CD-Review: Dämmerfarben - Des Herbstes Trauerhymnen MMXX

Besetzung

Nostarion – Gesang, Gitarre, Violoncello
Fergen – Bass
Austin Lunn – Schlagzeug

Gastmusiker:
Martin Wiese – Piano (Track 01)

Tracklist

01. Herbstsonne
02. Des Herbstes Trauerlied
03. Schattenwindes Dämmerfarben
04. Auch das Letzte vergeht
05. Herbstpfad


Es ist durchaus ein sonderbares Ding, das DÄMMERFARBEN mit „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ veröffentlichen. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Kombination aus Neuversionen der drei Songs der bis auf die hinzugefügte Jahreszahl gleichnamigen Demo aus dem Jahr 2006, einem zuvor nie aufgenommenen Stück aus derselben Zeit und dem vormals nicht veröffentlichten Titeltrack des 2012 erschienenen zweiten Albums der Band, „Herbstpfad“. Doch nicht nur die Zusammensetzung ihres dritten Studioalbums, sondern auch die Musik, die die deutsch-amerikanischen Folk-/Melodic-Black-Metaller darauf spielen, trifft man in dieser Form nicht alle Tage an.

Die klangliche Eigenschaft, die auf „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ am stärksten hervorsticht, ist die Melodieverliebtheit, die DÄMMERFARBEN offensichtlich tief im Leib sitzt. Anders als bei vielen Black-Metal-Platten wird hier keine einzige der gut 50 Minuten Spielzeit auf sinnlos-brutales Gebolze verschwendet. Von den zarten, wehmütigen Folk-Parts, in welchen das Trio mit elegantem Violoncello- und Klavierspiel einen spätsommerlichen Sonnenuntergang vertont, bis hin zu den immer wieder aufbrausenden Melo-Black-Stürmen mit ihren ausgelassenen Tremolo-Riffs und Blast-Beats achten DÄMMERFARBEN stets darauf, die richtigen Töne aneinanderzureihen.

Der naturverbundenen Ästhetik des Albums entsprechend liegt den Melodien eine fast schon romantische Stimmung zugrunde, wodurch die Band in den getrageneren Parts Erinnerungen an Empyriums „Songs Of Moors And Misty Fields“ wachruft. Besonders schön sind jedoch die träumerischen und doch nicht verschlafenen Clean-Gitarren-Arrangements, die die Songs einleiten und in Folge immer wieder durchgleiten („Des Herbstes Trauerlied“). In diesen Momenten geht von „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ ein lieblicher Zauber aus, der sich kaum in Worte fassen lässt.

Leider hat das Album demgegenüber auch einige Wesenszüge, die alles andere als magisch sind. Die Beiträge von Austin Lunn (Panopticon) etwa, dessen Drumming mit seiner Hyperaktivität überhaupt nicht zur übrigen Musik passen will und mit seinem klobigen Sound dem leichtfüßigen Charakter der Lieder zuwiderläuft. Auch die Eintönigkeit der genretypischen, kernigen Screams und der übertrieben pathetische Klargesang in der ansonsten zutiefst herzergreifenden Akustikballade „Herbstpfad“ sind einem vollkommenen Eintauchen in die malerischen Klanglandschaften, die DÄMMERFARBEN mit ihren Melodien kreieren, eher hinderlich.

„Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ ist wie ein schöner Traum, aus dem man so manches Mal unsanft von irritierenden Störgeräuschen herausgerissen wird, den man jedoch nur zu gerne zu Ende träumen möchte. Dass DÄMMERFARBEN ihr in die Jahre gekommenes Songmaterial überarbeitet und neu veröffentlicht haben, ist an und für sich ein Segen, sind doch allein schon die unvergleichlich zauberhaften Clean-Gitarren-Passagen Grund genug, dem Album ein aufmerksames Ohr zu schenken. Aufgrund ihrer nicht unwesentlichen Schwächen in puncto Gesang und Rhythmik fehlt es der dritten LP der Band jedoch am nötigen Feinschliff, um DÄMMERFARBEN den Sprung an die Spitze des Folk Black Metal zu ermöglichen.

Bewertung: 7 / 10

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