CD-Review: Crimfall - As The Path Unfolds...

Besetzung

Mikko Häkkinen - Gesang
Helena Haaparanta - Gesang
Jakke Viitala - Gitarre, Programmierung

Sessionmusiker:
Henri "Trollhorn" Sorvali - Bass
Janne Jukarainen - Schlagzeug
Maija Arvaja - Violine
Esa Korja - Cello
Terri Kunnaskari - Akkordeon

Tracklist

01. Neothera Awakening
02. The Crown Of Treason
03. Wildfire Season
04. Where Waning Winds Lead
05. Sun Orphaned
06. Ascension Pyre
07. Shadow Hearth
08. Non Serviam
09. Aubade
10. Hundred Shores Distant
11. Novembre


Miko Häkkinen ist in letzter Zeit ein vielbeschäftigter Mann, nachdem man Jahrelang nichts von ihm hörte. 2002 nahm er mit Thyestean Feast das tolle „Cycles Of Worldburn“ auf, dann verschwand er von der Bildfläche, kloppte vor zwei Jahren urplötzlich mit Draugnim eine Demo raus, die ihm zu einem Plattendeal mit Spikefarm verhalf, legte eine Langrille nach und war quasi über Nacht mehr oder weniger ein gemachter Mann. Also wieso nicht gleich weitermachen mit der Musiziererei, die Frage stellt sich doch unweigerlich. Allerdings nicht direkt noch ein Draugnim-Album, das wäre ja langweilig (und hätte mich nach dem belanglosen Erstling auch überhaupt nicht gejuckt), eine neue Band muss her…

Die nennt sich CRIMFALL (keine Ahnung was das bedeuten soll, ich schätze mal man kürzte einfach das wunderbare Wort „Crimson“ ab), wurde schon 2007 ins Leben gerufen und spielt auf ihrem Debut „As The Path Unfolds…“ laut eigener Aussage epischen Folk Metal. Die Metal Archives kündigten mir derweil vollmundig eine Mischung aus Folk, Power und Viking Metal an, ist ja alles nicht so ganz mein Metier, beziehungsweise eine CD aus diesen Genres muss schon wirklich wirklich gut sein, um mich zu überzeugen. Trotzdem versuch ich mal objektiv an das ranzugehen, was die Damen und Herren aus dem schönen Finnland hier abgeliefert haben.

Das Intro „Neothera Awakening“ (falls sie damit „Neoterra“ meinten, netter Versuch, englische Ortographie scheint nicht so ihres zu sein, wie wir später noch merken werden) macht schon mal nicht wenig Stimmung, ist es doch tatsächlich ziemlich episch und atmosphärisch ausgefallen. Dann legt der erste Song „The Crown Of Treason“ auch schon los und ich fühle mich doch dezent an Draugnim erinnert. Allerdings: an Draugnims starke Seiten (ja, so rar die waren, es gab sie). Wirklich epische Arrangements, feine Melodieführung, mächtig Power im Hintern, das gefällt. Die Produktion ist zwar etwas gesichtslos, aber doch recht druckvoll und transparent, ein paar Ecken und Kanten wären aber schön gewesen, damit die Musik nicht so glatt durch’s Gehör flutscht. Auch der Einsatz von Goldkehlchen Helena Haaparanta macht gut Laune, die Frau hat eine sehr angenehme Stimme und tut sich mit der englischen Intonation nicht gar so schwer, wie einige Sängerinnen, die mir letztlich vor die Flinte kamen. Ich ziehe mal vorsichtige Vergleiche zu Leaves‘ Eyes, ja, das trifft’s eigentlich gar nicht so schlecht.

Zumindest wenige Sekunden lang, dann kommt nämlich Häkkinen ins Spiel. Seine Gesangsleistung auf „Cycles of Worldburn“ war große Klasse, bei Draugnim machte er auch nicht viel falsch, was er aber hier abfeiert ist ganz massiver Käse. Total heiseres Herumgekeife ohne Rücksicht auf Verluste, das klingt völlig schief, krumm und ganz furchtbar unangenehm kratzig, so als hätte er mächtig Halsschmerzen gehabt, wäre trotzdem im Studio aufgetaucht und man hätte sein mangelndes Stimmvolumen an eben jenem Tage dadurch kompensiert, dass man die Aufnahme einfach mächtig aufdreht, wodurch sie bis zum Erbrechen übersteuert. Grauenhaft.

