CD-Review: Dol Ammad - Ocean Dynamics

Besetzung

Thanasis Lightbridge – Synthesizers
Dim – Gitarre
Nick Terry – Bass
Alex Holzwarth – Schlagzeug

Chor:
Mary Palaska – Sopran
Kortessa Tsifodimou – Sopran
Alexandra Voulgari – Sopran
Vicky Alexaki – Alt
Sofia Patsi – Alt
Maria Stolaki – Alt
Ntina Strani – Alt
Alexandros Barmpas – Tenor
Panos Iampoultaki – Tenor
Themis Mpasdekis – Tenor
Anestis Papageorgiou – Tenor
Kyriakos Chouvardas – Bass
Petros Moraitis – Bass
Yiannis Tsalouhidis – Bass

Gastsänger: DC Cooper

Tracklist

01. Thalassa Dominion I
02. Thalassa Dominion II
03. Thalassa Dominion III
04. Thalassa Dominion IV
05. Solarwinds
06. Descent
07. Lava
08. Aquatic Majesty
09. Liquid Desert
10. Heart Of The Sea


Es gibt tatsächlich Alben, die weisen ähnliche Eigenschaften wie guter Wein auf. Je länger sie lagern, desto besser werden sie, zumeist – und deshalb auch bloß ähnliche Eigenschaften – handelt es sich dabei um CDs, die vom ersten Eindruck her alles andre tun als zu überzeugen. „Ocean Dynamics“ der griechischen Gruppe DOL AMMAD ist so in Kandidat, doch bevor ich auf die Musik näher eingehe, will ich erst noch ein paar Takte zur Band und der selbstbetitelten Musikrichtung Electronic Art Metal verlieren.

Gegründet wurde die „Band“ im Jahr 2000 von Thanasis Lightbridge der sich auch für die komplette Komposition verantworten muss. Bereits für das Debutalbum „Star Tales“ welches übrigens noch über Black Lotus erschien, konnte man Rhapsody und Sieges Even Drummer Alex Holzwarth gewinnen. Das zweite Album „Ocean Dynamics“ wird nun aber wieder selbst, bzw. vom eigenen Label Electronic Art Metal Records, vertrieben. Neben Alex Holzwarth, der immer noch für die Drums zuständig ist konnte man diesmal noch Sänger DC Cooper von Silent Force von einem Gastauftritt beim Song „Aquatic Majesty“ überzeugen.

Doch was verbirgt sich denn eigentlich nun hinter Electronic Art Metal? Laut Bandinfo ist es die Kombination von Oper, Electronic und Metal, dargeboten von niemand geringerem als der innovativsten Band der Szene. Dass das eigentlich nichts Neues ist wird gern verschwiegen, denn der standardmäßige Einsatz von Chören ist spätestens seit Therion optimiert und das Electronicparts und sogar Black Metal zusammenpassen ist schon seit den künstlichen Klängen in Nagelfars „Schwanengesang“ vom 1997er Überalbum „Hünengrab im Herbst“ bewiesen und wurde von Disillusion mit Gloria ja ebenfalls völlig genrefrei mehr als eindrucksvoll erneuet unter Beweis gestellt. Doch so wie bei den Letztgenannten, bei denen sich die Stile symbiotisch zu einem Neuen ergeben, agieren DOL AMMAD nicht. Hier ist es eher ein nebeneinander bzw. bleiben die einzelnen Stile die ganze Zeit über erlebbar und gehen nicht im großen Ganzen auf – zumal auch nicht immer alle drei parallel in Erscheinung treten, sondern man oft von treibenden Metalriffs mit etwas ungewöhnlicher Keyboard Untermalung und Chorbegleitung sprechen kann, die in den Stellen ohne Gesang mit Electonic-Spielereien aufgepeppt werden.

