Bands mit Todeswunsch gibt es im Black Metal mehr als genug. DOODSWENS (auf Deutsch „Todeswunsch“) mag man auf den ersten Blick daher als eine weitere Depri-Kapelle abtun, ein genauerer Blick auf das Konzept des Trios lohnt aber. Denn hier geht es nicht darum, den Tod herbeizusehnen, sondern vielmehr um Wege, wie man aus Depression und suizidalen Gedanken herausfinden und wieder Kraft schöpfen kann. Ein überraschend positiver Ansatz, der sich aber trotzdem nicht in kitschigem Symphonic Black Metal ausdrückt. Denn auch auf ihrem selbstbetitelten Zweitwerk rumpeln Frontfrau und Drummerin I., Gitarrist P. und Bassist R. durch rohen Oldschool-Black-Metal.
Auch wenn die ersten Takte des Openers „Driven By Death“ noch okkult-ritualistisch anmuten, halten sich DOODSWENS nicht mit Spielereien auf, sondern entfesseln schnell wüste Raserei mit dissonanten Riffs und aggressivem Drumming. Und weil I. mit dem Platz am Schlagzeug noch nicht ausgelastet zu sein scheint, ist sie auch noch für die Vocals zuständig und verleiht den Songs damit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Denn es sind ihre verzweifelten, hohen Screams und das gequälte Heulen, die in Kombination mit der Musik für die richtige bedrückende, kalte Atmosphäre sorgen. Mit „Driven By Death“ ist die Marschrichtung für die folgenden sechs Stücke klar und DOODSWENS variieren diesen Sound auch nicht wirklich.
Mal mit mehr Melodie („The Black Flame“), mal doomiger („Devils Stone“), mal noch verzweifeltere Vocals („These Wounds Never Healed“), im Kern aber immer roher, repetitiver Black Metal. Durch die relativ kurze Spielzeit von knapp 38 Minuten, die ungeschliffene Produktion und die inbrünstigen Vocals von I. fällt dieser Umstand aber weniger ins Gewicht, als man meinen könnte. Zumal durch diese raue Produktion stellenweise auch ein gewisser Live-Effekt entsteht und man fast den Eindruck bekommt, direkt vor der Bühne zu stehen, wenn sich das Trio etwa in „Verrot“ in einen Rausch aus infernalischer Aggression und verzweifelter Melodie spielt. Den Schlusspunkt setzt „Vlaamse Vloek“. Das Songwriting noch etwas simpler, aber mit gekonntem Wechselspiel zwischen monotonen Midtempo-Parts und punkigen Attacken, bevor der Track dissonant ausklingt.
DOODSWENS fühlen sich hörbar wohl in ihrer Nische. Denn auch wenn man auf „Doodswens“ Überraschungen oder Aha-Momente vermisst, macht der souverän gezockte räudige Black Metal der Niederländer Spaß. Großen Anteil daran hat die beeindruckende Performance von Frontfrau I., die sich allen Ballast, Schmerz und Hass erbarmungslos von der Seele schreit und dem Album stellenweise fast schon etwas Kathartisches verleiht. Hier schließt sich auch der Kreis zum Konzept der Band, denn nach Selbstaufgabe klingt „Doodswens“ wirklich nicht.
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Wertung: 7.5 / 10


