CD-Review: Disparaged - Overlust

Besetzung

Tom Kuzmic – Gesang, Gitarre
Ralph – Gitarre
Adrian Scheiber – Bass
Heinz – Schlagzeug

Tracklist

01. Bored Beyond Belief
02. The Art Of Deceit
03. Devil's Kiss
04. Life Undone
05. Godking
06. Necropressor
07. Unlocked
08. Wicked
09. Velvet Glove
10. Overlust
11. Conqueror Of The Apocalypse


Wenn eines aus der Schweiz (man denke nur an Käse, Uhren und Bankkonten) nicht weltberühmt ist, dann Death Metal der extremeren Sorte. Das 2003 erschienene Album „Overlust“ ist die erste LP der Schweizer, die Diskografie machen die 2002 erschienene Demo und das Zweitwerk „Blood Source“ (2006) komplett.Viel wichtiger ist aber noch ein interessantes Detail bezüglich der Besetzung – nämlich singt bei DISPARAGED ein vielen wohlbekannter Musiker, um Namen zu nennen: Tom von Cataract übernimmt an dieser Stelle Gitarre und Vocals. Um es vorweg zu nehmen: mit Metalcore haben DISPARAGED nicht das Geringste gemeinsam!

Ganz im Gegenteil sogar, „Overlust“ ist ein dreckiges Stück aggressiver Death Metal. „Bored Beyond Belief“ beginnt die Scheibe mit einem passenden Ton-Sample aus einem mir unbekannten Film. „Boys, Boys, Boys…“, haucht ein Mann mit ruhiger Stimme, ehe die Prügelei instrumentaler Form ausbricht. Blast Beats und sägende Riffs bestimmen das Bild, Sänger Tom besticht mit satten und tiefen Vocals. Das gebotene Klangbild macht einen guten Eindruck und die Produktion bringt zudem alles mit, was man braucht, um glücklich zu sein, ist gleichzeitig aber nicht übermäßig fett oder drückend – für derartige Knüppeleien also genau richtig. In gewissem Maße typisch für das Album folgt gegen Mitte des Stücks ein Solo, welches stets von der Rhythmusabteilung in das richtige Licht gerückt wird. Überhaupt muss erwähnt werden, dass Drummer Heinz und Bassist Adrian einen guten Job machen, die groovenden Teile der CD wirken äußerst präzise – DISPARAGED können das aus dem Effeff.Das nächste wirklich derbe Highlight (auf das „derb“ gehe ich später noch näher ein) folgt: „Godking“ tritt satte 3 Minuten und 32 Sekunden in den Allerwertesten, Salve um Salve ertönt aus den Schallwandlern – nach diesem Monstrum an Brutalität muss ich mich erstmal wieder sammeln. „Derb“ deswegen, weil mich vor allem der Anfangsteil und Toms tiefe Shouts einfach wahnsinnig an Dethklok erinnern, und ich bin Fan von den Comichelden. Davon abgesehen wirkt aber der ganze Track unheimlich flüssig und läuft nur so an mir vorbei. Klingt jetzt etwas seltsam, da man „läuft an einem vorbei“ auch negativ meinen kann, in diesem Fall aber heißt das nur, dass ich Track #5 nicht oft genug hören kann. Ich brauche die Repeat-Funktion wirklich selten, hier aber bin ich froh dass es sie gibt! Nachdem das Album nach ein, zwei Tracks etwas an Geschwindigkeit und Groove abgenommen hat, steigt die Kurve gegen Mitte bzw. Schluss wieder an. Geschwindigkeit hatten wir soeben, „Necropressor“ bringt, neben dem unheimlich genialen Titel, den Groove-Faktor erneut ins Spiel. Aber nicht ganz ohne Macken, denn leider wird an dieser Stelle Groove zu sehr mit Doublebass assoziiert – das klingt an manchen stellen etwas unvorteilhaft – aber ruhig Blut, „Wicked“ bessert diesen kleinen Schnitzer aus und bietet mit Polyrhythmik und rockigem Riffing alles, was so ein Song braucht um des Metallers langes Haar in Bewegung zu bringen. Prost! Das letzte Highlight stellt erneut ein mit Samples verzierter Song dar: Der Titelsong „Overlust“ nimmt Gore-Züge an: Kettensägen hier, Geschrei da, und obendrauf das alles schön verpackt im wütend-eingängigen (welch Prädikat) Klangbild. Wer jetzt noch immer nicht genug hat: Verstärker auf die Lautstärke stellen, die Nachbarn zur Weißglut bringt und „Conqueror Of The Apocalypse“ hören! Dieses Riffing in Kombination mit tiefen Growls und stets antreibenden Drums ist mehr als ein würdiger Abschluss einer CD diesen Formates!

DISPARAGEDs „Overlust“ ist insgesamt ein absolut gelungenes und hochwertiges Album des Genres. Der sparsame Umgang mit vorurteilbehafteten Elementen (wie Samples, AK-47-Riffing oder übermäßig viel Doublebass) wertet das Album auf. Zwar verzichtet man nicht völlig auf oben Erwähntes, aber es wird in absolut angemessener Weise angewandt. Ein Über-Werk oder einen Meilenstein haben wir natürlich nicht vor uns – so treu muss ich mir sein, um dies an dieser Stelle auch zu erwähnen, aber einem Death Metal Fan mit Hang zu Brutal Death oder gar Gore-Grind sollte diese Band sicherlich empfohlen werden.

Bewertung: 7.5 / 10

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