CD-Review: Die Apokalyptischen Reiter - Riders On The Storm

Besetzung

Fuchs – Gesang, Gitarre
Pitrone – Gitarre
Volk-Man – Bass, Schreie
Dr. Pest – Keyboard, Peitsche
Sir G. – Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Friede sei mit Dir
02. Riders On The Storm
03. Seemann
04. Der Adler
05. Revolution
06. Wenn ich träume
07. Soldaten dieser Erde
08. In The Land Of White Horses
09. Liebe
10. Schenk mir heut Nacht
11. Himmelskind
12. Feuer
13. Mmmh
14. Peace May Be With You (Bonus)


(Heavy Metal/Folk/Death Metal/Hard Rock) Stundenlang hab ich überlegt, wie ich dieses Review anfangen sollte. Berge von Gedanken habe ich gewälzt, wie ich den Einstieg schaffen sollte, um das neuste Werk der APOKALYPTISCHEN REITER zu umschrieben. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass meine ersten Worte, als ich „Riders On The Storm“ zum ersten Mal zu Ende gehört hatte, eigentlich recht passend sind: „Ach, wie geil!“ Denn was die fünf Vier Reiter aus Thürigen hier abbrennen, ist nichts anderes als ein Feuerwerk der Gefühle, gekleidet in ein angenehm hartes, abwechslungsreiches und dennoch melodisches Gewand.

Der Einstieg ist mit „Friede sei mit Dir“ bestens gewählt: Sägende Gitarren, rumpelndes Schlagwerk, dann Pause und Fuchs’ beschwingter, kerniger Klargesang, bei dem man das Grinsen auf seinen Lippen regelrecht hören kann. Dazu gibt es einen einfühlsamen Klavierpart von Dr. Pest. Als ob das nicht reicht, folgt mit „Riders on the Storm“ der Titeltrack und für mich der absolute Höhepunkt des Rundlings. Düster und beschwörend der Einstieg, dramatisch die Lyrics, so schraubt sich der Track auf einen beschwingten, tanzbaren Akustikpart zu. Und wenn dann zu einem mächtigen Wiehern wieder die Stromgitarren und das Pest’sche Keyboard losbrechen, will der Kopf einfach nicht mehr ruhig bleiben. Zum Abschluss tritt die Band das Gaspedal noch einmal ordentlich durch, um uns mit Mandolinenklängen in den Rest der Platte zu entlassen. Die Reiter können diesen Song zwar für das restliche Album nicht mehr übertreffen, die Qualität aber problemlos halten. Abwechslung wird groß geschrieben, bei „Seemann“ spielen Geigen eine zentrale Rolle. „Der Adler“ wiederum ist einer dieser Songs, die die Seele berühren, jedes Gewicht von ihr nehmen und sie hoch tragen in den Himmel, wo sie zumindest für drei Minuten schwerelos über allen Dingen schweben kann. Ein Attribut, das auch „Wenn ich träume“ teilt. Düster können die Reiter aber auch noch: „Soldaten dieser Erde“ ist ein textlich ernster Stampfer, der mächtig und zäh aus den Boxen quillt. Wenn da nicht der hochmelodische Refrain, vorgetragen in Chorgesang wäre. Bei so viel Gitarreneinsatz wirken das träumerische Instrumental „In The Land Of White Horses“ und die herzliche Rock-Ballade „Liebe“ beinahe wie Fremdkörper. Aber sind es nicht diese Fremdkörper, die sich in einer Muschel über lange Zeit hinweg zu Perlen verwandeln? „Himmelskind“ muss ich an dieser Stelle noch unbedingt erwähnen, eigentlich ein astreiner Melodic-Death Kracher… mit engelsgleichem Kindergesang (!!!) im Chorus.
Das Cover ist nicht weniger kunstvoll als die Musik. Diese Mischung aus Seepferdchen und Drachen in einem fernöstlich anmutenden Zeichenstil und die betont minimalistische Farbwahl sind ein Fest für die Augen. Die selbstproduzierte Platte hätte allerdings einen etwas dichteren, druckvolleren Sound vertragen können.

Anno 2006 sind die Reiter erwachsen geworden. Sie haben mittlerweile ihren Sound gefunden. Er ist ohrenschmeichelnder, eingängiger und leichtfüßiger, als zu ihren holprigen Anfangszeiten. Dafür haben sie nichts an ihrer Unberechenbarkeit eingebüßt. Beim ersten Durchlauf überrascht jeder Song, aber hier wurde keine einzige Note verschwendet. Die Musik und Texte bilden eine homogene Einheit. Und dennoch wirkt kein Song künstlich und aufgesetzt, alles ist wie organisch, wie gewachsen. Die Texte sind diesmal, bis auf einige Strophen, durchgehend deutschsprachig, was bei Fuchs’ lyrischem Können ein wahrer Genuss ist. Was ich besonders schön finde: Die Reiter spielen eine aufbauende Musik. Manchmal düster, mit Blick in einem tiefen Abgrund, aber immer mit einem Funken Hoffnung am Horizont. Ich denke, das ist bei weitem nötiger und wirkt weit glaubwürdiger, als die tausendste Vertonung von Krieg, Gewalt, Verderben und Tod. Denn: „Dass ihr schreitet Seit an Seit, in das Licht durch dunkle Zeit“.

Redakteur: Stefan Eder

Bewertung: 9 / 10

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