„Ocean Dynamincs“ erfährt durch den vierteiligen Epos „Thalassa Dominion“ eine gewisse Zweiteilung. Sphärische Klänge begleiten eine Sprecherin und führen eigentlich ganz stimmungsvoll in die CD ein. Als ihre Stimme verklingt, treten immer mehr diese typisch wabernden Techno-Sounds in den Vordergrund. Das Intro erfährt durch den Choreinsatz im Ende dann sogar noch eine gewisse Erhabenheit und jemand wie ich, der auch vor VNV Nation oder Deine Lakeien gelegentlich nicht zurückschreckt, kann bis hier nicht wirklich etwas an der Musik aussetzen. Nach über vier Minuten ist der erste Teil, der als Intro fungiert rum und passiert ist eigentlich nicht viel. Das der zweite Part dann mit den Worten „And So It Begins“ entsprechend gewaltig losschlägt ist bitter notwendig. Treibende Gitarren und die typische Schlagzeugbegleitung legen untermalt von sehr störenden, halb rauschenden halb surrenden Keyboardsounds erstmal los. Von rechts nach links rauscht dann noch kurz ein Raumschiff durch den Gehörgang bevor der sehr nach Therion klingende Chor einsetzt. Kurze pulsierende Piepsounds und weiter geht’s mit Chor und wieder kommt das Raumschiff wuschhhhhhh…. Nichts wirklich Innovatives wird hier geboten, die Lead-Sound Auswahl ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, der Teppich eher einfach nur schlecht. Ebenso können die Frauen im Chor – agieren sie ohne die männliche Begleitung – leider nicht sehr überzeugen und wirken oft leicht schief. Dennoch ein interessanter Einstieg, der durchaus das Potential hat irgendwann mal wirklich zu überzeugen. Der nächste Part klingt dann leicht verspielt an, fröhliche Sounds ummalen ein Gitarrensolo und der Chor umspielt mit Ohh-Sounds die Sprecherin („Little Star Shine For Us“…*räusper*), während diese seltsamen, ich möchte sie mal elektronischen Klangschauer nennen, immer wieder durch die Musik laufen. Hat zwar nichts mit Metal zu tun und würde bei mir eher einfach als Ambient Musik durchgehen, schön ist es dennoch, wenn auch mit über sieben Minuten etwas lang. Der Blastbeat mit weiblichen Ohhhh-Chor zu Anfang des dritten Parts hingegen führt sofort zu einem stechenden Kopfschmerz, dauert zum Glück nicht zu lang und uns laufen kurz darauf mal wieder Therion mit den beschriebenen Schwächen über den Weg. Das wars dann auch schon mit „Thalasasa Dominion“…

Bei den ersten Durchläufen hat sich in mir noch alles gesträubt, doch da das schlechte Gewissen die CD immer wieder in den Player befördert hat, find ich mittlerweile auch recht gute Seiten an der CD. So etwa die sehr metallisch wirkenden und treibenden „Solarwinds“ und „Liquid Desert“, die die Technosounds mehr als Rhythmuselemente oder im Hintergrund einsetzten und so immer doch einige interessante Passagen erzeugt. „Descent“ und „Heart Of The Sea“ laufen dem wieder völlig entgegen und sind fast gänzlich unmetallisch und können eigentlich nicht als Lied, mehr als ambient Zwischenteil bezeichnet werden. „Lave“ und „Aquatic Majesty“ sind dann wieder richtige Stücke mit viel technischen Spielereien, pulsierenden Sounds und das Erste auch sehr im Electronic Bereich angesiedelt. „Aquatic Majesty“ mit DC Cooper am Mikro ist vielleicht der einzige Song in dem die Symbiose etwas gelingt. Das Lied wirkt trotz der massiven Techno-Sounds sehr homogen und die zusätzliche Gesangsstimme hebt sich wohltuend vom Chor-Brei ab. Eindeutig der Höhepunkt des Albums!

Summa summarum liegt hier ein Werk vor, dass sich viel zumutet, es nicht schafft den eigenen Anspruch zu erfüllen, viele interessante und schöne Parts bietet, aber dennoch primär nur als Ideengeber und nicht als vollendete Kreation angesehnen werden kann. Ich freu mich jedenfalls schon auf das nächste Album, denn die Idee ist definitiv ausbaufähig….

Bewertung: 6 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: