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Review Die Krupps – Will Nicht – MUSS! / On Collision Course (EP)

DIE KRUPPS gehören ohne Frage zu den Pionieren des Industrial-Metal und EBM. 1980 gegründet, begannen sie in den frühen Neunzigern erstmalig, harte Gitarren in ihre elektronisch-tanzbaren Songs zu integrieren, ließen es sich aber nicht nehmen, gleichzeitig eine rein elektronische Tribute-EP mit METALLICA-Coversongs zu veröffentlichen. Spätestens das 1992er Album „II – The Final Option“ zementierte den Status als Wegbereiter des Genres – aber auch (neben den ebenfalls aus Deutschland stammenden OOMPH! und KMFDM) der Neuen Deutschen Härte, die wenige Jahre später mit RAMMSTEIN zu internationaler Berühmtheit kommen sollte.

Über 30 Jahre sind seitdem ins Land gezogen, von der Urbesetzung sind noch die für den charakteristischen DIE-KRUPPS-Sound Verantwortlichen Jürgen Engler (Gesang, Elektronik, Steelophone = „Auf-Stahlrohren-Rumhämmern“) und Ralf Dörper (Elektronik) übrig. Nach diversen Besetzungswechseln an der Gitarre ist nun mit Dylan Smith der ehemalige THE-SISTERS-OF-MERCY-Saitenhexer mit an Bord, was aber ehrlich gesagt keinen groß hörbaren Unterschied zu den letzten Veröffentlichungen ausmacht.

Das erste Lebenszeichen der Band seit dem 2021er Output „Songs From The Dark Side Of Heaven“ ist die rund halbstündige EP „Will Nicht – Muss! / On Collision Course“ mit sechs Tracks – davon zwei neue Songs sowie vier Remixversionen namhafter Feature-Gäste. Den Anfang macht „Will nicht – Muss!“, ein nicht zuletzt durch die Vocals sehr nach RAMMSTEIN klingender Uptempo-Stampfer, inspiriert von Fritz Langs Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Der Songtitel ist ein Zitat des Hauptdarstellers Peter Lorre, der im Film immer wieder Edvard Griegs Klassiker „In der Halle des Bergkönigs“ pfeift – womit der Opener die neue DIE-KRUPPS-EP auch einleitet. In Verbindung mit dem ebenfalls an den frühen Tonfilmklassiker angelehnten Musikvideo ist der Track durchaus unterhaltsam, aber wenig eigen – auch wenn DIE KRUPPS schon vor RAMMSTEIN derartige Musik gemacht haben.

Der zweite Song schlägt in eine andere Kerbe, weniger tanzbar und deutlich atmosphärischer: „On Collision Course“ geht mehr in die Richtung Gothic-/Industrial-Rock, zweifellos radiokompatibel, böse Zungen würden sagen: poppig. Engler singt (durchaus melodisch) in englischer Sprache, aber so richtig im Ohr hängenbleiben will auch diese Nummer nicht.

Die vier Remixes erfinden, trotz durchaus prominenter Besetzung, das Rad auch nicht neu: Gitarristenlegende Mark Thwaite (u. a. MOB RESEARCH, GARY NUMAN, REVOLTING COCKS, PJ HARVEY u. v. m.) macht aus dem bisher unveröffentlichten „Schattenzeit“ einen tendenziell verzichtbaren Clubtrack à la KMFDM. John Bechdels (MINISTRY) Electro-Remix von „On Collision Course“ ist eine durchaus tanzbare, wenn auch generische EBM-Version ohne die Rockgitarren des Originals. Das trifft auch auf den Wahre-Arbeit-Remix von „Will Nicht – Muss!“ zu, den Frontmann Engler zusammen mit dem DIE-KRUPPS-Langzeitproduzenten Chris Lietz gebastelt hat. Lediglich der vom MINISTRY-Gitarristen Caesar Soto bearbeitete und ebenfalls bisher unveröffentlichte Song „I Am The Storm“ hat wieder deutlich mehr Metal-Schlagseite und ist mit seiner eher dreckigen Soundästhetik vielleicht sogar das heimliche Highlight der EP.

Vermutlich hat niemand ernsthaft erwartet, dass DIE KRUPPS sich in irgendeiner Form neu erfinden – und eigentlich haben sie das in Anbetracht ihrer Historie auch nicht nötig. Trotzdem wirkt „Will Nicht – Muss! / On Collision Course“ unspektakulär, ein wenig altbacken und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht auch für das angekündigte neue Album gilt, das noch 2026 erscheinen soll. Denn es wäre mehr als schade, wenn die (Mit-)Pioniere des Industrial Metal im schlimmsten Fall als belangloser RAMMSTEIN-Klon enden würden.

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Stephan Gossen

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