Und noch ein weiterer Kritikpunkt kommt mir in den Sinn, wenn ich dem Track lausche. Eine Sache, die mir zuletzt bei Oakenshield großartig misfiel: Folk um des Folks willen und das mit dem Holzhammer. Über weite Strecken fügen sich die Folkelemente hier recht organisch ins Gesamtbild ein, da kann man nicht meckern, dann kommen aber wieder die Parts, in denen die Band sich sagte „Jetzt brauchen wir mal wieder ein wenig mehr Folk hier“ und dann wird das auch so umgesetzt. Völlig ohne Sinn und Verstand tackern sie dann einen volkstümlichen Abschnitt an die eigentlich schon folkig genugen (gibt’s das Wort?) Metalklänge dran, der so gut zum eigentlichen Material passt, wie Honig zu Bratwurst. Ganz besonders furchtbar zeigt sich das am Anfang von „Wildfire Season“, das nach dem mäßigen Auftakt glücklicherweise ein wenig an ältere Thyrfing erinnert und so wieder Boden gut machen kann.

Diese Kritikpunkte sind aber nicht so schlimm, wie man meinen möchte. Häkkinens Gesangsleistung verbessert sich mit fortlaufender Spielzeit, die unpassenden Folk-Hammerschläge nehmen ab. Und so gefällt „As The Path Unfolds…“ ab „Where Waning Winds Lead“ (das übrigens einen sehr coolen Refrain hat) ziemlich gut und kann sogar mit ein paar netten Überraschungen punkten. Bei „Sun Orphaned“ und „Ascension Pyre“ wird der nordische Folkeinschlag zum Beispiel mal ausgespart und wir kriegen was um die Ohren gehauen, was eigentlich mehr nach Ägypten und Kollegen klingt. Nett. Auch das mit einem sehr coolen Refrain versehene „Shadow Hearth“ (ob sich hier ein Rechtschreiblapsus einschlich oder ob die Damen und Herren wirklich über einen Herd aus Schatten singen wollten, darüber darf gerätselt werden) macht Laune, sowie der sehr coole weil monumentale Track „Aubade“ und das extrem atmosphärische Outro „Novembre“.

Mit der Atmosphäre ist das jetzt aber so eine Sache… Eigentlich ist die Musik von CRIMFALL rein musikalisch nichts so besonderes, ganz nett sicher, aber man hörte schon besseres. Wovon die CD aber massiv lebt ist ihre Atmosphäre… Also… schätze ich mal. Ich weiß es nicht, ich spürte hin und wieder einen geradezu bewundernswerten Anflug derselben, der dann aber nach wenigen Augenblicken wieder gnadenlos mit dem ganz großen Knüppel niedergeprügelt wurde. Und zwar hiervon: „You’re listening to CRIMFALLs debut-album ‚As The Path Unfolds…'“ Ah, danke, gut zu wissen. Ja, Napalm Records kleisterte diese CD ab „Sun Orphaned“ geradezu voll mit solchen Voiceovers. Ich kann’s ihnen ja nicht soooo übel nehmen, ich mein, die wollen ja auch CDs verkaufen und der Filesharing-Markt ist groß, aber… Es nervt halt wie Sau. Und es stört ganz empfindlich die Atmosphäre der CD, ganz besonders schmerzhaft ist’s wohl bei schon erwähntem „Novembre“. Da ist man gerade dabei sich bei den sanften Gitarrenklängen in eine andere Welt zu träumen, steht schon an der Schwelle dazu und dann… „You’re listening to CRIMFALLs debut-album ‚As The Path Unfolds…'“ Wat ein Glück, dass ihr’s mir noch mal sagt, ich hätte es doch fast vergessen…

Klar, auf der tatsächlichen Verkaufsversion wird man diese lustigen Einspieler nicht finden (hoffe ich doch zumindest schwer), aber wie soll ich das denn bitte bewerten, wenn ich so sehr genervt werde? Im Endeffekt glaube ich nämlich, dass CRIMFALLs „As The Path Unfolds…“ atmosphärisch eine verdammt großartige Sache ist und deswegen eine ziemlich gute CD. Aber Hölle noch eins, ich weiß es eben nicht. Mein Ratschlag: Hört wenn möglich im Plattenladen eures Vertrauens mal rein, bevor ihr zuschlagt. Oder wartet, bis ich mir das Ding gekauft habe und mehr darüber berichten kann, alleine um die großartigen Tracks „Shadow Hearth“, „Aubade“ und „Novembre“ ohne nervige Voiceovers zu hören könnte es mir das Wert sein. Bis dahin verzichte ich mal auf eine Wertung.

Keine Wertung

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