CD-Review: Dool - Here Now, There Then

Besetzung

Ryanne van Dorst – Gesang, Gitarre
Nick Polak – Gitarre
Reinier Vermeulen – Gitarre
Job van de Zande – Bass
Micha Haring – Schlagzeug
Gastmusiker:
Farida Lemouchi – Gesang (Tracks 01, 06) Reyn Ouwehand – Keyboards, Perkussion (Track 04)
Judith van der Klip – Geige (Track 05)
Edwin Willemen – Rhodes (Track 07)

Tracklist

01. Vantablack
02. Golden Serpents
03. Words On Paper
04. In Her Darkest Hour
05. Oweynagat
06. The Alpha
07. The Death Of Love
08. She-Goat


Bei Prophecy Productions hat man offenbar den Dark Rock für sich entdeckt. Nachdem sich nämlich Secrets Of The Moon 2015 mit „Sun“, das über das Sublabel Lupus Lounge erschien, auf interessante Weise diesem Stil zuwandten, veröffentlichen nun die Düsterrock-Newcomer DOOL ihr vielversprechendes Debüt „Here Now, There Then“ über das renommierte Label. Obwohl eine gewisse stilistische Parallele nicht zu überhören ist, heben sich die jungen Niederländer von den ehemaligen Black-Metallern jedoch durch ihre Einflüsse von The Sisters Of Mercy und Sonic Youth merklich ab, sodass von einem müden Abklatsch keineswegs die Rede sein kann.

Der verheißungsvoll schleppende Zehnminüter „Vantablack“ eröffnet den düsteren Reigen mit melancholischen cleanen und verzerrten Gitarren sowie abwechselnd nachdenklichem und beschwörendem Gesang, womit DOOL bezüglich der Stimmung zunächst tatsächlich Assoziationen zu „Sun“ hervorrufen. Auch das mysteriös unheilvolle „In Her Darkest Hour“, das von einem Tim-Burton-mäßigen Kinderklavier eingeleitet wird, schlägt in diese atmosphärische Kerbe, doch ansonsten gehen die fünf Flachländer wesentlich rockiger zu Werke. Bestes Beispiel dafür ist „Words On Paper“ mit seiner lässigen Bassline, den kraftvollen Drums und Gitarren, die – wie auch in einigen der übrigen Tracks – von ihren akustischen Counterparts untermalt werden.
Stilistisch treten DOOL keine zwei Songs lang auf der Stelle, immer wieder zeigen sich die Dark-Rocker von einer anderen, im Gesamtkonzept jedoch stets stimmigen Seite. Von My-Dying-Bride-Gedächtnisgeigen („Oweynagat“) bis zu traurigen, sehnsüchtigen Gesängen („The Death Of Love“) ist es nur ein Katzensprung über ein wenig geheimnisvollen Okkult-Flair („The Alpha“). Dennoch entfernen sich DOOL nie zu weit von ihrem roten Faden, den Balanceakt zwischen kompositorischer Vielfalt und Kohärenz hat das Quartett also schon jetzt gemeistert.
Abgesehen von der Instrumentalisierung können sich DOOL insbesondere für ihre Leadsängerin auf die Schulter klopfen, Ryanne van Dorst drückt den Songs mit ihrer markanten Stimme immer wieder aufs neue ihren ganz eigenen Stempel auf. Egal ob kräftig rockend oder sanft schmeichelnd, Ryannes Gesang macht sehr viel von der Atmosphäre aus, von der „Here Now, There Then“ die vollen 50 Minuten über erfüllt ist. Dass gelegentlich ein paar Passagen nicht gänzlich fesseln können und ein wenig nach Füllmaterial klingen, ist angesichts der Leistung, die DOOL auf ihrem ersten Album ansonsten erbringen, ohne weiteres zu verschmerzen.

Wer die Atmosphäre von „Sun“, aber eben auch rockigere Töne wie die von The Sisters Of Mercy zu schätzen weiß, wird mit „Here Now, There Then“ viel Freude haben. DOOL zeigen sich auf ihrem ersten Album gleichermaßen kreativ und stilsicher und haben sich damit ihren Platz bei Prophecy Productions auf jeden Fall schon mal redlich verdient. Man darf gespannt sein, inwieweit die Düsterrocker ihren Sound in Zukunft noch verfeinern werden können. Bis dahin wird ihr Debüt jedenfalls noch lange Zeit für Unterhaltung sorgen.

Bewertung: 8 / 10

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