinnt, was allerdings auf Grund der Ausrichtung der Band und ihrer langjährigen Tradition als Vorreiter aller mittelalterlichen Bands wahrscheinlich kein maßgebendes oder ausschlaggebendes Kriterium sein wird.

Bewertung: 6 / 10

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